Sonntag, 16. August 2015

Unterhaltsame Popups

Jeder kennt sie. Kunterbunte Popups. Auf der Freibadwiese wimmelt es nur von diesen kleinen Zelten, die Schatten spenden sollen. Wenn diese Dinger aufgebaut werden, sieht das sehr stylisch aus. Sie entfalten sich von selbst, wenn man sie eleganterweise nur in die Luft wirft (daher der Name). Dann passiert lange nicht viel.

Wenn sich die Sonne senkt, der Tag sein Ende nimmt und es daran geht, den ganzen Hausstand wieder einzusammeln, wird es spannend. Das Popup-Zelt will wieder eingepackt werden. Papa nimmt sich der wichtigen Aufgabe an. Gut, dass das Zelt so flexibel ist. Es wird erst einmal in alle Richtungen verdreht. Mama sucht in der Zwischenzeit den Rest zusammen, fängt die Kinder ein und zieht sie an. Ganz unauffällig kramt Papa indes eine Gebrauchsanleitung hervor, die er eingehend studiert. Es erfolgt neuerliche Verrenkungsakrobatik. Jetzt werden auch die Füße mit eingesetzt. Ganzkörper-Workout mit einem Hauch Yoga, wie auch der Laie nur unschwer an den sich auf Papas Stirn bildenden Schweißperlen erkennt.

Mama hat soweit alles beisammen und blickt ärgerlich drein. Genau e i n e Aufgabe hatte Papa zu erfüllen und daran scheitert die Flasche. Lass das lieber mal die Mama machen, denkt sie sich und reißt ihm das nachwievor stabil entpoppte Zelt aus den Händen. Ihr Popup-Zelt! Workout für die ganze Familie! könnte eigentlich ein Werbeslogan lauten. Mama scheitert an dem Teil genauso wie Papa. Die Gebrauchsanleitung anscheinend völlig unbrauchbar. Nun packen beide mit an, versuchen das Ding mit roher Gewalt in den Beutel zu stopfen. Doch das Zelt lacht ihnen nur höhnisch ins Gesicht, um einfach wieder aufzuploppen. Es folgen gegenseitige Schuldzuweisungen. Das Zelt steht bombenfest. Ein anderer Badegast zeigt Zivilcourage und pirscht sich an. Im Kreis stehend wird das Zelt beschworen, verschiedene Strategien werden ausgetauscht, Konstruktionsprobleme erörtert, bevor zum Angriff geblasen wird. Ein Zelt gegen drei Deppen Popup-Sondereinsatz-Spezialisten.

Was würde ich mir eine Tüte Popcorn zu diesem Popup-Blockbuster wünschen! Vom Ende hätte ich mir jedoch mehr erwartet. Der Film endet mit einer schlichten Geiselnahme. Von Papas Händen so fest umklammert, dass die Finger weiß hervortreten, wird das widerspenstige Zelt einfach hinausgetragen. Vielleicht bekomme ich ja noch irgendwann die Fortsetzung am Auto zu sehen, wenn das Popupzelt in den Kofferraum soll...

Bildnachweis: FreeImages.com / Dore Ryniss

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