Donnerstag, 31. Dezember 2015

Neustart


Eine kleine Schneeflocke verfing sich in Helenes Wimpern. Als diese blinzelte, rieselte der Eisstern tiefer auf die von der Kälte geröteten Wangen, um sich dort im Salz der Tränen aufzulösen und nur das Gefühl eines eisigen Kusses zu hinterlassen. Helene stand etwas abseits von der Clique und umklammerte ihr Sektglas mit steifen Fingern. Eilig nippte sie daran, damit es niemandem auffiel, wie schwer sie schluckte.
Silvester. Jedes Jahr dasselbe. Seit ihrer Jugend trifft sich die Clique an diesem einen Tag. Früher stand eine fette Party mit reichlich Alkohol im Vordergrund. Doch in den letzten Jahren waren sie allesamt ruhiger geworden. Sie blieben nun zuhause, der Gastgeber wechselte. Das Dumme war, dass sie sich alle nur noch zu diesem Termin trafen. Silvester war zu einem Wettbewerb geworden, wer im vergangenen Jahr das meiste erreicht hatte oder im neuen die besten Aussichten hatte.

Helene war froh, das Raclette hinter sich zu haben. Marlene und Martin hatten sich an Heilig Abend verlobt und würden im kommenden Sommer heiraten. In DER Location, um die sich alle rissen. Selbstverständlich. Er hatte rechtzeitig reserviert, um Marlene ihren Traum zu erfüllen. Helene hatte sich nur gewundert, dass der Ort der Feierlichkeiten anscheinend wichtiger als der Anlass selbst zu sein schien. Wie sich die beiden an den Händen gehalten haben, natürlich so, dass der fette Brillant perfekt zur Geltung kam, wie sie sich tief in die Augen geschaut haben, um sich dann vor allen anderen zu küssen. Helene hätte am liebsten über den Tisch gekotzt. Stattdessen hatte sie der Bowle zugesprochen. War ja genügend da, nachdem ihr Sabrina leise zugeraunt hatte, dass sie keine trinken dürfe. Im Juli würden sie und Frank stolze Eltern sein. Na super. Wenigstens waren die beiden zurückhaltender als Marlene und Martin. Helene hatte Sabrinas Hand unter dem Tisch gedrückt und ihr leise gratuliert. Eigentlich freute sie sich ja für die beiden. Sollten sie auf ihr Glück verzichten, nur weil Helene Single war? Mit 33? Wohl kaum. Auch bei Marcel lief es gut. Er war befördert worden und hatte sich eine schicke Eigentumswohnung in Frankfurt zugelegt.

Irgendwann hatten sie sich Helene zugewandt. In dem Moment, als sie sich gerade ein zu großes Stück Fleisch in den Mund gestopft hatte und erst kauen musste, bevor sie antworten hatte können. Wie dämlich es sich anfühlte, wenn einem zwölf Menschen beim Kauen zuschauten. Sie war doch keine Kuh, Herrgott! Obwohl, wenn sie eine wäre, wäre sie wohl produktiver. Was sollte sie auch erzählen. Ihr Jahr war beschissen gewesen. Daniel hatte sie verlassen. Aus heiterem Himmel. Er hätte andere Erwartungen an das Leben, hatte er gesagt. Weg war er. Samt der Katzen. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass er die Viecher mochte. Helene war daraufhin in ein tiefes Loch gefallen und hatte sich nicht mehr konzentrieren können. Aber ihren Job in diesem beengenden Büro hatte sie noch nie gemocht. Was soll’s also. „Ja, hm. Ich warte darauf, dass der Hartz-IV-Antrag durchgeht, damit ich die Wohnung behalten kann.“ Stirnrunzeln und betretenes Schweigen. Sie war der Silvesterknaller schlechthin. „Sieht aber ganz gut aus. Ich glaube, die bezahlen sogar einen Fernseher, damit man RTL schauen kann“, hatte sie schnell nachgelegt. „Wenn wir dir irgendwie unter die Arme greifen können…“ Martin hatte die Stirn in Falten gelegt und Marlene theatralisch an der Hand gefasst, „wir sind immer für dich da!“ Von wegen. Helene hatte tapfer genickt und ihr Bowle-Glas geleert. Keiner hatte Zeit für sie gehabt, verlogene Drecksbande.

Die frische Luft tat Helene gut. Sie mochte es, wie die Raketen mit einem Zischen in den Himmel sausten, um dann mit einem Prickeln in tausend Farben zu zerspringen. Das war wenigstens ein eindrucksvoller Abgang. Pünktlich um Mitternacht hatte es auch zu schneien angefangen. Helene streckte die Hand aus und sah zu, wie die Flocken auf ihrer Hand schmolzen. So leicht, als hätte es sie nie gegeben. Helene ballte die Hand zur Faust und wischte sich die Tränen ab. Neues Jahr, neues Glück.

© Karin Futschik 2015

Sonntag, 29. November 2015

Sex-Heftchen in der Schublade und Kröten im Keller

Ich verweigere jede Art von Nachrichten. Die Welt ist schlecht und die Menschen noch schlimmer. Beherrscht werden die Themen von der Flüchtlingskrise und dem IS. Manchmal geht es auch um Syrien oder Schlepperbanden. Natürlich kann man nicht nur wegschauen. Davon lösen sich Probleme nicht in Luft auf. Doch ich habe auch ein Leben. Ich kann nicht zuhause sitzen und das Gefühl haben, dass ich nur noch vor und zurück wippen darf und dabei murmele "Alles ist so schlimm. Alles ist so schlimm. Wo soll das noch hinführen. Alles ist so schlimm."

Jeden Tag durchforste ich die Nachrichten nach den kleinen Meldungen zwischendurch, in denen es zwar meist auch um Unfälle oder Verbrechen geht, aber die gleichzeitig lustig sind. Solche Meldungen gibt es nicht mehr. Es herrscht das Mantra "Alles ist so schlimm. Alles ist so schlimm. Wo soll das noch hinführen. Alles ist so schlimm."

Wo sind sie hin? So etwas würde ich wieder einmal gerne lesen:
Tittling. Am Wochenende hatte die Polizei einen dicken Fisch an der Angel. Ein bereits gesuchter Schmuckdieb wurde beim Einbruch in ein Einfamilienhaus in einem Dorf Nähe Tittling mit seinen Juwelen erwischt. Die Eigentümer besuchten eine wohltätige Veranstaltung in Passau, als der 35-Jährige in das Haus eindrang. Im Schlafzimmer des Ehepaars suchte er nach Schmuckstücken, als ihm ein Stapel Sex-Heftchen in die Finger fiel. Diese fesselten seine Aufmerksamkeit dermaßen, dass er die Rückkehr der Hausherren nicht bemerkte. Beim Eintreffen der diensthabenden Polizisten soll der Mann laut "Oh mein Gott" gestöhnt haben. Nach der Latte an Vergehen konnte man ihm das nicht verdenken. Die Polizistin weigerte sich daraufhin, ihm die Handschellen anzulegen. Seine eigenen Juwelen durfte der Dieb behalten, die übrigen wurden bereits ihren rechtmäßigen Besitzern übergeben. 
Auch nicht schlecht wäre was über Kröten im Keller:
Froschburg Dank der aktuell niedrigen Zinsen konnte Schlimmeres verhindert werden.  Eigentlich wollte die 89-jährige Herta B. nur ihre Kröten im Keller zählen. Ein Wasserrohrbruch hatte jedoch das Mauerwerk stark zersetzt, sodass eine Schar Frösche es sich zwischen ihren Kröten bequem machen konnte. Herta B. zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu, als sie auf einem der glitschigen Tiere ausrutschte. Nach drei Stunden fand sie ihr Enkelsohn, der einen Krankenwagen rief. Der Bund Naturschutz fing die Frösche ein und setzte sie in einem nahe gelegenen Tümpel wieder aus. Ihre Kröten durfte die Frau behalten. 
Aber in solchen Zeiten dürfe man nicht lachen? Da gehört sich sowas nicht? Doch, ich finde schon. Denn wenn der Humor getötet wird, ist alles aus.

Sonntag, 22. November 2015

Weihnachtswichteln

Bild: FreeImages.com / Maria Herrera
Auch wenn die Temperaturen nicht danach aussehen. Die Vorweihnachtszeit kommt in großen Schritten. Eine Weihnachtsfeier jagt die nächste. Die des Betriebs, die der freiwilligen Feuerwehr, vom Schützenverein, vom Fußballverein, vom Trachtenverein, vom Kegelverein, vom Kaffeekränzchen, vom Kindergarten und dem Frauenbund. Wer möchte, kann sich also den ganzen Advent besaufen.

Das möchte man manchmal auch, wenn ein paar Wochen vor dem entsprechenden Event der eine Satz fällt, der alle ins Verderben stürzt. "Wollen wir wichteln?" Eine Alles-oder-nichts-Frage. Wenn du da sitzt und sagst "Bloß nicht!" kannst du direkt aus dem Verein austreten, so unbeliebt machst du dich damit. Also wird ein Betrag für das Wichtelgeschenk festgelegt. Im Geschäft stellt man dann fest, dass es gar nicht so leicht ist, für 5 bis 15 Euro was Anständiges zu finden.

Wobei sich dann die Frage stellt, was denn "etwas Anständiges" ist. Ich kaufe Dinge, die ich auch gerne selber hätte. Über die ich mich freuen würde. Bei anderen bin ich mir da nicht so sicher. Da sieht es gar so aus, als würde man dem anderen eins auswischen wollen. Man fragt sich, wo man solche Grausamkeiten, die Augenkrebs verursachen, überhaupt findet. Der Verdacht liegt nahe, dass es irgendwo einen Pool mit gräßlichen Wichtelgeschenken gibt, die dann wie Wanderpokale jedes Jahr weitergegeben werden. Mich würde es nicht überraschen, irgendwo noch einen DM-Preis zu finden.

Man kann aber auch einfach mal "Nein!" sagen - und wird sich wundern, wie viele erleichtert aufatmen, dass einer voran gegangen ist.

Sonntag, 8. November 2015

Lego spielen früher und heute

Bild: FreeImages.com / Dirk Ziegener
Oma hat ihn bereits hervor geholt. Den großen roten Eimer voll mit unseren Lego-Steinen von früher. Dazu eine große grüne Platte als Basis. Während Zwergnase mit einem Bagger gespielt hat, haben wir ihm den passenden Stall dazu gebaut. Das ist gar nicht so einfach. Die Statik spielt eine erhebliche Rolle, weil sonst alles auseinander fällt, wenn man das Haus hoch heben will. Man muss darauf achten, dass die Übergänge ineinander greifen. Man braucht keine Türme, man braucht Mauern. Je länger der Stein umso besser. Am meisten verwenden wir die Achter - also die Steine mit acht Noppen. Die nur halb so langen Vierer nimmt man für Ecken oder sowas. Kleinkram eben.

Sonntag, 1. November 2015

Uroma mit Urenkel


Sonntag, 25. Oktober 2015

30 ist das neue 20

Bild: FreeImages.com /cstavridis
Stimmt nicht. Diese Behauptung ist eine reine Verzweiflungstat. Sonst nichts.

Wie sah denn das Leben mit 20 aus? Du bist auch bei minus 20 Grad leicht bekleidet weg gegangen, weil du dir sonst in der Disco einen Wolf geschwitzt hättest. Dir hätten die Eiszapfen von den Haaren wachsen können und du hättest nicht zugegeben, dass es draußen saukalt ist.

Mit 30 wählst du Zwiebellook, um dich jeder Temperatur von minus 50 bis plus 40 anpassen zu können. Allerdings sind die Temperaturunterschiede im Restaurant nicht so gravierend wie in der Disco. Zum Rauchen gehst du auch nicht raus, weil du es wegen der Gesundheit, den Kindern oder anderen Gründen aufgegeben hast.

Überhaupt kommt dir die Nylon-Industrie inzwischen sehr entgegen. Sagenhaft, wie sehr eine Strumpfhose dein Wohlbefinden steigern kann. Nein, Unterhemden ziehen wir noch nicht an! So weit ist es noch nicht. Aber so ein farblich passendes Top für unten drunter heißen wir mit offenen Armen willkommen.

