Sonntag, 30. August 2015

Männerlogik

Bild: FreeImages.com / Alan Eno
Er steht vorm Spiegel. Demonstrativ streckt er seinen Bauch heraus, umkreist ihn liebevoll mit den Händen. "Wann ist es denn soweit?", frage ich. Ein Seufzen. "Ja, ich sollte wieder mehr für mich tun. Dieser Speck auf den Hüften wird immer hartnäckiger." Angesichts der Tatsache, dass ich nichts anderes tue, als mit meinem Körper zu kämpfen, während mein Göttergatte hier von zwei oder drei Kilo mehr oder weniger spricht, verzichte ich auf Diplomatie. "Jaaaaaa..." nuschle ich nur.

Es trifft ihn nicht wirklich. Denn in seinem Männerhirn wurde bereits eine unaufhaltsame Kette von Aktionen in Gang gesetzt. Denn Männer kennen keine Ausgewogenheit. Sie kennen nur mit dem Kopf durch die Wand. Sie wollen der Welt ihre Superheldenqualitäten beweisen und wie professionell sie sich eines Problems annehmen. "Ha! Ihr Dilettanten! Jetzt komme ich!" schreit der Tatendrang hinaus in die Welt. Es werden Fachartikel studiert und verglichen und vor allem wird passendes Equipment angeschafft. Damit auch ja jeder sieht, dass man(n) Profi ist. Je nach Spleen sammelt sich da so einiges an. Zum Beispiel ein Fahrradtrikot und eine Trinkflasche, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. "Ich brauche einfach mehr Bewegung!", hieß es da. Das Trikot hängt einmal getragen im Schrank. Die Trinkflasche verwendet Zwergnase zum Spielen. Im Keller steht ein Ergometer und eine Hantelbank. Ein Sandsack ist, wenn ich mich richtig erinnere, auch aufgehängt worden.

Jüngst wurde auch erläutert, wie es sich mit der Kalorienbilanz verhält. "Du nimmst nur ab, wenn du weniger aufnimmst, als du verbrauchst!" - Aha. Der Stein der Weisen also. Die Theorie wird alsdann in die Praxis umgesetzt. Abends gibt es einen kleinen gemischten Salat. Sieht zumindest recht gesund aus. Oder drei Tomaten und ein Stückchen Käse. Auf die Nachfrage, ob das denn gereicht habe, folgt prompt ein "Ich bin satt!!!" Es vergeht eine Stunde, nach der er plötzlich aufspringt und zum Kühlschrank geht. Dieser wird von oben links bis unten rechts nach Essbarem abgescannt. Der Jäger und Sammler eben. Der Kühlschrank wird unverrichteter Dinge wieder geschlossen. Das Männchen nimmt wieder auf der Couch Platz. Nur wenig später springt er erneut auf, hechtet zum Süßigkeitenregal, schnappt sich eine Tafel Schokolade und füllt erneut die Druckstellen auf der Couch aus. Stetig und zuverlässig wie ein Uhrwerk wandern die Finger zur Schokolade und damit zum Mund, bis die Packung leer ist. Diese wird wie von Geisterhand auf dem Couchtisch abgelegt. Keiner will es natürlich gewesen sein! Bloß nicht drauf ansprechen!

Aber ohne Bewegung kann man ja sowieso nicht abnehmen. Da muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Deswegen wurde auch die Wurstsemmeln verschmäht, die bei einer Renovierungsaktion bereit standen. Erneuter Vortrag zur Kalorienbilanz mit Rechenbeispiel zur Verbrennung durch körperliche Aktivität, während eine Semmel verdrückt wird. Das muss reichen!

Zwei Stunden später wird geradezu beiläufig erwähnt, dass man sich ja schon sehr lange keine Pizza mehr bestellt hätte. Wäre doch mal wieder was! Sie fragt, ob man sich vielleicht eine teilen könnte. Aber das geht natürlich wegen des Mindestbestellwertes für Lieferungen nicht, wird sie aufgeklärt. Und so isst er seine Pizza ganz alleine.

