Samstag, 28. Februar 2015

Verschwörungstheorien, Masern und Utopia


Manchmal denke ich mir, dass Verschwörungstheoretiker einfach zuviel Zeit haben und es ihnen dennoch an der Fähigkeit mangelt, die Dinge zu Ende zu denken. Hinter jeder politischen Handlung, hinter jeder Erscheinung oder jeder Schlagzeile wird eine Verschwörung vermutet. Ist die Welt nicht so, wie wir denken, dass sie ist?

Ich muss zugeben, an der ein oder anderen Verschwörungstheorie könnte durchaus was dran sein. Die Amis haben das WTC selbst gesprengt, um einen Kriegsgrund zu haben? Durchaus im Bereich des Möglichen. In der Weltpolitik wurden schon immer Opfer in Kauf genommen, um ein Ziel durchzusetzen. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass einiges an moralisch-ethisch Verwerflichem im Hintergrund läuft, von dem der kleine Mann nichts weiß und nichts wissen soll. Das Motiv? Raffgier und Prestige der Mächtigen. Der Jäger und Sammler ist immer noch in uns verankert. Je mehr man hat, desto besser. Auch die Gesellschaftsgeschichte zeigt, dass es immer wenige gab, die mehr hatten als die breite Masse. Selbst in politischen Formen, in denen alle gleich sein sollten. Manche waren halt doch immer gleicher.

Die Frage ist nun, ob man solche Dinge überhaupt wissen muss. Was ändert es? Hilft Empörung über unethisches Verhalten wirklich weiter? Einen Machthaber zu Gunsten des nächsten absetzen? Oder muss man sich nicht trotz des Wissens einfach den Begebenheiten beugen? Welche Lösungen gäbe es?

Nehmen wir das brandaktuelle Beispiel Masern. Eine der Theorien besagt, dass die Pharmaindustrie die Masern in Umlauf bringt, um die Impfstoffe zu verkaufen. (Wer ist aber dann "die Pharmaindustrie"? Geht da einer in Kindergärten und hustet Kinder an? Oder wie läuft das?) Wir nehmen also nun einfach mal an, dass es stimmen würde. An der Krankheit und den möglichen Folgeschäden ändert das aber nichts. Man muss also Prioritäten setzen. Sich gegen die Pharmaindustrie auflehnen und sein Kind nicht impfen, dafür aber riskieren, dass es lebenslang behindert ist oder stirbt? Wo die Krankheit auch herkommen mag, die Risiken bleiben so oder so dieselben. Und wäre dann nicht gerade eine Impfpflicht nicht der beste Schlag gegen die Pharmazeuten? Wieviel verdienen die eigentlich noch an Impfstoffen gegen die Pocken?

Wollte man sich allen negativen Einflüssen entziehen, müsste man schon zu den Lebensformen der Steinzeit zurückkehren. Jeder versorgt sich selbst und nimmt nichts von Dritten an. Angesichts der Weltbevölkerung könnte es schwierig werden, für jede Familie ein abgeschottetes Siedlungsgebiet zu finden. Sobald aber größere Gruppen entstehen, werden auch die Machtspiele wieder aktiv. Ein nicht enden wollender Kreis, man durchläuft die Menschheitsgeschichte einfach nur neu. Allerdings wäre dann auch wieder weniger Platz für Verschwörungstheorien. Schließlich muss man für sein (Über-)Leben tagtäglich hart kämpfen und arbeiten. Da wird es mit der Zeit schwer werden, noch Energie für Empörung zu haben.

Wie heißt es so schön? Wir sind hier nicht bei "Wünsch dir was", sondern bei "So isses!"
Was könnte nicht alles Gutes geleistet werden, wenn die ganze Energie nicht für Empörung draufginge...

Bildnachweis: FreeImages.com / cgrant6

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