30 ist nicht das neue 20. Das merkt man vor allem beim Ausgehen. Entweder es kommt sowieso nicht mehr vor oder dein Vorglühgetränk hat sich massiv verändert. Vorher war es Whiskey-Cola, jetzt ist es Kaffee. Schwarz. Und stark. Weil du sonst zur Tagesschau auf der Couch einschläfst.

Mit 20 konntest du problemlos drei Tage durchmachen. Heute kostet es dein Aussehen schon drei Jahre, wenn du nur daran denkst.

Du musst einfach auf deinen Körper besser Acht geben. Das, was er früher einfach so weggesteckt hat, hält er dir heute gnadenlos vor. Du musst dich mit kleinen fiesen Krankheiten herumschlagen, die du mit 20 nur vom Hörensagen kanntest oder gar nicht. Obwohl du Sport treibst und dich geschmeidig hältst, fängt es an zu zwicken oder zu zwacken. Oder du bekommst so seltsame Dinge wie eine Entzündung der Zahnwurzelhaut.

Mit 20 habe ich versucht, das meiste aus der Anlage im Auto herauszuholen. Harte Technobeats begrüßten mich, wenn ich die Zündung anmachte. Heute schallt der Biene-Maja-Tanz aus den Boxen. Und du singst auch noch mit.

Wenn dir einer sagt, mach das doch mit 30! 30 ist das neue 20! Glaub ihm kein Wort. Du bist zu alt für diesen Scheiß!

Sonntag, 18. Oktober 2015

Die dunkelsten Abgründe der Seele

Bild: FreeImages.com / Alvaro Reyes
Ich werde mich nicht an das Datum erinnern können. Aber sicher an den Wochentag und an die Uhrzeit. Es war ein Donnerstag. Es war die Zeit zwischen 7.50 und 8.10 Uhr. Zwanzig Minuten, die mir die dunkelsten Abgründe meines Seins offenbart haben. Zwanzig Minuten, in denen ich zu roher Gewalt fähig gewesen wäre. Nur meine Schnelligkeit und Entschlossenheit haben Schlimmeres verhindert. Es war der Donnerstag, an dem es bei Lidl Schneeanzüge und andere Winterkombinationen für Kleinkinder gab.

Als ich mein Auto auf dem Parkplatz abstellte, warteten bereits etwa fünf ältere Damen vor dem Eingang mit ihren Wägelchen. Zunächst war ich erleichtert. Ohne Wagen und ohne Kind war ich sicher schneller als diese Schabracken. Ob die wegen des Kinderzeugs da waren, war ohnehin fraglich. Nach und nach kamen jedoch Mamis mit ihren Kindern. Genau in Zwergnases Alter! Es handelte sich eindeutig um Gegner, die ausgeschaltet werden mussten. Ich würde mich zwischen den Wägen des Altersheims durchdrücken müssen und zügig zu den Wühltischen vorpreschen. Jetzt war nicht die Zeit, um auf Äußerlichkeiten oder Anstand zu achten. Jeder ist sich selbst der Nächste!

Die Minuten verstrichen quälend langsam. Die Luft war energiegeladen. Ich war mit meinem Teufelchen auf der Schulter nicht allein. Es wird ein unfairer und harter Kampf werden. In den wenigen Minuten vor der Ladenöffnung beäugte jeder seine Konkurrenten. Es herrschte eine greifbare Anspannung. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Plötzlich sprach mich eine ältere Dame an, was es wohl bei Aldi gibt. Dort sei sie eben vorbeigefahren und es stünden viel mehr Menschen vor der Tür als hier. Ich lächelte sie freundlich an, zog mein Smartphone hervor und lud die Aldi-App. Die Frau sah wie ein kleines Kind aus, das zum allerersten Mal einen Zaubertrick sieht. Leider zerstörte die wirklich nette Dame meine Hoffnungen. Sie war wegen einer der Schneejacken- und Schneehosenkombis da. Ich gab zu, wegen des Anzuges da zu sein. Es war nur kurz, aber auch ihr entglitten die Gesichtszüge, wägte sicher ihre Chancen mir gegenüber ab. "Welche Größe?", fragte sie noch kurz angebunden. "98/104", gab ich zur Antwort und die Situation entspannte sich. Sie brauchte eine andere Größe. Wir waren keine Konkurrenten.

Man hätte vielleicht noch eine Allianz schließen können, aber nun war der Startschuss gefallen. Die Ladentüren öffneten sich und ich legte einen guten Start hin. Zwei von fünf Einkaufswägelchen überholte ich sofort, eine weitere Kundin trickste ich mit einer Abkürzung durch einen Gang aus. Aber verdammt! Eine hatte ich übersehen. Sie war schneller. Wahrscheinlich trainierte sie häufiger als ich. Ich verschwendete keinen Gedanken mehr an sie. Ich wusste ja gar nicht, warum sie hier war. Noch um eine Ecke... und da waren sie! Die Wühltische! Meine Konkurrentin steuerte auf die Winterstiefel zu. Nur ein kurzer Blickkontakt und der Nichtangriffspakt war besiegelt. Ich hatte Glück. Die Schneeanzüge lagen gleich im ersten Korb. Oben auf die richtige Größe. Ich riss gerade zwei Exemplare an mich, als der Seniorenclub schnaufend um die Ecke bog. Darunter auch die nette Dame von draußen, aber sie war mir egal. Ich musste meine Beute sichern, denn ich hatte mir sagen lassen, dass sie einem auch aus der Hand gerissen werden könnte.

Wirklich durchatmen konnte ich erst, als ich meine Beute im Auto hatte. Für diese Schneeanzüge hätte ich einer alten Frau wahrscheinlich auch ein Bein gelegt!

Sonntag, 11. Oktober 2015

Einräumanleitung für den Geschirrspüler

Bild: FreeImages.com / Petria Follett
Ich bin kein großer Fan von Hausarbeit. Ich tue eben, was getan werden muss. Eine der langweiligsten Aufgaben ist zum Beispiel das Ausräumen des Geschirrspülers. Ja, ja, ich weiß. Soll man mal froh sein, wenn man einen hat. Ist mir egal. Hier geht es um Luxusprobleme! Weil ich mir nämlich keinen leisten kann, der das Ding für mich ausräumt. Nun hilft jammern ja bekanntermaßen nur wenig. Man kann lediglich versuchen, es sich so einfach wie möglich zu machen. Unter der Prämisse, dass man selbst aktiv wird und die Aufgabe nicht einfach delegiert.

Als zeitsparend hat sich das Sortieren erwiesen. Tasse zu Tasse, Glas zu Glas, flacher Teller zu flachem Teller, tiefer Teller zu tiefem Teller und so weiter. Sperriges Kochgut, das zum lediglichen Vollmachen und aus der Lustlosigkeit des händischen Abwasches heraus in die Maschine gestopft wird, darf dazwischen verteilt werden. Hier bedarf es ohnehin des Meisters in Tetris, um möglichst viel heraus zu holen... äh... hineinzustopfen. Ach, wie auch immer. 

Eigentlich braucht es keine Erläuterung, dass man so mit wenigen Handgriffen gleich mehrere Teile auf einmal entnehmen und aufräumen kann, was diese unliebsame Aufgabe eben recht schnell erledigt sein lässt. 

Manchmal glaube ich, dass mein Mann vor dem Geschirrspüler steht und in ihm das perfekte Mordwerkzeug sieht. Wenn man das Besteck nämlich ganz durcheinander in den Korb steckt, wird sich frau irgendwann die Pulsadern beim Ausräumen aufritzen.Wenn die Messer wieder zwischen den kleinen Kuchengabeln stecken und die Schneiden in alle Richtungen zeigen. Kennst du eigentlich Saw? In einem der Folgeteile wird bestimmt einer gefoltert, indem er den Geschirrkorb leeren muss!

Und dann denke ich wieder, dass es meinem Mann einfach egal ist, wie lange man zum Ausräumen des Geschirrspülers braucht und er deshalb keinen Gedanken daran verschwendet, dass Besteck lieber in Rudeln unterwegs ist. Man. Sieht man doch, wenn man in den Besteckkasten schaut!

Sonntag, 4. Oktober 2015

Hoch hinaus

Bild: FreeImages.com / Helmut Wattrott
"Zieht ihr um?"
"Nein, wieso?"
"Wo ist deine Deko hin?"

Ja, meine Deko. Ich hab sie recht gerne gemocht. Vor allem im Herbst und zu Weihnachten. Kleine Arrangements mit Stoff und Figuren, manchmal auch Streudeko. Hier ein Windlicht und da eine kleine Kerze. Dort auf dem Regal und hier auf der Fensterbank. Jetzt ist dort nichts. Nada. Wüste. Einöde. Gähnende Leere.

Es ist nicht so, dass ich plötzlich ein Anhänger des Minimalismus wäre. Ich bin pragmatisch. Dekofiguren sind meistens bunt und lachen in die Gegend. Sie sind aus Glas, Keramik oder einem anderen nicht bruchsicheren Material. Dekofiguren üben einen sehr großen Reiz aus - vor allem auf Zwergnase.

Erklär mal einem Kleinkind, dass es mit diesen bunten Dingern nicht spielen darf.
Erklär mal einem Kleinkind, warum Mama Streudeko verteilen darf, aber das Kleinkind nicht.

Ich habe es aufgegeben. Ich habe es auch aufgegeben, tausendmal "Nein!" zu sagen oder "Nur anschauen!" Es bringt sowieso nichts. Es kostet nur Nerven. Und Staubsaugerbeutel. Das betrifft im Übrigen nicht nur Deko.

Deshalb freue ich mich darauf, wenn Zwergnase älter ist und nicht mehr überall hintatscht. Dann werde ich eine Menge Stauraum haben. Denn sämtliche Regale auf seiner Höhe sind nahezu leer. Was wichtig ist und nicht kaputt gehen darf, muss hoch hinaus. Gar nicht so leicht, wenn er es inzwischen auch verstanden hat, sich Hilfe in Form eines Hockers zu holen.

Aber dieses Jahr sieht es nicht mehr so aus, als würden wir demnächst umziehen. Ich habe mich getraut und dekoriert. Aber so, dass Zwergnase nur schauen, nicht tatschen kann. Denn wenn seine Augen leuchten, wenn sich der Drache im Wind dreht oder das LED-Kerzenlicht im Kürbis flackert, dann leuchten Mamas Augen mit - zumindest bis Zwergnase betreten "Oh!" sagt...

Sonntag, 27. September 2015

Erlebe Sport

Bild: FreeImages.com / Peter Skadberg
"Erlebe Sport." steht auf dem neuen Werbeplakat des Fitness-Studios. Es fällt mir auf, als ich vorbei walke. Weil man in einer Stunde Walking nicht unbedingt seinen Geist beansprucht, denke ich darüber nach. "Erlebe Sport." Es kommt dem Drang heutzutage entgegen, immer und überall etwas erleben zu müssen. Sonst würde man ja glatt sein Leben vergeuden.

Solche Slogans leben auch von der individuellen Vorstellung des einzelnen. Durch das Erlebnis wird das Fitnessstudio in eine positive Betrachtung geschubst. Sport als Erlebnis. Sport als etwas Außergewöhnliches. Sport als etwas Aufregendes. Das soll wohl mit "Erlebe Sport." transportiert werden.

Ich war bisher in zwei Fitnessstudios angemeldet. Ist Sport im Fitnessstudio wirklich ein Erlebnis?
Man kommt an und betritt es mit einer dicken Jacke. Es trifft einen fast, wenn einem die Mischung aus Schwüle und Schweiß entgegen schlägt. In den Umkleidekabinen hängt der Mief aus Körperausdünstungen, die mit billigem und süßem Deo übertüncht werden sollen. In der rechten Ecke bieten eine Reihe Sportschuhe ein vorzügliches Käseangebot. Zwischen den Menschen herrscht eine Atmosphäre wie im Fahrstuhl. Begrüßungen und Verabschiedungen werden allenfalls genuschelt. Wobei das Gesprochene nur erahnt wird, mit den Kopfhörern im Ohr versteht dich eh keiner.