Sonntag, 23. August 2015

Ausschlafen am Sonntag


Sonntagfrüh. Es ist still. Ungewöhnlich still. Ich sehe auf den Wecker. 6.15 Uhr. Mit einem Schlag fällt es mir ein. Zwergnase ist nicht da. Er schläft auswärts, wir waren am Abend vorher aus. Mir entwischt ein genießerischer Seufzer, ehe ich die Augen schließe und mich wieder auf die Seite drehe. Schließlich muss man es ausnutzen, wenn mir Zwergnase nicht meine Brille auf die Nase drückt und an der Bettdecke zieht, weil es Zeit zum Aufstehen ist. Um 6 Uhr. Am Sonntag. (Was ist Wochenende eigentlich?)

Ich befinde mich in einem angenehmen Dämmerzustand und genieße die Ruhe. So eine Gelegenheit kommt so bald nicht wieder! Vor 10 Uhr stehe ich heute nicht auf! Nein! Ganz bestimmt nicht. Noch einmal tief durchschnaufen und dann gleite ich hinweg in das Land der Träume...

...ssssssssssssssssss. Ssssssssss. SSSSSSSSSSSSSSSS. Irgendwas kitzelt am Bein, das ich um die Decke geschlungen habe. Ein nervöses Zucken, dann ist wieder Ruhe. Ich wälze mich auf die andere Seite. Ssssssssssssssssss. Ein Schlag aufs eigene Ohr. Dieses Mistvieh habe ich jetzt bestimmt erwischt. Tief durchatmen und die Augenlider aufeinander pressen. Vor 10 Uhr stehe ich nicht auf!

Plötzlich ein lautes Klatschen, danach ein Fluchen. Dieses Mistvieh ist weiter gezogen und belästigt Papa Zwergnase. Aber nach mir die Sintflut! Wenn es um meinen Schlaf geht, bin ich Egoist. Soll sich Papa Zwergnase als Held beweisen und diesen Drachen mannhaft erlegen! Und wie es nun mal so ist, bestraft der Herr kleine Sünden immer sofort. Diese blöde Fliege landet direkt auf meiner Nase. Reflexartig greife ich hin, um natürlich keine Fliege zu erwischen, fahre in die Höhe und reibe, was das Zeug hält. Doch das Kitzeln will nicht verschwinden.

Als die Maschine den Kaffee ausspuckt, ist es 7.15 Uhr. Sonntagfrüh. Ausschlafen ist toll.

Bildnachweis: FreeImages.com / norriuke

Sonntag, 16. August 2015

Unterhaltsame Popups

Jeder kennt sie. Kunterbunte Popups. Auf der Freibadwiese wimmelt es nur von diesen kleinen Zelten, die Schatten spenden sollen. Wenn diese Dinger aufgebaut werden, sieht das sehr stylisch aus. Sie entfalten sich von selbst, wenn man sie eleganterweise nur in die Luft wirft (daher der Name). Dann passiert lange nicht viel.

Wenn sich die Sonne senkt, der Tag sein Ende nimmt und es daran geht, den ganzen Hausstand wieder einzusammeln, wird es spannend. Das Popup-Zelt will wieder eingepackt werden. Papa nimmt sich der wichtigen Aufgabe an. Gut, dass das Zelt so flexibel ist. Es wird erst einmal in alle Richtungen verdreht. Mama sucht in der Zwischenzeit den Rest zusammen, fängt die Kinder ein und zieht sie an. Ganz unauffällig kramt Papa indes eine Gebrauchsanleitung hervor, die er eingehend studiert. Es erfolgt neuerliche Verrenkungsakrobatik. Jetzt werden auch die Füße mit eingesetzt. Ganzkörper-Workout mit einem Hauch Yoga, wie auch der Laie nur unschwer an den sich auf Papas Stirn bildenden Schweißperlen erkennt.

