Sonntag, 26. Juni 2016

Der dritte Stock

Der Kühlschrank war leer. Das Brot war hart. Verdammt. Gab es denn nichts Essbares mehr in dieser Wohnung? Nein. Harald blieb nichts anderes übrig. Er musste einkaufen gehen. Das war angesichts seines Alters gar nicht so leicht. Beim Treppensteigen schmerzten ihn die Knie, die Bushaltestelle war so weit weg wie der Mond. Er vermisste die kleinen Tante-Emma-Läden. Man brauchte sich überhaupt keine Gedanken machen, welche Marke man nahm. Es gab sowieso nur eine. Heute musste er durch endlos lange Gänge, erreichte die oberen Regale nicht und bücken konnte er sich ebensowenig, weil sonst seine Bandscheiben Tango tanzten.

Sonntag, 19. Juni 2016

Verfolgungswahn

Das Internet ist schon eine tolle Sache. Ganze Revolutionen können organisiert werden, Demonstrationen und Gegendemonstrationen. Nicht auszudenken, wenn da einer allein mit seinem Schildchen stehen würde. Die Menschheitsgeschichte wäre ja ganz anders verlaufen! Aber das Internet bewegt nicht nur die Welt, es erfasst auch so gut wie jede Bewegung. Die eigene beim Sport zum Beispiel, die des Partners bei was auch immer, die der Kinder, wenn sie Blödsinn im Kopf haben oder 100 andere Dinge. Zusammen mit Smartphones und GPRS sind dem Verfolgungswahn keine Grenzen gesetzt - da freut sich der Datenschutz. Das häufigste Stalking-Opfer ist jedoch der Paketbote.

Sonntag, 12. Juni 2016

Facharzt oder Friedhof

Ein gesunder Lifestyle, wie es neudeutsch heißt, ist so in wie nie. Man wird überrannt von Superfoods aus Asien und Südamerika, erschlagen von Fitness-Tools und Sport-Tracking-Apps und die Gesellschaft verliert den Kampf gegen den Wohlstandsspeck. Kein Wunder, denn wer krank wird, kann sich genausogut gleich eingraben lassen. Da erspart man sich einen langen Leidensweg. (Vorsicht! Sarkasmus, Ironie und ähnliche Inhaltsstoffe!)

Sonntag, 5. Juni 2016

Zoomania

Es ist Feiertag. Und schönes Wetter. An solchen Tagen bist du geradezu verpflichtet, etwas mit Kind und Kegel zu unternehmen. Da es gerade nicht warm genug fürs Schwimmbad ist, ist der Zoo die einzig wahre Alternative. Ansonsten kann man wirklich gar nichts unternehmen, wie der Mangel an Parkplätzen beweist. Wie der Zoologe weiß, fängt der frühe Wurm den Vogel - oder so ähnlich. Der Rucksack wird also schon am Vorabend gepackt, damit man zeitig zum ersten Programmpunkt am Parkplatz steht: Das Wettaufklappen der Buggys. In der Schlange an der Kasse bleibt genug Zeit, um die Konkurrenz zu begutachten - mit ihren Jack-Wolfskin- und Engelbert-Strauss-Outdoor-Softshell-Jacken, extra für Familienausflüge angeschafft. Da haben wir eindeutig Nachholbedarf.