Während du auf der Suche nach dem ersten Trainingsgerät das Studio durchschreitest, wirst du von oben bis unten gemustert. Wie auf dem Viehmarkt. Schlimmer als in der Disko. Da stehe ich ja lieber mit 30 Kilo Übergewicht bei McDonalds an der Kasse. Von besser Trainierten wird man nur abschätzig gemustert, wie man da mit seinem Wasserfläschchen und dem Handtuch vorbei geht. In der Muckiecke wird sich derweil der Bizeps geküsst, zwischendurch vom Eiweißshake genippt.

Während man so auf die Anzeige des Crosstrainiers starrt, bemerken die Augenwinkel, dass eigentlich keine Sau das Desinfektionsmittel zum Reinigen der Geräte verwendet. Das Handtuch liegt meistens irgendwo daneben und auf den Lehnen und Sitzflächen sieht man Schweißflecken glänzen. Ist ja super. Da kriegt man so richtig Lust auf Muskeltraining.

Wie trainiert man Muskeln eigentlich richtig? Tja, musste wohl die Auskunft anrufen. Nach der Einweisung in die Geräte interessiert dein Trainingsprogramm keinen der "Trainer" mehr. Denn die Trainer müssen ja die Eiweißshakes für die Mucki-Männer mixen.

Die Zeit verrinnt nur langsam. Die Übungen sind langweilig. Die Luft steht. Und irgendwie merkt jeder, dass du nicht zu den Fitnessfanatikern, sondern zu den "Vorsätze für das neue Jahr"-Anmeldungen gehörst.

Ja, im Fitnessstudio erlebt man Sport. Vor allem, wie er mieft.

Sonntag, 20. September 2015

Höchststrafe für den Langschläfer

Bild: FreeImages.com / Dore Ryniss
Ich liebe Zwergnase. Über alles. Wirklich. Aber mit einer seiner Eigenschaften komme ich wirklich überhaupt nicht klar. Er steht viel zu früh auf. Das ist wirklich mit Abstand das Schlimmste am Elternsein für mich. Mein Bett und ich waren ziemlich beste Freunde, würde ich sagen. Doch seit Zwergnase auf der Welt ist, trifft die Beschreibung "Schlaflos in Deggendorf" wohl eher auf mich zu.

Das Hauptproblem ist wahrscheinlich das mütterliche Reaktionsgen. Ich will einfach mal behaupten, dass dies bei mir besonders gut ausgeprägt ist. Es äußert sich folgendermaßen. Wenn ich gegen 22 Uhr ins Bett gehe, kann ich nicht einschlafen, obwohl ich müde wie ein Stein bin. Ich wälze mich hin und her und lausche immer wieder, ob nicht Geräusche aus dem Kinderzimmer dringen.

Irgendwann werden die Lider dann doch schwer. Ich wälze mich noch dreimal hin und zurück und merke, dass es jetzt gleich so weit ist. Pure Erleichterung macht sich in mir breit, nun endlich einschlafen zu können -  als würde mir nun endlich jemand zuflüstern "Deine Lider werden ganz schwer. Du merkst, wie dich der Schlaf davonträgt..." oder was auch immer solche Entspannungsdinger dahin faseln. Und es ist immer, wirklich genau immer genau dieser Moment, wenn ich wirklich einschlafe, in dem das Babyphon anspringt und Zwergnase brüllt. Weil er sich den Kopf gestoßen hat, die Decke weggestrampelt hat und friert oder die Decke nicht weggestrampelt hat und schwitzt. Wie mans macht, macht mans verkehrt. Mama springt also auf, trägt den Zwerg in ihr Bett, geht nochmal schnell aufs Klo und kuschelt sich zu ihrem Spross, der artig sofort weiter schläft, als wäre überhaupt gar nichts gewesen. Und Mami? Ist hellwach. Wieder. Der Sekundenschlaf zuvor hat gereicht, um mich mindestens eine Stunde weiterwälzen zu lassen.

Wenn ich nach dieser Stunde ausgewälzt habe und wieder am Einschlafen bin, schläft Zwergnase genau so lange, dass er anfängt, im Bett herumzuwandern. Mitunter setzt er sich auch wie ein Schlafwandler auf, um sogleich wieder umzufallen. Mit seinem harten Schädel treffsicher auf Mamas Nase. Er spielt aber auch gerne Propeller und dreht sich wie ein Kreisel im Bett. Wo er dafür mit den Füßen ansetzt, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Und irgendwann ist es Morgen. Zwergnase setzt sich auf, strahlt dich an und ruft mir "Mama! Brille!" entgegen. Der Zeitpunkt, an dem ich mich endgültig von meinem Bett verabschieden kann. Es handelt sich sozusagen um den Point of no return und sehnsüchtig werfe ich meinem Kissen einen letzten Blick zu. Aber ich bin mir sicher, dass ich mich rächen werde. In 15 Jahren etwa werde ich am Sonntagmorgen Staubsaugen und Schnitzel klopfen und alles andere, was Krach macht. Und wenn Zwergnase sich dann das Kissen über den Kopf zieht und stöhnt "Mama, muss das sein?", dann werde ich grinsen. Von einem Ohr zum anderen. Jawohl.

Sonntag, 13. September 2015

Mein Kräutergarten

Bild: eigene
Nachdem die Küche renoviert ist, altes Gerümpel entsorgt oder im Keller zwischengelagert ist, kam ich auf die glorreiche Idee, mir einen Kräutergarten anzulegen. Besser gesagt einen Küchenkräutergarten. Wenn ich das Kraut nicht griffbereit habe, verwende ich es auch nicht.

Nach einigem Überlegen und dem Eingeständnis, dass mein grüner Daumen ja nun nicht so ausgeprägt ist, habe ich mich dazu entschlossen, den Garten dennoch zu wagen.

Bei Amazon habe ich eine dreistöckige Kräuterampel erstanden und sah sie im Geiste schon ihren betörenden Duft verströmen. Wie in einer Lebensmittelwerbung sah ich mich vorsichtig durch die Pflanzen streichen und glücklich am Herd stehen, während ich liebevoll die Kräuter in die Pfanne rieseln lasse und dann tief einatme, um das Aroma aufzunehmen.

Dass es mir egal war, dass wir schon August hatten und es sich nun nicht unbedingt um die beste Jahreszeit zur Aussaat handelt, lassen wir mal unter den Tisch fallen. Vor ein Problem stellte mich jedoch die Platzierung des Kräutergartens. Drei von den neun Pflanzen würden immer zu wenig Licht haben. Also so wenig, dass es auch nicht hilft, die den Schatten bevorzugenden Kräuter nach hinten zu setzen. Aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge und lässt vor allem Kräuter wachsen. Basilikum, Schnittlauch, Petersilie, Rosmarin, Thymian, Kresse, Dill, Oregano und Minze sollten es sein. Mit Liebe habe ich die Samen gesät und festgestellt, wie aromatisch sogar diese aus der Tüte duften, habe Schilder gebastelt und die Erde gegossen. Die Gießkanne habe ich neben dem Garten positioniert, um die armen Pflänzchen nicht verdursten zu lassen, was ihnen bei mir ja durchaus blühen kann...

Meine Motivation wurde eindeutig von der Kresse unterstützt. Das anspruchslose Gewächs trieb schon am nächsten Tag aus und sprießte nur so nach oben - um dann aber irgendwie kümmerlich zu vergehen. Die anderen Triebe waren vor allem eins - mager, dünn und noch verletzlicher. Irgendwann passierte gar nichts mehr. Die Kresse teilte mir sogar mit, dass sie eher auf Watte gedeiht als in meiner Erde! Undankbares Miststück.

Das obige Bild habe ich übrigens selbst gemacht. Darauf abgebildet ist auch mein Kräutergarten. Dem Supermarkt sei Dank gedeiht er doch noch.

Sonntag, 6. September 2015

Der Superheld

Mit müden Augen schlurfte Karl zum Briefkasten. Nachlässig fiel sein Bademantel von den hängenden Schultern, der lauwarme Kaffee blieb am Dreitagebart kleben. Als er die Zeitung aufschlug, verschluckte er sich. Es folgte ein ein erstickungsähnlicher Hustenanfall, der jedem Kettenraucher zur Ehre gereicht hätte. Karl fing sich wieder, wischte den verschütteten Kaffee auf und goss sich neuen ein. Wo soll das alles nur hinführen? Schon wieder brennt es an allen Ecken und Enden und er allein soll die Welt retten. Er hatte einfach keine Lust mehr. Der korrekte Karl hatte einfach keine Kraft mehr. Zu neudeutsch nannte man das wahrscheinlich Burn-Out.

Aber es half nichts. Schließlich war es sein Job! Bevor er sein E-Mail-Postfach öffnete, klickte er sich durch Ziele für Pauschalurlaubsreisen. Einfach mal die Seele baumeln lassen und der Welt den Rücken kehren. Die Karibik wäre doch schön... aber sofort rief eine kleine Stimme in seinem Kopf, dass er mit dem langen Flug erstens die Luft verschmutzte und zweitens die Einwohner des Landes mit einer Pauschalreise ausbeuten würde. Von dem von ihm gezahlten Reisepreis käme ja dort nichts an. Und überhaupt. Pauschalurlaub. Pauschalurlaub! Wie niveaulos!

Er seufzte und überflog seine E-Mails. Sie nach Priorität zu sortieren, hatte er längst aufgegeben. Das brachte ihm nur Beschwerden ein, wenn er den Schmetterlingzuchtverein Kreuzbirnbaum wegen der Bedrohung des Zuckergussfalters weniger wichtig erachtete als den Knubbelkäferfanclub Neuhausen e.V., der sich für die sichere Straßenüberquerung des Knubbelkäfers einsetzt. Und wenn dann auf einem Baufeld noch ein seltener Schwammerl gefunden wird, dann war sowieso alles aus! Wenn diese Schwammerl wenigstens noch leuchten würden, damit man Strom spart. Dann hätte Tschernobyl wenigstens einen Sinn gehabt. Aber nein! Es waren halt Schwammerl, die man nicht einmal in eine Rahmsoße schmeißen kann.

Wie soll man denn da arbeiten? Er war doch keine Maschine! Er war doch auch nur ein Mensch! Ja, genau, einer. Sein Mitarbeiter hatte nämlich gekündigt. Selbst seiner treuen rechten Hand war es zuviel geworden. "Karl", hatte Sauber-Simon gesagt, "ich kann so nicht weitermachen. Diese Arbeitszeiten sind ja schlimmer als im Einzelhandel. Die Bezahlung ist unter aller Sau und den Dank der Menschen kannst du dir in der heutigen Zeit auch an den Hut stecken. Nur noch angepflaumt wird man. Alle wollen sie gleich die Welt bewegen, die einzelnen Schritte sehen sie nicht." Doch Karl hatte ihn nur darauf hingewiesen, dass er den Ausdruck "angepflaumt" nicht verwenden dürfe. Der Obstler-gegen-Ignoranz-Verein Tumbenhausen hatte ihn jüngst darüber aufgeklärt, dass der Ausdruck ein negatives Bild der Pflaume erzeuge, die ja an sich ein sehr verträglicher Zeitgenosse sei. Nur hin und wieder stieße sie zwar sauer auf, aber das sei noch lange kein Grund, eine beleidigende und teils aggressive Sprachhandlung mit dieser doch wirklich harmlosen Frucht zu verknüpfen. Daraufhin lief Sauber-Simon knallrot an, stürmte zur Tür hinaus, die er zum Abschied krachend zuschlug.

Seitdem ward er nie wieder gesehen. Der korrekte Karl würde nach Ersatz suchen müssen. Er sah die Fallstricke jetzt schon. Er würde nicht umhin kommen, Simon durch eine Frau zu ersetzen. Frauenquote und so. Und dann, wenn er eine Frau eingestellt haben wird, wird es heißen, dass es ja typisch sei. Er der Boss, sie die Untergebene. Wenn er nicht aufpasste, war er wohl bald seinen Job los. Obwohl... so schlecht wäre das ja gar nicht.

Dann könnte er ja ganz bescheiden weiter die Welt retten. Sich für ein einzelnes Projekt entscheiden, das ihm besonders am Herzen lag. Niemand würde er davon erzählen! Ganz im Stillen würde er sich dafür engagieren, jawohl. Dann würde er sich wenigstens nicht noch rechtfertigen müssen, warum und wieso es gerade die..., nein, das würde er nicht verraten, sein soll. Er hätte ganz einfach für sich ein gutes Gefühl und keinen anderen ging das was an. Niemand würde mehr darüber urteilen, ob er seinen Job richtig ausführe.