Mama hat soweit alles beisammen und blickt ärgerlich drein. Genau e i n e Aufgabe hatte Papa zu erfüllen und daran scheitert die Flasche. Lass das lieber mal die Mama machen, denkt sie sich und reißt ihm das nachwievor stabil entpoppte Zelt aus den Händen. Ihr Popup-Zelt! Workout für die ganze Familie! könnte eigentlich ein Werbeslogan lauten. Mama scheitert an dem Teil genauso wie Papa. Die Gebrauchsanleitung anscheinend völlig unbrauchbar. Nun packen beide mit an, versuchen das Ding mit roher Gewalt in den Beutel zu stopfen. Doch das Zelt lacht ihnen nur höhnisch ins Gesicht, um einfach wieder aufzuploppen. Es folgen gegenseitige Schuldzuweisungen. Das Zelt steht bombenfest. Ein anderer Badegast zeigt Zivilcourage und pirscht sich an. Im Kreis stehend wird das Zelt beschworen, verschiedene Strategien werden ausgetauscht, Konstruktionsprobleme erörtert, bevor zum Angriff geblasen wird. Ein Zelt gegen drei Deppen Popup-Sondereinsatz-Spezialisten.

Was würde ich mir eine Tüte Popcorn zu diesem Popup-Blockbuster wünschen! Vom Ende hätte ich mir jedoch mehr erwartet. Der Film endet mit einer schlichten Geiselnahme. Von Papas Händen so fest umklammert, dass die Finger weiß hervortreten, wird das widerspenstige Zelt einfach hinausgetragen. Vielleicht bekomme ich ja noch irgendwann die Fortsetzung am Auto zu sehen, wenn das Popupzelt in den Kofferraum soll...

Bildnachweis: FreeImages.com / Dore Ryniss

Sonntag, 9. August 2015

Wir könnten ja mal wieder grillen


Wir sitzen auf dem Balkon und genießen die laue, sternklare Sommernacht. Plötzlich fängt Papa Zwergnase zu schnuppern an. "Da grillt wer!", wirft er fast grimmig in die Nacht hinaus. Ich schnuppere ebenfalls. "Stimmt." Schweigen. Wir hören Gläser aneinanderklingen. Gelächter. "Wir könnten ja mal wieder grillen", meint er ganz unverbindlich. So ein gemütliches Beieinandersitzen wäre wieder einmal schön. Die Unverbindlichkeit wird zur Verbindlichkeit und wir laden für den kommenden Samstag zum Grillen ein. Nicht viele Leute, man will es ja nur gemütlich haben, nichts Besonderes.

Nichts Besonderes artet dann in vier bis fünf verschiedene Salate aus, ein Saucensortiment wird angeschafft, auf das ein Grillhouse neidisch wäre, dazu Kräuterbaguettes, Grillkäse, Würste und Fleisch. Viel Fleisch. Eine Nachspeise braucht es natürlich auch, wohlweislich, dass sich sowieso schon alle am Grillfleisch hemmungslos überfressen haben werden. Alkohol muss auch kalt gestellt werden und am Ende der Vorbereitungen platzt der Kühlschrank aus allen Nähten.

Papa Zwergnase heizt den Grill an. Ich decke den Tisch ein. Ein kritischer Blick zum Himmel. Es ist stark bewölkt, zeitweise sehr windig. Ich sage Papa Zwergnase, dass er den Grill umstellen muss, weil der Qualm zum Tisch zieht. Er entgegnet, dass es nachher sicher nicht mehr windig sei. Nochmals ein kritischer Blick zum Himmel. "Meinst du, das Wetter wird halten?" - "Essen können wir auf alle Fälle draußen. Und wenn alle mit anpacken, haben wir ja schnell alles hinein getragen." Mir gefällt die Sache gar nicht. Aber ich bin es ja gewöhnt. Wir sind keine Schön-Wetter-Griller. Wir grillen nicht dann, wenn alle grillen. Wir brauchen beim Grillen die Herausforderung, den Nervenkitzel. Nass werden oder nicht nass werden - Leben am Limit. Soviel ist mal klar.

