Sonntag, 20. September 2015

Höchststrafe für den Langschläfer

Bild: FreeImages.com / Dore Ryniss
Ich liebe Zwergnase. Über alles. Wirklich. Aber mit einer seiner Eigenschaften komme ich wirklich überhaupt nicht klar. Er steht viel zu früh auf. Das ist wirklich mit Abstand das Schlimmste am Elternsein für mich. Mein Bett und ich waren ziemlich beste Freunde, würde ich sagen. Doch seit Zwergnase auf der Welt ist, trifft die Beschreibung "Schlaflos in Deggendorf" wohl eher auf mich zu.

Das Hauptproblem ist wahrscheinlich das mütterliche Reaktionsgen. Ich will einfach mal behaupten, dass dies bei mir besonders gut ausgeprägt ist. Es äußert sich folgendermaßen. Wenn ich gegen 22 Uhr ins Bett gehe, kann ich nicht einschlafen, obwohl ich müde wie ein Stein bin. Ich wälze mich hin und her und lausche immer wieder, ob nicht Geräusche aus dem Kinderzimmer dringen.

Irgendwann werden die Lider dann doch schwer. Ich wälze mich noch dreimal hin und zurück und merke, dass es jetzt gleich so weit ist. Pure Erleichterung macht sich in mir breit, nun endlich einschlafen zu können -  als würde mir nun endlich jemand zuflüstern "Deine Lider werden ganz schwer. Du merkst, wie dich der Schlaf davonträgt..." oder was auch immer solche Entspannungsdinger dahin faseln. Und es ist immer, wirklich genau immer genau dieser Moment, wenn ich wirklich einschlafe, in dem das Babyphon anspringt und Zwergnase brüllt. Weil er sich den Kopf gestoßen hat, die Decke weggestrampelt hat und friert oder die Decke nicht weggestrampelt hat und schwitzt. Wie mans macht, macht mans verkehrt. Mama springt also auf, trägt den Zwerg in ihr Bett, geht nochmal schnell aufs Klo und kuschelt sich zu ihrem Spross, der artig sofort weiter schläft, als wäre überhaupt gar nichts gewesen. Und Mami? Ist hellwach. Wieder. Der Sekundenschlaf zuvor hat gereicht, um mich mindestens eine Stunde weiterwälzen zu lassen.

Wenn ich nach dieser Stunde ausgewälzt habe und wieder am Einschlafen bin, schläft Zwergnase genau so lange, dass er anfängt, im Bett herumzuwandern. Mitunter setzt er sich auch wie ein Schlafwandler auf, um sogleich wieder umzufallen. Mit seinem harten Schädel treffsicher auf Mamas Nase. Er spielt aber auch gerne Propeller und dreht sich wie ein Kreisel im Bett. Wo er dafür mit den Füßen ansetzt, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Und irgendwann ist es Morgen. Zwergnase setzt sich auf, strahlt dich an und ruft mir "Mama! Brille!" entgegen. Der Zeitpunkt, an dem ich mich endgültig von meinem Bett verabschieden kann. Es handelt sich sozusagen um den Point of no return und sehnsüchtig werfe ich meinem Kissen einen letzten Blick zu. Aber ich bin mir sicher, dass ich mich rächen werde. In 15 Jahren etwa werde ich am Sonntagmorgen Staubsaugen und Schnitzel klopfen und alles andere, was Krach macht. Und wenn Zwergnase sich dann das Kissen über den Kopf zieht und stöhnt "Mama, muss das sein?", dann werde ich grinsen. Von einem Ohr zum anderen. Jawohl.

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