So machte sich der korrekte Karl sofort an den Entwurf der Stellenausschreibung.

Sonntag, 30. August 2015

Männerlogik

Bild: FreeImages.com / Alan Eno
Er steht vorm Spiegel. Demonstrativ streckt er seinen Bauch heraus, umkreist ihn liebevoll mit den Händen. "Wann ist es denn soweit?", frage ich. Ein Seufzen. "Ja, ich sollte wieder mehr für mich tun. Dieser Speck auf den Hüften wird immer hartnäckiger." Angesichts der Tatsache, dass ich nichts anderes tue, als mit meinem Körper zu kämpfen, während mein Göttergatte hier von zwei oder drei Kilo mehr oder weniger spricht, verzichte ich auf Diplomatie. "Jaaaaaa..." nuschle ich nur.

Es trifft ihn nicht wirklich. Denn in seinem Männerhirn wurde bereits eine unaufhaltsame Kette von Aktionen in Gang gesetzt. Denn Männer kennen keine Ausgewogenheit. Sie kennen nur mit dem Kopf durch die Wand. Sie wollen der Welt ihre Superheldenqualitäten beweisen und wie professionell sie sich eines Problems annehmen. "Ha! Ihr Dilettanten! Jetzt komme ich!" schreit der Tatendrang hinaus in die Welt. Es werden Fachartikel studiert und verglichen und vor allem wird passendes Equipment angeschafft. Damit auch ja jeder sieht, dass man(n) Profi ist. Je nach Spleen sammelt sich da so einiges an. Zum Beispiel ein Fahrradtrikot und eine Trinkflasche, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. "Ich brauche einfach mehr Bewegung!", hieß es da. Das Trikot hängt einmal getragen im Schrank. Die Trinkflasche verwendet Zwergnase zum Spielen. Im Keller steht ein Ergometer und eine Hantelbank. Ein Sandsack ist, wenn ich mich richtig erinnere, auch aufgehängt worden.

Jüngst wurde auch erläutert, wie es sich mit der Kalorienbilanz verhält. "Du nimmst nur ab, wenn du weniger aufnimmst, als du verbrauchst!" - Aha. Der Stein der Weisen also. Die Theorie wird alsdann in die Praxis umgesetzt. Abends gibt es einen kleinen gemischten Salat. Sieht zumindest recht gesund aus. Oder drei Tomaten und ein Stückchen Käse. Auf die Nachfrage, ob das denn gereicht habe, folgt prompt ein "Ich bin satt!!!" Es vergeht eine Stunde, nach der er plötzlich aufspringt und zum Kühlschrank geht. Dieser wird von oben links bis unten rechts nach Essbarem abgescannt. Der Jäger und Sammler eben. Der Kühlschrank wird unverrichteter Dinge wieder geschlossen. Das Männchen nimmt wieder auf der Couch Platz. Nur wenig später springt er erneut auf, hechtet zum Süßigkeitenregal, schnappt sich eine Tafel Schokolade und füllt erneut die Druckstellen auf der Couch aus. Stetig und zuverlässig wie ein Uhrwerk wandern die Finger zur Schokolade und damit zum Mund, bis die Packung leer ist. Diese wird wie von Geisterhand auf dem Couchtisch abgelegt. Keiner will es natürlich gewesen sein! Bloß nicht drauf ansprechen!

Aber ohne Bewegung kann man ja sowieso nicht abnehmen. Da muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Deswegen wurde auch die Wurstsemmeln verschmäht, die bei einer Renovierungsaktion bereit standen. Erneuter Vortrag zur Kalorienbilanz mit Rechenbeispiel zur Verbrennung durch körperliche Aktivität, während eine Semmel verdrückt wird. Das muss reichen!

Zwei Stunden später wird geradezu beiläufig erwähnt, dass man sich ja schon sehr lange keine Pizza mehr bestellt hätte. Wäre doch mal wieder was! Sie fragt, ob man sich vielleicht eine teilen könnte. Aber das geht natürlich wegen des Mindestbestellwertes für Lieferungen nicht, wird sie aufgeklärt. Und so isst er seine Pizza ganz alleine.

Sonntag, 23. August 2015

Ausschlafen am Sonntag


Sonntagfrüh. Es ist still. Ungewöhnlich still. Ich sehe auf den Wecker. 6.15 Uhr. Mit einem Schlag fällt es mir ein. Zwergnase ist nicht da. Er schläft auswärts, wir waren am Abend vorher aus. Mir entwischt ein genießerischer Seufzer, ehe ich die Augen schließe und mich wieder auf die Seite drehe. Schließlich muss man es ausnutzen, wenn mir Zwergnase nicht meine Brille auf die Nase drückt und an der Bettdecke zieht, weil es Zeit zum Aufstehen ist. Um 6 Uhr. Am Sonntag. (Was ist Wochenende eigentlich?)

Ich befinde mich in einem angenehmen Dämmerzustand und genieße die Ruhe. So eine Gelegenheit kommt so bald nicht wieder! Vor 10 Uhr stehe ich heute nicht auf! Nein! Ganz bestimmt nicht. Noch einmal tief durchschnaufen und dann gleite ich hinweg in das Land der Träume...

...ssssssssssssssssss. Ssssssssss. SSSSSSSSSSSSSSSS. Irgendwas kitzelt am Bein, das ich um die Decke geschlungen habe. Ein nervöses Zucken, dann ist wieder Ruhe. Ich wälze mich auf die andere Seite. Ssssssssssssssssss. Ein Schlag aufs eigene Ohr. Dieses Mistvieh habe ich jetzt bestimmt erwischt. Tief durchatmen und die Augenlider aufeinander pressen. Vor 10 Uhr stehe ich nicht auf!

Plötzlich ein lautes Klatschen, danach ein Fluchen. Dieses Mistvieh ist weiter gezogen und belästigt Papa Zwergnase. Aber nach mir die Sintflut! Wenn es um meinen Schlaf geht, bin ich Egoist. Soll sich Papa Zwergnase als Held beweisen und diesen Drachen mannhaft erlegen! Und wie es nun mal so ist, bestraft der Herr kleine Sünden immer sofort. Diese blöde Fliege landet direkt auf meiner Nase. Reflexartig greife ich hin, um natürlich keine Fliege zu erwischen, fahre in die Höhe und reibe, was das Zeug hält. Doch das Kitzeln will nicht verschwinden.

Als die Maschine den Kaffee ausspuckt, ist es 7.15 Uhr. Sonntagfrüh. Ausschlafen ist toll.

Bildnachweis: FreeImages.com / norriuke

Sonntag, 16. August 2015

Unterhaltsame Popups

Jeder kennt sie. Kunterbunte Popups. Auf der Freibadwiese wimmelt es nur von diesen kleinen Zelten, die Schatten spenden sollen. Wenn diese Dinger aufgebaut werden, sieht das sehr stylisch aus. Sie entfalten sich von selbst, wenn man sie eleganterweise nur in die Luft wirft (daher der Name). Dann passiert lange nicht viel.

Wenn sich die Sonne senkt, der Tag sein Ende nimmt und es daran geht, den ganzen Hausstand wieder einzusammeln, wird es spannend. Das Popup-Zelt will wieder eingepackt werden. Papa nimmt sich der wichtigen Aufgabe an. Gut, dass das Zelt so flexibel ist. Es wird erst einmal in alle Richtungen verdreht. Mama sucht in der Zwischenzeit den Rest zusammen, fängt die Kinder ein und zieht sie an. Ganz unauffällig kramt Papa indes eine Gebrauchsanleitung hervor, die er eingehend studiert. Es erfolgt neuerliche Verrenkungsakrobatik. Jetzt werden auch die Füße mit eingesetzt. Ganzkörper-Workout mit einem Hauch Yoga, wie auch der Laie nur unschwer an den sich auf Papas Stirn bildenden Schweißperlen erkennt.

Mama hat soweit alles beisammen und blickt ärgerlich drein. Genau e i n e Aufgabe hatte Papa zu erfüllen und daran scheitert die Flasche. Lass das lieber mal die Mama machen, denkt sie sich und reißt ihm das nachwievor stabil entpoppte Zelt aus den Händen. Ihr Popup-Zelt! Workout für die ganze Familie! könnte eigentlich ein Werbeslogan lauten. Mama scheitert an dem Teil genauso wie Papa. Die Gebrauchsanleitung anscheinend völlig unbrauchbar. Nun packen beide mit an, versuchen das Ding mit roher Gewalt in den Beutel zu stopfen. Doch das Zelt lacht ihnen nur höhnisch ins Gesicht, um einfach wieder aufzuploppen. Es folgen gegenseitige Schuldzuweisungen. Das Zelt steht bombenfest. Ein anderer Badegast zeigt Zivilcourage und pirscht sich an. Im Kreis stehend wird das Zelt beschworen, verschiedene Strategien werden ausgetauscht, Konstruktionsprobleme erörtert, bevor zum Angriff geblasen wird. Ein Zelt gegen drei Deppen Popup-Sondereinsatz-Spezialisten.

Was würde ich mir eine Tüte Popcorn zu diesem Popup-Blockbuster wünschen! Vom Ende hätte ich mir jedoch mehr erwartet. Der Film endet mit einer schlichten Geiselnahme. Von Papas Händen so fest umklammert, dass die Finger weiß hervortreten, wird das widerspenstige Zelt einfach hinausgetragen. Vielleicht bekomme ich ja noch irgendwann die Fortsetzung am Auto zu sehen, wenn das Popupzelt in den Kofferraum soll...

Bildnachweis: FreeImages.com / Dore Ryniss

Sonntag, 9. August 2015

Wir könnten ja mal wieder grillen


Wir sitzen auf dem Balkon und genießen die laue, sternklare Sommernacht. Plötzlich fängt Papa Zwergnase zu schnuppern an. "Da grillt wer!", wirft er fast grimmig in die Nacht hinaus. Ich schnuppere ebenfalls. "Stimmt." Schweigen. Wir hören Gläser aneinanderklingen. Gelächter. "Wir könnten ja mal wieder grillen", meint er ganz unverbindlich. So ein gemütliches Beieinandersitzen wäre wieder einmal schön. Die Unverbindlichkeit wird zur Verbindlichkeit und wir laden für den kommenden Samstag zum Grillen ein. Nicht viele Leute, man will es ja nur gemütlich haben, nichts Besonderes.

Nichts Besonderes artet dann in vier bis fünf verschiedene Salate aus, ein Saucensortiment wird angeschafft, auf das ein Grillhouse neidisch wäre, dazu Kräuterbaguettes, Grillkäse, Würste und Fleisch. Viel Fleisch. Eine Nachspeise braucht es natürlich auch, wohlweislich, dass sich sowieso schon alle am Grillfleisch hemmungslos überfressen haben werden. Alkohol muss auch kalt gestellt werden und am Ende der Vorbereitungen platzt der Kühlschrank aus allen Nähten.

Papa Zwergnase heizt den Grill an. Ich decke den Tisch ein. Ein kritischer Blick zum Himmel. Es ist stark bewölkt, zeitweise sehr windig. Ich sage Papa Zwergnase, dass er den Grill umstellen muss, weil der Qualm zum Tisch zieht. Er entgegnet, dass es nachher sicher nicht mehr windig sei. Nochmals ein kritischer Blick zum Himmel. "Meinst du, das Wetter wird halten?" - "Essen können wir auf alle Fälle draußen. Und wenn alle mit anpacken, haben wir ja schnell alles hinein getragen." Mir gefällt die Sache gar nicht. Aber ich bin es ja gewöhnt. Wir sind keine Schön-Wetter-Griller. Wir grillen nicht dann, wenn alle grillen. Wir brauchen beim Grillen die Herausforderung, den Nervenkitzel. Nass werden oder nicht nass werden - Leben am Limit. Soviel ist mal klar.