Kurz bevor die Gäste kommen, der Super-GAU. Fast unbemerkt ploppen die Regentropfen auf den Tisch. Ich weiß nicht, ob es sich im Folgenden um die richtige Reihenfolge handelt, denn es passiert alles ganz schnell. Ich reiße die Augen weit auf. "Es fängt zu regnen an!" - "Da kommt bestimmt gleich ein richtiger Guss runter!" - "Ich habe es dir doch gleich gesagt!" - "Pack lieber mit an!" Hektisch räume ich alles wieder in die Küche. Papa Zwergnase versucht die Glut mit einem Schirm zu schützen. Der Wind fegt die Tischdecke vom Tisch. Das wird heute nichts mehr! Ich decke den Tisch in der Küche. Papa Zwergnase ruft zwischen den Regentropfen: "Da hinten reißt es schon wieder auf!" Tatsächlich hat es sich nur um einen kurzen Schauer gehandelt. Der Regen hört schnell wieder auf. Kommando zurück! Ich balanciere das Geschirr über unsere Treppe wieder hinunter in den Garten, fange die Tischdecke ein und fange von vorne an.

Den ersten eintreffenden Gästen wird die vergangene Viertelstunde detailreich erzählt. Es wird über das Wetter fachgesimpelt. Man ist sich einig, das wird schon halten. Als die erste Runde Fleisch auf die Teller verteilt wird, sagt einer: "Es hat mich gerade abgetröpfelt!" Der Qualm des Grills wird zum Tisch geblasen. Ein kritischer Blick zum Himmel. Er ist schwarz, wie die Nacht finster...

Bildnachweis: FreeImages.com / Phostezel

Sonntag, 2. August 2015

Die Vorzüge des Kollektiveigentums


Alles gehört allen. So könnte man Kollektiveigentum wohl am knappesten beschreiben. In der Theorie eine feine Sache, die Geschichte hat aber bisher leider gezeigt, dass es mit der Praxis nicht so klappen will. Dabei müsste man doch nicht immer gleich in die Vollen gehen. Es müssen ja nicht ganze Betriebe als Gemeinschaftseigentum angesehen werden. Nein, situationsbezogen würde doch reichen. Daher schlage ich die Erprobung im Kinderplanschbecken vor!

Es sieht doch folgendermaßen aus: Mami schleppt haufenweise Spielzeug mit ins Schwimmbad. Eimerchen, Gießkanne, Wassermühle, Wasserspritze, Softball, Wasserball, Luftmatratze, Schwimmreifen, Plastikboot, etc. Mami zwei schleppt mit: Eimerchen, Gießkanne, Wassermühle, Wasserspritze, Softball, Wasserball, Luftmatratze, Schwimmreifen, Plastikboot, etc. Mami drei... ach, lassen wir das. Fakt ist, dass alle das gleiche Spielzeug mitnehmen. Im Kinderbereich findet es sich in höchstens drei verschiedenen Farben und alle haben sie das billige Zeug vom Ein-Euro-Shop dabei.

Die Kinder sind in der Regel schlauer als die Mütter. Die nehmen sich, was gerade frei ist. Gleich, ob es ihnen gehört, oder nicht. Es spielt ja auch keine Rolle. Im Wasser geht ohnehin nicht leicht etwas kaputt. Außerdem möchte ich mal in so ein Kleinkind-Hirn schauen, wenn die Mutter dem Kind einen gelben Eimer wegnimmt, schimpft, dass der Eimer ja nicht ihm gehöre, sondern es diesen Eimer nehmen solle, der wiederum gelb ist. Mutter nimmt Kind den gelben Eimer, drückt ihm den anderen gelben Eimer in die Hand. Kind merkt, dass ihm gerade etwas genommen wurde und will natürlich und partout den anderen gelben Eimer - und zum Schluss weiß keiner mehr, welcher Eimer nun welcher ist, aber die Mutter ist gestresst und das Kind plärrt. Super. Wegen eines kleinen, gelben Eimerchens, das es im Set mit anderem Spielzeug für 2,99 Euro gibt.

Am besten wäre es doch, eine große Box aufzustellen, jeder bringt am Anfang der Saison ein billiges Spielzeugset mit und wirft es hinein. Alle dürfen mit allem spielen, keiner muss mit Argusaugen überwachen, dass ja kein fremdes Patschehändchen Hand an die eigene hoch heilige Gießkanne legt. Mami braucht nicht soviel schleppen und die Kinder sind glücklich. Das wäre doch was!

Bildnachweis: FreeImages.com / Peter Ong