Kurz bevor die Gäste kommen, der Super-GAU. Fast unbemerkt ploppen die Regentropfen auf den Tisch. Ich weiß nicht, ob es sich im Folgenden um die richtige Reihenfolge handelt, denn es passiert alles ganz schnell. Ich reiße die Augen weit auf. "Es fängt zu regnen an!" - "Da kommt bestimmt gleich ein richtiger Guss runter!" - "Ich habe es dir doch gleich gesagt!" - "Pack lieber mit an!" Hektisch räume ich alles wieder in die Küche. Papa Zwergnase versucht die Glut mit einem Schirm zu schützen. Der Wind fegt die Tischdecke vom Tisch. Das wird heute nichts mehr! Ich decke den Tisch in der Küche. Papa Zwergnase ruft zwischen den Regentropfen: "Da hinten reißt es schon wieder auf!" Tatsächlich hat es sich nur um einen kurzen Schauer gehandelt. Der Regen hört schnell wieder auf. Kommando zurück! Ich balanciere das Geschirr über unsere Treppe wieder hinunter in den Garten, fange die Tischdecke ein und fange von vorne an.

Den ersten eintreffenden Gästen wird die vergangene Viertelstunde detailreich erzählt. Es wird über das Wetter fachgesimpelt. Man ist sich einig, das wird schon halten. Als die erste Runde Fleisch auf die Teller verteilt wird, sagt einer: "Es hat mich gerade abgetröpfelt!" Der Qualm des Grills wird zum Tisch geblasen. Ein kritischer Blick zum Himmel. Er ist schwarz, wie die Nacht finster...

Bildnachweis: FreeImages.com / Phostezel

Sonntag, 2. August 2015

Die Vorzüge des Kollektiveigentums


Alles gehört allen. So könnte man Kollektiveigentum wohl am knappesten beschreiben. In der Theorie eine feine Sache, die Geschichte hat aber bisher leider gezeigt, dass es mit der Praxis nicht so klappen will. Dabei müsste man doch nicht immer gleich in die Vollen gehen. Es müssen ja nicht ganze Betriebe als Gemeinschaftseigentum angesehen werden. Nein, situationsbezogen würde doch reichen. Daher schlage ich die Erprobung im Kinderplanschbecken vor!

Es sieht doch folgendermaßen aus: Mami schleppt haufenweise Spielzeug mit ins Schwimmbad. Eimerchen, Gießkanne, Wassermühle, Wasserspritze, Softball, Wasserball, Luftmatratze, Schwimmreifen, Plastikboot, etc. Mami zwei schleppt mit: Eimerchen, Gießkanne, Wassermühle, Wasserspritze, Softball, Wasserball, Luftmatratze, Schwimmreifen, Plastikboot, etc. Mami drei... ach, lassen wir das. Fakt ist, dass alle das gleiche Spielzeug mitnehmen. Im Kinderbereich findet es sich in höchstens drei verschiedenen Farben und alle haben sie das billige Zeug vom Ein-Euro-Shop dabei.

Die Kinder sind in der Regel schlauer als die Mütter. Die nehmen sich, was gerade frei ist. Gleich, ob es ihnen gehört, oder nicht. Es spielt ja auch keine Rolle. Im Wasser geht ohnehin nicht leicht etwas kaputt. Außerdem möchte ich mal in so ein Kleinkind-Hirn schauen, wenn die Mutter dem Kind einen gelben Eimer wegnimmt, schimpft, dass der Eimer ja nicht ihm gehöre, sondern es diesen Eimer nehmen solle, der wiederum gelb ist. Mutter nimmt Kind den gelben Eimer, drückt ihm den anderen gelben Eimer in die Hand. Kind merkt, dass ihm gerade etwas genommen wurde und will natürlich und partout den anderen gelben Eimer - und zum Schluss weiß keiner mehr, welcher Eimer nun welcher ist, aber die Mutter ist gestresst und das Kind plärrt. Super. Wegen eines kleinen, gelben Eimerchens, das es im Set mit anderem Spielzeug für 2,99 Euro gibt.

Am besten wäre es doch, eine große Box aufzustellen, jeder bringt am Anfang der Saison ein billiges Spielzeugset mit und wirft es hinein. Alle dürfen mit allem spielen, keiner muss mit Argusaugen überwachen, dass ja kein fremdes Patschehändchen Hand an die eigene hoch heilige Gießkanne legt. Mami braucht nicht soviel schleppen und die Kinder sind glücklich. Das wäre doch was!

Bildnachweis: FreeImages.com / Peter Ong

Sonntag, 26. Juli 2015

Schrei vor Glück! Echt jetzt?

Wie Frauen beim Anblick von Highheels mit 10-Zentimeter-Mörderabsätzen vor Entzückung in orgasmusgleiche Extase geraten können, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.

Mein Verhältnis zu Schuhen ist stark belastet. Ich mache keinen Hehl aus meinen Vorurteilen. Desto höher der Absatz, umso größer die Schmerzen. Blasen, Druckstellen, Blut. Ja, erst jüngst musste ich wegen nicht richtig passenden Schuhen wieder Blut lassen. Denn das ist es, was mir gesagt wird: Die Schuhe würden mir halt nicht richtig passen. Ich muss eine sehr außergewöhnliche Fußform haben, denn ob günstig oder teuer - kein Schuh will richtig passen. Dabei hab ich gar keine Stiefschwester, die von einem Prinzen gesucht wird...

Schon Schuhe mit wenig Absatz verursachen mir Blasen und Schmerzrn, die mich wochenlang beglücken. Da könnte ich vor Glück glatt schreien.

Zu festlichen Anlässen aber kommt man an den Hacken leider nicht vorbei. Ich zwänge meine Plattfüße mangels passender Schuhe in nicht passende.
Hausmittelchen helfen eigentlich nur wenig. Eigentlich gar nicht. Naja, gut, den Hirschtalg müsste man halt auch regelmäßig verwenden. Aber Gelpolster sind ja nun wirklich rausgeworfenes Geld! Und das Gehen üben? Ja, der Zug ist schon längst abgefahren.

Ich gebe es zu, ich bin neidisch auf die, die in solchen Schuhen stöckeln können, ohne dass man ihnen die Qualen vom Gesicht ablesen kann. Ich würde mir gerne zu jedem Outfit das passende Paar Schuhe zulegen, aber inzwischen siegt die Vernunft. Schuhe werden auf ein Minimum reduziert. Ich trage ohnehin immer dieselben. Außer Sneaker, von denen kann ich nie genug haben. Stiefel mag ich eigentlich auch ganz gern, sind halt nicht sommertauglich. Und Sommersandalen! Und Stiefeletten finde ich eigentlich auch ganz toll...

Bildnachweis: FreeImages.com / Alilat

Dienstag, 21. Juli 2015

Ich wär' so gerne Fotograf

Ich habe einfach kein Händchen dafür. Was auch der Grund ist, warum es hier nur selbst gebastelte Grafiken und keine Fotos gibt. Ich kann einfach nicht fotografieren. Das richtige Licht, der richtige Winkel - eigentlich scheitere ich schon an der Auswahl des Motivs. Ich habe keinen Blick dafür. Mehr schlecht als recht versuche ich mich neuerdings bei Instagram und ich favorisiere eindeutig die Schwarzweiß-Filter, aber so wirklich zufrieden bin ich nicht.

(c) Andi Droid, http://bit.ly/1IbTLCc
Eine Muse will mich auch nicht küssen und Lust habe ich eigentlich auch kaum, mich hier und da wieder einzulesen und dies und das zu probieren. Schuster! Bleib bei deinen Leisten! Aus mir wird einfach kein Fotograf mehr werden.

Ich rede mich gerne heraus, dass ich ja keine soooo tolle Kamera hätte. (Apropos: Mit welcher Kamera fotografiert man eigentlich die eigene Kamera ;) ) Allerdings bin ich jüngst auf Andi Droid bei Google+ gestoßen, der seine Bilder mit der Kamera seines Tablets oder mit einer "Billig-Kamera" macht - es liegt also nicht an der Technik, wenn man nicht in Schuss kommt, sondern am eigenen Unvermögen. Denn Andi macht tolle Bilder - auch ohne Profi-Ausstattung.

Dieses Bild von ihm zum Beispiel spricht mich irgendwie an und fasziniert mich. Vielleicht mag der ein oder andere Fotograf hier und da einen Fehler finden, aber darum geht es ja gar nicht. Man muss die Motive ja auch sehen und selbst wenn man sie sieht, muss man sich auch noch passend einfangen können. Richtiges Fotografieren ist eine Wissenschaft für sich - aber leider nicht meine. Ich erfreue mich weiter an den Bildern anderer und kann nur sagen: Chapeau!

Sonntag, 19. Juli 2015

Eine griechische Tragödie


Freitag

Gähnende Leere. Der Raum scheint schon vor Wochen oder gar Monaten überstürzt verlassen worden zu sein. Vielleicht Katastrophenalarm? Vielleicht Auslöschung der Menschheit?
Egal, was es war, es muss furchtbar gewesen sein. Rückkehr ausgeschlossen. Keine Notwendigkeit mehr, Ordnung zu schaffen. Die Milch blickt sehnsüchtig gen Kühlschrank. Die rettende Kühle wäre so nah, aber die Milch steckt bis zum Hals am Aufschäumer des Kaffeevollautomaten. Leise und unbemerkt resigniert sie. Man könnte auch sagen, sie stockt. Der Vollautomat hat längst aufgehört seine Kaffeetränen zu weinen. Diese waren zahlreich. Inzwischen sind sie vertrocknet. Nur noch hässliche braune Flecken erinnern an sie. In Spüle und Spüler sind Kaffeetassen und Löffel gefangen. Irgendwer hat ihnen nur noch zugerufen: "Vergammeln sollt ihr in alle Ewigkeit!" So muss die Endzeit, das Ende der Menschheit aussehen.

Montag

Für die Milch kommt jede Hilfe zu spät. Sie wird im Abfluss beerdigt. Macht aber nix, ein neues Opfer ist schnell gefunden. Die Kaffeetassen und Löffel hoffen auf ihre Erlösung, doch sie werden im Fegefeuer gehalten. Nichts passiert. Außer, dass sie immer mehr werden. Der Vollautomat ächzt, stöhnt und pfeift unter der Last neuer Bohnen, die aufgerieben werden wollen. Keiner stört sich am einsetzenden Verwesungsgeruch der bereits zermahlten. Keiner hat einen Blick für ihr Schicksal. Keiner schaut hin.

Aber irgendwann kann die Gemeinschaft der Kaffeegötter die Vorgänge nicht mehr ignorieren. Sie erhebt sich. Stimmen werden laut. Sie fordern ein energisches Eingreifen. Eine Regelung für alle Zeit - ja, für alle Ewigkeit!
Es wird der allmächtige Rat einberufen. Die Voraussetzungen scheinen gut, haben sie doch alle dasselbe Ziel. Doch schnell bricht ein Tumult unter den Kaffeegöttern aus. Sie schreien, den einen treibt es die Zornesröte ins Gesicht, die anderen blicken flehend in den Himmel, können das Ausmaß des Unglücks nicht fassen. Ja, die Demokratie muss als gescheitert angesehen werden. Keiner fühlt sich verpflichtet, sich der Geschicke von Automat  Tasse, Löffel und Milch anzunehmen. Keiner will noch weiter Geld und Zeit investieren. Allgemeine Resignation. Das bringt doch alles nichts! Eine griechische Tragödie.

Und so werden weiter Unmengen von Milch vergammeln, Tassen und Löffeln im Geschirrspüler verrotten und Kaffeevollautomaten mit einem Wert im drei- bis vierstelligen Bereich verkalken, verdrecken und verwesen, weil es erwachsene Menschen nicht schaffen, die Kaffeeküche zu organisieren. Wenn es um Kaffee geht, werden sie zu Tieren, folgen der Darwin'schen Theorie des Rechts der Stärkeren und es ist anscheinend eindeutig ein Zeichen von Schwäche, die Spülmaschine auszuräumen, die Milch in den Kühlschrank zu stellen und den Vollautomaten zu reinigen. 
Ja, so geht's zu in den Kaffeeküchen.

Bildnachweis: FreeImages.com / se hui (shirley) kim

Sonntag, 12. Juli 2015

Die Busfahrt



Als Mara in den dampfigen Bus steigt, beschlägt ihre Brille. Ihr Regenschirm schlägt gegen jede Sitzreihe. Erleichtert lässt Mara sich weit hinten in einen Sitz sinken und versucht ihren roten Kopf zu verstecken. Zum Glück hat man sie in Ruhe gelassen. Keiner hat ihr ein Bein gestellt. Keiner hat sie ausgelacht. Keiner hat Mara zum Gespött gemacht. Das ist nicht immer so. Denn als pummelige 13-Jährige mit beschlagener Brille hat man es einfach nicht leicht. Mara entspannt sich und beobachtet die anderen Jugendlichen im Bus. Wieso sind die alle soviel cooler als sie selbst? Ihr Blick bleibt an einem Typen schräg gegenüber hängen. Lässig liegt er in der Sitzbank, hat ein Bein aufgestellt und blickt Kaugummi kauend aus dem Fenster. Sein Basecap hat er tief ins Gesicht gezogen. Seine Kleidung entspricht der neuesten Mode und stammt sicher aus dem derzeitigen In-Shop in der Innenstadt - zu teuer für Mara und ihre Eltern. Mara ertappt sich dabei, wie sie ihn anhimmelt. Wobei doch gerade er der Typ Schüler ist, der sie normalerweise fertig macht. Alles in ihrem Inneren schreit, möglich viel Distanz zu ihm einzuhalten. Für Mara und ihr Selbstbewusstsein kann dieser Typ mit seiner Coolness nur gefährlich werden. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, dreht er den Kopf in ihre Richtung. Er blickt ihr genau in die Augen. Schnell senkt sie den Blick und dreht ihrerseits den Kopf zum Fenster. "Nur keine Angriffsfläche bieten", betet sie im Stillen vor sich hin. Entsetzt stellt sie fest, wie ihr die Röte wieder in die Wangen schießt - der gesellschaftliche Tod einer 13-Jährigen.

Doch als sie unauffällig in seine Richtung blinzelt, kann sie aufatmen. Er sich wieder dem Fenster zugewandt und sie vergessen. Hofft sie zumindest. Oder eigentlich hofft sie genau das nicht. Mara wünscht sich, dass genau er ihr Traumprinz wäre, der sie beschützt. Genau wie in dem Liebesroman, den sie gerade liest. Nur mit Mühe unterdrückt sie ein verträumtes Seufzen. Wenn es doch nur so leicht wie in den Büchern wäre!

Der Bus biegt in die Straße zur Schule ein. Den Regen betrachtend bereitet sich Mara auf die harte Realität vor. Ihr Plan ist derselbe wie immer. Den Bus so schnell wie möglich verlassen und so schnell wie möglich ins Schulgebäude hinein, um den älteren Schülern auszuweichen. Am wichtigsten: Nur nicht stolpern! Die Türen öffnen sich und Mara muss sich zwingen, nicht blind los zu rennen. Wie das aussähe! Mara schwitzt. Sie will um keinen Preis auffallen. Nach ein paar Schritten hört sie jemand rufen. "Halt! Mädchen! Bleib stehen!" Obwohl sie die Stimme nicht kennt, weiß sie, dass nur sie gemeint sein kann. Gemeint sein MUSS. Die Stimme gehört ihm. Ganz sicher. Er wird sie fertig machen, weil sie es gewagt hat, ihn anzuschauen. Was musste sie aber auch so glotzen. Hatte sie in all den Jahren nichts dazu gelernt? Wie wird er sie bestrafen? Ihre Brille zertreten? Sie schubsen? Vielleicht verspottet er sie nur. Das macht ihr nichts mehr aus. Mara hadert, wie sie reagieren soll. Weiterlaufen? Flüchten? Stehen bleiben? Die Entscheidung wird ihr abgenommen. Sie wird fest, jedoch nicht grob, am Arm gepackt. Sie dreht sich um und versinkt in dunkelgrünen Augen. "Was rennst du denn so, Mann! Hörst du denn schlecht? Du hast deinen Schirm vergessen!"

Er drückt Mara den Schirm in die Hand und lässt sie im Regen stehen. Ihr geflüstertes Danke hat er nicht mehr gehört.

Bildnachweis: FreeImages.com / Chris Hutchinson

Dienstag, 7. Juli 2015

Familienblogs oder: Die dunklen Geheimnisse der Bree Van de Kamp

Ich lese ja gerne auch Familienblogs, seit wir unsere Zwergnase haben. Besonders schön finde ich inzwischen die Aktion Wochenende in Bildern. Vor allem haben die Mamis das Fotografieren ihrer Kinder sehr gut gelöst. Entweder von hinten oder ohne Kopf. So eben, dass die Kleinen unkenntlich bleiben.

Wenn sich doch nur alle Welt daran halten würde! Aber das ist ein anderes Thema.

Ich schaue sie also gerne durch, diese Bilder von adretten Vorgärten, sauberen Kindern, die ganz artig an einem sauberen Tisch spielen. Überhaupt ist es überall so aufgeräumt. Die Fenster sind sauber, die Balkontüren auch, der Boden sowieso und die Vorhänge sind frisch gewaschen. Mit diesen Bildern könnte man glatt Werbung für Putzmittel, Waschmittel und Pampers machen! Alles in einem! Gehört doch eh alles derselben Firma, oder?

Bevor hier aber ein paar Mamis mit Burnout vom Stuhl fallen, muss ich das Bild etwas korrigieren. Unser Wohnzimmertisch ist prinzipiell verklebt mit Resten von Brezenspucke oder Salzstangenspucke oder irgendeiner anderen Spucke. Das letzte mal hatte ich durch die Scheibe unserer Balkontür klare Sicht, das war... ja, wann war das überhaupt? Etliche Schubladen dürfen unter keinen Umständen geöffnet werden, denn in ihnen herrscht das Zwergnas'sche Chaos. Wenn Zwergnase spielt, braucht es bereits nach fünf Minuten ein professionelles Aufräumkommando. Falls man das Kind mal sucht, braucht man nur der eingetrockneten Spur aus Sabber folgen.. Durchwischen und Saugen ist zu einer Sisyphusarbeit geworden, vor allem als Zwergnase sein Gefallen am Staubsauger gefunden hat. Er weiß ganz genau, dass man nur ein paar Salzstangen zerbröseln braucht, damit der grüne Drache zum Einsatz kommt. Der Wohnzimmerteppich ist nicht mehr zu retten, er wird demnächst einfach ersetzt werden. Gleiches gilt für anderes Mobiliar.

Am saubersten ist es abends, wenn Zwergnase im Bett ist. Da kann man aber leider keine Fotos mit Kind schießen... Wann also machen diese Mamis diese Fotos? Ich kann es euch sagen! Unter Androhung von harten Strafen müssen die Kinder posen und dürfen sich nicht rühren. Nur so kann es sein! (Vorsicht, Spaß!)

Ich kann es den Mamis jedoch nicht übelnehmen. Ich würde meinen Saustall ja auch nicht posten. Oder seht ihr hier Beweisfotos? Aber nicht vergessen: Ein Foto ist eben auch nur ein kleiner Ausschnitt des Lebens...

Bildnachweis: FreeImages.com /JarHead Design inc

Sonntag, 5. Juli 2015

Der Mieter muss weg!

Das kann doch echt nicht sein! Ungefragt stellen diese dreisten Mieter einfach ein Trampolin auf. Mitten in die Gegend, sodass die ganze Aussicht dahin ist. Wer darf das Ungetüm dann wegpacken? Natürlich. Der Vermieter. Denn der ist der Depp vom Dienst. Zu sagen hat er nichts, aber den Deppen kann er spielen. Eine Sauerei hoch drei ist das! Eine Unverschämtheit.

Mir geht das dermaßen gegen den Strich, dass ich das nicht auf mir sitzen lassen kann. Spätestens alle zwei Stunden werde ich aktiv und beseitige dieses lästige Netz. Wobei die ganze Sache ja schon etwas dubios ist. Nie sieht man jemand bei dem Teil, wirklich nie, doch wie von Geisterhand kommt es wieder. Aber natürlich nicht, wenn ich mich auf die Lauer lege. Keine Chance, da jemand zu erwischen. Da verkriechen sie sich in ihren Löchern und tun so, als wäre niemand zu Hause. Und ich? Ich ärgere mich! Von früh bis spät! Ja, ich weiß, damit tu' ich diesen Spinnen noch einen Gefallen. Aber nachts, da schlafe ich ruhig. Da lasse ich mich nicht ärgern. Da seh' ich ja auch nix. Da können die meinetwegen soviel Netze aufhängen, wie sie wollen. Das tun sie ja sowieso!

Aber letztens, da war Schluss mit lustig. Fristlose Kündigung! Bei der Räumung habe ich direkt geholfen. Auf der Stelle! Dieses Pack muss weg. Machen doch nur Arbeit! Gerade, als diese miese, kleine, pedantische Spinnerin aus ihrem Loch gekrochen kam, habe ich sie abgepasst und wie ein widerliches Insekt zerquetscht. Du kannst ja schließlich nicht einfach die Wohnung verwüsten, du musst schon warten, bis dieses Vieh von selbst hervor kriecht. Eine wahre Freude war das. So gut gelaunt bin ich schon lange nicht mehr zur Arbeit gefahren. Endlich freie Sicht im Seitenspiegel! Wie lange habe ich darauf gewartet!

Demnächst werde ich den Spinnen vom Küchenfenster kündigen. Vergasen werde ich die, jawohl! Ich habe es ja gut gemeint, das Netz immer wieder beseitigt, um ihnen im Guten zu zeigen, dass sie hier nicht willkommen sind. Dass sie sich doch besser woanders einquartieren. Aber nein, wer nicht hören will, muss fühlen. Rücke ich eben mit Insektenspray an, denn selbst das aggressivste Putzmittel hält sie nicht vom Netzbau ab. Vielleicht sollte ich es auch erst mit Einschüchterung probieren. Ich werde ihnen erzählen, was mit der Mieterin in meinem Seitenspiegel passiert ist. Dann gebe ich ihnen fünf Minuten zur Flucht und dann...

Bildnachweis: FreeImages.com / Mirek Komárek

Freitag, 26. Juni 2015

Im Freibad

Nur langsam bewegt sich die Karawane fort. Ich bin froh, nicht alles alleine tragen zu müssen, sondern einen Packesel an meiner Seite zu haben. Den Wagen über das holprige Gelände zu schieben, ist anstrengend genug. Die Sonne brennt unerbittlich auf unsere Häupter nieder und treibt uns den Schweiß aus jeder Pore. Der Packesel ächzt unter der Last der überdimensionalen Badetasche und der ebenfalls überdimensionalen Kühltasche. Wir sind vorbereitet. Auf jeden Ernstfall.

Die Oase ist wegen der Hitze stark überrannt. Wir quetschen unsere Decke zwischen die vielen anderen, breiten unsere Handtücher großzügig aus und entledigen uns unserer Kleidung. Ein Blick in den Wagen. Er ist weg. Weg! Elegant hat er sich durch den Bügel geschlängelt und ist entfleucht. Voll bekleidet und ohne Sunblocker schert sich Zwergnase nichts um fremde Reviere. Sein Ziel ist anvisiert. Er nicht aufzuhalten. Quer rennt er durch das Wasser, um sich seine Eroberung zu sichern. Einen Gummiball. Denn der, den Papa gerade aufgeblasen hat, ist ja nicht so schön. Voller Stolz kommt er mit dem fremden Ball und völlig durchnässt zurück. Gut, dass es ohnehin so heiß ist. Dass ich ihn aus der Kleidung schäle, kommentiert Zwergnase mit ohrenbetäubenden Gebrüll, zumal Papa den fremden Ball zurückbringt. Dann auch noch eincremen! Wir fallen auf. Wir ernten tödliche Blicke. Wir verziehen uns schnell mit sämtlichem Spielzeug bepackt in den Kinderbereich. Merke: Dein Spielzeug nimmst du für andere Kinder mit, damit dich keiner krumm ansieht, wenn dein Kind mit fremden Spielzeug spielt. Es gilt: Fremdes Spielzeug ist immer besser und bereits der Versuch, es deinem Kind wegzunehmen ist strafbar!

Nach ausgiebigen Geplansche, der Verteidigung fremder Eimerchen und Gießkannen, überfällt Zwergnase ein Bärenhunger. Entschlossen zerrt und zieht er an der Kühltasche. Sie ist bis zum Rand gefüllt, denn wenn Zwergnase Hunger bekommt, bekommt auch Papa Hunger. Das ist Gesetz. Alles muss also doppelt und dreifach vorhanden sein, damit niemand einen qualvollen Hungertod sterben muss. Zwergnase zieht immer noch, weil er vorher noch abgetrocknet wird. Die Tasche hält den frei werdenden Kräften nicht Stand und reißt. Muss man wohl unter Kollateralschaden verbuchen. Zwergnase sucht sich eine Banane aus. Er beißt zweimal ab, dann sieht er einen neuen Ball. Zwergnase jagt den Ball, Mama jagt Zwergnase mit der Banane in der Hand. Wir lernen das ganze Schwimmbad kennen.

Aber irgendwann werden auch die Batterien meines Duracell-Hasen leer. Jetzt bloß nicht im Auto einschlafen! Nach so einem Tag soll Zwergnase doch erst in seinem Bett umfallen. Perfektes Timing ist hier alles, der Grat sehr schmal... und am Ende des Tages fallen auch Mama und Papa einfach nur noch ins Bett. Morgen zieht die Karawane dann weiter...

Dieses kleine Geschichtchen ist Teil der Blogparade "Summer Stories" von Lydia, Claudia, Lisa, Ramona, Sabrina, Tina und mir.





Sonntag, 21. Juni 2015

Klassentreffen


Kritisch betrachte ich mein Spiegelbild. Die Haut könnte reiner sein und das Doppelkinn etwas unauffälliger. Ja, seit dem Abitur habe ich doch etwas zugenommen. Bei genauerer Überlegung stelle ich aber fest, dass es in den zehn Jahren eigentlich nur drei Kilo sind. Gut, dazwischen habe ich viel abgenommen, viel zu genommen und wieder abgenommen. Also eigentlich nicht so schlecht.

Es ist schon seltsam. Eigentlich bin ich doch selbstbewusst. Aber vor dem Klassentreffen fallen mir vor allem meine Unzulänglichkeiten ein und ich habe das Gefühl, mich einem Wettstreit zu stellen, wer in zehn Jahren das meiste erreicht hat.

Als ich dann auf die anderen treffe, verstärkt sich mein ungutes Gefühl. Man habe dieses und jenes studiert und arbeite nun hier und da. Erst später wird mir bewusst, dass ich nur mit einem Ohr zugehört habe. Mit dem Ohr, das all das noch auf der To Do-Liste des Lebens abhaken will. Das alles so perfekt geklungen hat, alles so übermäßig toll. Dabei habe ich sogar einmal selbst gesagt, dass man doch auf die Frage "Wie geht's dir?" ohnehin nur mit Standardsätzen antwortet, weil doch im Grunde gar keiner hören will, wenn es eben nicht läuft. Es entsteht also ganz automatisch eine Stimmung, als würde bei jedem alles bestens sein. Die Vernunft, die auf der Schulter sitzt und mit dem Zeigefinger winkt, dass Schein und Sein nicht identisch sind, wird erfolgreich ignoriert und man fühlt sich klein. Ich fühlte mich klein und unbedeutend.

Als ich jedoch mit einer Freundin darüber rede, fällt mir auf, dass auch mein Leben, das mir ja vor wenigen Stunden noch so mickrig vorkam, bei anderen am Selbstbewusstsein kratzt. Dass in den Augen der anderen der Glanz gefehlt hat, als sie von ihren Erfolgen gesprochen haben. Dass doch ein jeder sein Päckchen zu tragen hat, aber das Päckchen zu solchen Anlässen halt zuhause gelassen wird, fest im Keller verschnürt, wo es keiner sieht.

Bildnachweis: FreeImages.com / Stephanie Snipes

Sonntag, 14. Juni 2015

Frauenrunde

Halb zehn in Deutschland. Erste Pause. Genüsslich packe ich mein Sandwich vom Bäcker aus. Ein Ciabatta-Brötchen mit einem Salatblatt, Schinken und Käse, Gurke und Tomate. Irgendwo zwischen den Lagen wurde das ganze fett mit Remoulade gepolstert. Nach und nach trudeln meine Kolleginnen ein. Ich sehe von einer zur anderen. Vor jeder steht eine große Wasserflasche. Vor jeder steht ein kleines Plastikschüsselchen zu Aufbewahrungszwecken. Inhalt ähnlich. Rohkost-Salate, geschnippeltes Gemüse oder Obst. Wenn man Glück hat, findet sich noch irgendwo ein Becher Naturjoghurt. Aber nur der, der keinen zusätzlichen Zucker hat. Man tauscht sich aus, welcher Joghurt geeignet ist. Es werden die verschiedenen Abnehmstrategien erörtert. Eine Kollegin setzt auf Kohlenhydratverzicht. Erste Erfolge bereits deutlich sichtbar. Ich beiße in mein Sandwich. Die Remoulade tropft wie in Zeitlupe auf den Tisch. Ich hoffe, dass das kleine Platsch nicht zuviel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich kenne meine Kolleginnen noch nicht so lange, scheine aber hier auf eine Fitness-Crew getroffen zu sein. Mit meinem Sandwich in der Hand und meiner sportlichen Moral eines ausgewachsenen Couch-Potato fühle ich mich unwohl. Ja, ich sollte doch irgendwie mehr für mich tun. Wie die das alle so durchziehen. Während ich nochmal vom Sandwich abbeiße, denke ich über Gruppendynamiken nach. Unauffällig wische ich die Brösel vom Tisch auf und lasse sie samt meiner Bäckertüte im Müll verschwinden. Ich sollte in Zukunft mein Sandwich noch im Auto essen, um hier nicht unangenehm aufzufallen. Sicher ist sicher.

Viertel nach elf in Deutschland. Zweite Pause. Das Wetter ist hervorragend. Richtiges Sommerwetter! Eigentlich könnte ich mir ja dann mal das erste Eisdieleneis des Jahres gönnen, aber ein paar Babypfunde müssten ja auch noch runter... und irgendwie muss man in dieser Frauenrunde ja mithalten. Ich nehme mir vor, mein Schlank-im-Schlaf-Programm wieder durchzuziehen. Jawohl. Nächste Woche habe ich auch ein Plastikschälchen dabei! Plötzlich, völlig unerwartet dringt das Gespräch zu mir durch. Wie jetzt? Es geht um Eisdielen? Spaghetti-Eis? Die Streusel aus weißer Schokolade sind ja das beste? Das Spaghetti-Eis bei soundso sei aber ungenießbar? Wie? Jeden Nachmittag ein Spaghetti-Eis? Beim Griechen letztes mal vollgefressen? Und dann trotzdem noch ein Eis? Ich verstehe die Welt nicht mehr. Und bekomme Hunger auf Spaghetti-Eis. Vielleicht ist das eine besondere Diät? Brigitte oder so? Oder bin ich im falschen Raum? Das sind doch die Kolleginnen von vorher? Oder? Aber ich bin beruhigt. Jetzt kann ich auch mitreden und empfehle gleich mal eine Eisdiele und einen Griechen...

Bildnachweis: FreeImages.com / 78thelemen

Sonntag, 7. Juni 2015

Was der Bauer nicht kennt,...

...frisst er nicht. Seit wir Eltern sind, heißt es nicht mehr "Wo machen wir am Wochenende Party?", sondern alle paar Wochen mal "Wir könnten ja mal wieder Essen gehen." Der Teufel liegt im Detail, denn "Essen gehen" führt bei uns meistens nicht zu einem Erlebnis, das man so schnell nicht mehr vergisst. Denn das Spektrum der Restaurants und Essenskulturen, die wir uns zutrauen, wächst sehr langsam. Man könnte auch sagen gar nicht. Wenn es heißt "Wir könnten ja mal wieder Essen gehen", steht eine handvoll Lokalitäten zur Auswahl. Ich zähle sie mal eben auf. Sie sind wirklich überschaubar. Für jede Nationalität kommt auch nur ein Restaurant in Frage.

  1. Der Italiener
  2. Der Grieche
  3. Der Mexikaner
  4. Der Asiate
Drittens und viertens zählen aber eigentlich nicht . Da gehen wir nur hin, wenn wir ganz verzweifelt sind. Die Liste der "Da könnten wir ja eigentlich auch mal hingehen"-Lokale ist hingegen lang. Aber warum gehen wir nicht hin? Weil der Italiener, der Grieche, der Mexikaner und der Asiate einfach so schön bequem sind.

Wir gehen zum Griechen. Wir kennen die Kellner, wir kennen die Speisekarte. Eigentlich brauchen wir sie gar nicht mehr. Wir nehmen die 56 mit Tsatsiki. Aber mit Reis statt Pommes. Der Kellner bringt die 56 mit Tsatsiki. Mit Reis statt Pommes. Es schmeckt wie immer. Nämlich gut. Uns geht es hinterher auch wie immer. Wir sind völlig überfressen. Was zahlen dasselbe wie immer. Das nennt man doch Verlässlichkeit! Da fühlt man sich wohl.

Von der Bestellung abweichen? Boah. Das ist aber viel verlangt. Was ist, wenn das neue, unbekannte Gericht nicht schmeckt? Es ist ja auch völlig wahrscheinlich, dass Nummer 56 mit Reis statt Pommes das einzige Gericht auf der Karte ist, was die kochen können... Nein, nein, lieber auf Nummer sicher gehen und keine Experimente! Da weiß man, was man hat!

Und doch haben wir es letztes Wochenende gewagt. Wir haben ein "Da könnten wir ja eigentlich auch mal hingehen"-Restaurant besucht. Den Kroaten! Aber die Unsicherheit war groß. Was erwartet uns da eigentlich? Was isst der Kroate denn so? Ist da überhaupt was los oder sitzen wir alleine im Gastraum? Trauen uns kaum was sagen, weil das Personal alles mithören kann? Wir haben bisher nur von einem Paar gehört, dass man dort gut essen könne. Eine Referenz ist ja nun nicht besonders viel... Als wir zwecks einer Reservierung angerufen haben, meinten die, das noch genug frei sei. Hmpf. Eineinhalb Stunden bevor wir kommen wollen? Es Angstzustand zu nennen, ist wirklich übertrieben, aber eine gewisse Unbehaglichkeit gegenüber des völlig Unbekannten stellt sich doch ein...

Als wir das Lokal betreten, fallen wir wider Erwarten nicht tot um. Wir werden freundlich in Empfang genommen und zu einem freien Tisch gebracht. Die Vorhänge sind etwas altbacken, auch die übrige Einrichtung, aber ein topmodernes, frisch renoviertes und hippes Interieur zahlt man ja schließlich immer mit. Die Bedienung ist flott und freundlich und obwohl wir die kroatischen Gerichte nicht aussprechen können, können wir problemlos bestellen, auch wenn es nicht die 56 mit Reis statt Pommes ist. Schnell stellen wir fest, dass das atlbackene Design nicht der Küche entspricht. Auf jeder zweiten Platte, die der Kellner durch die Gegend trägt, tanzen lustige Flammen herum. So eine Show haben wir beim Griechen ja noch nie bekommen. Das Essen kommt schnell und heiß und schmeckt. Jetzt werden wir mutig! Wir bestellen sogar den typisch kroatischen Schnaps. Er schmeckt grauenvoll - aber das tut Ouzo auch. So ehrlich muss ich schon sein.

Als wir völlig zufrieden das Restaurant wieder verlassen, ist unsere Liste um 5. der Kroaten gewachsen. Wir nehmen uns vor, öfter mal was Neues auszuprobieren. Aber zum Kroaten könnten wir ja schon wieder mal gehen. Auch wenn die Gerichte da keine Nummern haben...

Bildnachweis: FreeImages.com / Richard Bennett

Sonntag, 31. Mai 2015

Auf dem Arbeitsamt

Was wäre, wenn...? Wer hat sich das nicht schon einmal gefragt? Und manchmal, ja manchmal da brüllt keiner "Wenn der Hund nicht gesch... hätte, hätte er den Hasen erwischt" dazwischen, da kann man dann so ganz einfach dem Spiel nachhängen. Patrick von Living Memory hat sich diese Frage auch gestellt und zu einer netten Blogparade aufgerufen. Deshalb dürft ihr mich jetzt in meinem ganz persönlichen Gedankenspiel "Was wäre, wenn..." begleiten.

Genervt sitze ich in dem kleinen Büro meiner Arbeitsvermittlerin. Ich hasse diese Termine. Über den Rand ihrer Brille geringschätzend hinausblickend fragt sie mich, ob und wie viele Bewerbungen ich denn schon geschrieben hätte. Wieder erkläre ich ihr, dass die Rückmeldungen der rund 70 Schulen entweder ganz ausbleiben oder erst im Juli kommen werden. "Sieht es denn so schlecht aus mit der Warteliste?", fragt sie. Mein Mundwinkel zuckt ob einer sarkastischen Antwort. Ich beschränke mich auf ein schlichtes "Ja!". Sie nickt, hebt den Kopf an, um durch die Brillengläser auf ihrer Nasenspitze sehen zu können und tippt geschäftig in der Jobbörse am PC herum. Sie murmelt noch etwas von "...Lehrer... schwierig..." und fragt, ob ich nicht nochmal studieren wolle. Ja, das wäre was. Aber das Amt übernimmt dafür ja leider nicht die Kosten. Während sie tippt und scrollt, schweifen meine Gedanken in die Vergangenheit. Wenn ich noch einmal studieren könnte...

Vor dem Verwaltungsgebäude der Universität hatte sich eine lange Schlange gebildet, aber ich war früh dran gewesen. Ich hatte mich für den Studiengang "Medien und Kommunikation" eingeschrieben. Ich wusste zwar nicht, in welchem Beruf ich später arbeiten würde - irgendetwas mit Medien - aber das Berufsfeld war ja so vielfältig.

Das Studium raste nur so an mir vorbei und mirnichtsdirnichts hatte ich meinen Master in der Hand. Schon kommenden Monat würde ich in einer großen Firma für die Presseabteilung und das Marketing zu arbeiten anfangen. Mein Freund war nicht so begeistert davon. Ich musste nämlich dafür nach München ziehen, er würde erst einmal zurückbleiben. Aber wir waren uns sicher, dass wir eine Wochenendbeziehung auf Zeit schon verkraften würden.

Die erste Zeit war hart. Mir wurde schnell klar, dass mein Master ohne nennenswerte Berufserfahrung nichts wert war, ich war mehr ein Laufbursche als ein kreativer Kopf. Zusätzlich wurden mir alle Arbeiten aufgebürdet, die sonst keiner machen wollte. Dennoch führte ich sie ohne zu murren alle aus. Wenn ich zuverlässig arbeite, klappt es sicher mit der raschen Karriere. Leider würde ich meinem Freund noch sagen müssen, dass ich die nächsten drei Wochen nicht nach Hause kommen würde. Die Firma veranstaltete eine Gala und die hohen Tiere waren auf zwei weitere eingeladen, da durften wir von der PR natürlich nicht fehlen. Außerdem war es tatsächlich meine erste Gelegenheit, in den interessanten Teil der Arbeit hineinzuschnuppern.

Mein Freund teilte mir am Telefon mit, dass er so nicht mehr weitermachen wolle. Ich sei im letzten halben Jahr nur einmal nach Hause gefahren und er wisse ja gar nicht mehr wie ich aussähe. Und außerdem habe er jemand kennengelernt, dem die Karriere nicht so wichtig sei. Das war's dann also. Ich war zwar in dem Moment sprachlos, aber dann war ich froh, diesen Klotz am Bein, der mir nur jedes Wochenende ein schlechtes Gewissen machte, los zu sein. Nun konnte ich mich ohne Ablenkungen meiner Karriere widmen.

Mein Einsatz zeigte schnell Früchte. Nur wenige Jahre später war ich die stellvertretende Abteilungsleiterin, die wichtigsten Angelegenheiten erledigte ich selbst, niedere Dienste trat ich an den neuen Mitarbeiter ab. Frisch von der Uni, der Gute, kein Plan von gar nichts. Ich hingegen hatte ein Gehalt, das sich sehen lassen konnte, eine schicke Eigentumswohnung, eine Putzfrau und ein schnittiges Auto. Meine Freizeit verbrachte ich im Fitnessstudio oder in Kochkursen, um Männer kennen zu lernen. Mehr als kleine Affären waren jedoch nicht drin, die Männer konnten einfach so schlecht mit erfolgreichen Frauen umgehen. Wenn ich ehrlich zu mir selbst war, musste ich mir eingestehen, dass ich gar nicht an einer längeren Beziehung interessiert war. So eine Beziehung schränkt einen doch nur ein...

Meine Arbeitsvermittlerin räuspert sich und holt mich zurück in die Gegenwart. "Könnten Sie bitte Ihrem Sohn sagen, dass er die Blumenerde im Topf lassen soll?" Zwergnase grinst mich an, wohl wissend, dass er das eigentlich nicht darf und glücklich bis über beide Ohren, dass seine Mama gerade unaufmerksam gewesen ist. Mit voller Liebe in meinem Blick sehe ich ihn an, schadenfroh, dass er der Arbeitsvermittlerin zumindest ein bisschen Arbeit beschert, schüre ich die Vorurteile gegen Lehrer: "Nein, kann ich nicht. Mein Sohn soll sich frei entfalten!" Ich nehme ihre Bewerbungsvorschläge entgegen und verlasse mit Zwergnase an der Hand hoch erhobenen Hauptes den Raum.

Wenn ich damals Medien und Kommunikation studiert hätte, dann, ja dann hätte ich dieses Vergnügen gerade eben nie erlebt!

Anmerkung: Die Geschichte ist ein reines Gedankenkonstrukt und frei erfunden.

Bildnachweis: FreeImages.com / Quim Berenguer

Sonntag, 10. Mai 2015

Bastel, der Barbar

Kennt ihr das? Wenn ihr eine Bastelanleitung erhaltet, euch genau daran haltet und das Ergebnis dann wie gekauft aussieht? - Ich auch nicht.
Ich bin ungeschickt. Meine Fingerfertigkeit entspricht wahrscheinlich der eines Erstklässlers. Naja, gut. Eigentlich liegt sie nur knapp über der von Zwergnase.

Die Eltern-Kind-Gruppe ist daher meine persönliche Hölle, in der Bastel, der Barbar, zum Vorschein kommt. Bastel ist das kleine naive Monsterchen, das mir innewohnt. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er keine Fantasie hätte, er überstürzt losarbeiten würde, nein. Ganz im Gegenteil hat er immer eine ganz tolle Idee im Kopf. Leider ist diese am Endergebnis nicht ersichtlich und im Entstehungsprozess will einfach nichts so klappen, wie es Bastel gezeigt wird.

Die Papierblume zum Muttertag

Die Idee: Wir schneiden Blumen aus Bastelkarton aus und bedrucken diese mit den Fingerabdrücken der Kinder. So "dürfen" die auch mitmachen. Man möchte es nicht glauben, aber schon das Ausschneiden der zwei Blüten bereitet mir Bastel Probleme. Man braucht nur einmal vorzeichnen, wenn man das Papier knickt und beide Blumen gleichzeitig ausschneidet. Dumm nur, wenn ich Bastel das Schneiden beim Knick anfängt, sodass beide Papierbögen dann mit verkrampften Fingern zusammengehalten werden müssen, damit sie nicht verrutschen. Außerdem bin ich ist Bastel echt zu doof, auf der Linie zu schneiden. Nein, er lässt sicherheitshalber immer ein wenig Abstand, nachdem er im Kindergarten mal eine Kartoffel immer kleiner und kleiner ausgeschnitten hat, ohne es zu merken und aus der Kartoffel dann eine Backerbse wurde. Dumm daran ist nur, dass man dann ja immer einen Vorzeichenrand sieht. Die Gruppenleiterin verdreht die Augen ob sowenig Können. Danke auch.

In kleine Schälchen werden kindertaugliche, nicht-chinesisch-giftige Farben gegeben, damit da ja nichts passiert. Die etwa 1-jährigen Kinder sollen jetzt vorsichtig mit einem Finger in das Schälchen tippen und mit Mamas Hilfe die Farbe auf die Papierblume transportieren. Schöne Theorie, mein Kind hat aber leider auch Bastel von mir geerbt. Patsch! Das Händchen in der Schale, die Farbe nicht nur an der Hand, sondern überall. Naja, gut, gibt es halt einen Handabdruck? Findet Zwergnase doof. Er verschmiert das Vielzuviel an Farbe auf der Papierblume. Und auf dem Tisch. Und auf dem Stuhl. Und auf Mamas Hose. Und auf Zwergnases Hose. Er ist eben kreativ... und hat augenscheinlich Spaß dabei. Es gibt weder einen Finger-, noch einen Handabdruck. Wir versuchen das Gepatze mit einer zweiten Farbe zu kaschieren. Man lese dazu noch mal die letzten paar Sätze, selbes Procedere. Die anderen Mamis sind schlauer, sie haben Zwergnase und mir und Bastel zugeschaut. Die Kinder werden von den Farben ferngehalten, die Farbtupfer mit einem Pinsel verteilt. Pfff. Warmduscher! Während die Blüte trocknet, Blütenblätter ausschneiden. Wir brauchen vier. Könnte man ja so machen wie mit den Blüten. Machen wir auch - und schneiden wieder als erstes den Knick durch.

Pause. Die Farbe kriegen wir gar nicht alles ab und sie landet auf Zwergnases Breze. Naja, wird ihn schon nicht umbringen. Er leuchtet zumindest noch nicht im Dunkeln. Danach muss die Blume noch zusammengesetzt werden. Mit Heißkleber werden die Einzelteile an einem Schaschlikspießchen aus Holz befestigt. Mit Heißkleber! Schon mal so ein Teil gesehen? Der wird mit PISTOLEN aufgetragen! Pistolen sind Waffen! Vor allem in meinen Händen. Brandgefährlich, das Ganze! Zumindest für meine Fingerkuppen. Aber das nehm' ich ja gerne in Kauf für selbst gebastelte Blumen, von denen ich nicht weiß, wie ich sie verstecken soll.  Denn das Ergebnis am Ende ist zwar nicht schön, aber selten, wie man eben so sagt. Da freue ich mich ja schon wahnsinnig auf den Briefbeschwerer, den wir für Papa basteln werden... und Bastel, der Barbar, reibt sich schon die Hände.

Samstag, 9. Mai 2015

Die Sache mit den Bienen und Blüten

Bildquelle: www.tier-fotos.eu
Ich weiß nicht mehr, wann und wer mir die Sache mit den Bienen und Blüten erklärt hat. Aber wenn man es genau nimmt, ist diese Kinderaufklärung eigentlich gar nichts für schwache Nerven. Hallo? Ich meine, die Blüte steht da recht hilflos herum, zuweilen sogar am Straßenrand, und muss sich sozusagen ungefragt von den Bienen bespringen lassen. Man lese genau: Nicht von einer Biene, der die Blume nach einer intensiven Kennenlernphase die Erlaubnis erteilt hat. Nein, von Bienen! Wahllos und zahllos! Die arme Blüte hat überhaupt gar keine Wahl! Es handelt sich sozusagen um Vergewaltigung am laufenden Band und niemand geht dagegen vor. Im Gegenteil. Die dreisten Vergewaltiger werden auch noch unterstützt und gefördert, wo es nur geht. Schützen müsse man sie, weil sie immer mehr verschwinden und gefährdet sind. Unser Nachbar hat jüngst sogar eine Sammelstation für 5000 Bienen eingerichtet, in der sie ihre nächsten Übergriffe planen können. Soweit mir zugetragen wurde, sollten die Ziele vor allem Obstbäume betreffen.

Aber jede Geschichte hat ja zwei Seiten. Bevor man Blüten jeglicher Art in eine Opferrolle zwängt, muss auch deren Verhalten analysiert werden. Ich muss sagen, mein anfängliches Mitgefühl und meine Betroffenheit haben sich schnell ins Gegenteil verkehrt. Da stehen sie da, diese harmlos tuenden Blüten, verströmen einen unwiderstehlichen Duft und kokettieren mit dick geschminkten Blättern, die sie so einfach rumhängen lassen, damit wirklich jeder sie sieht. Sie schreien ja förmlich "Nimm mich!" Aber dem nicht genug! Sie drängen sich ihrer Umwelt ja ungefragt auf. Kein Fünkchen Privatsphäre respektieren sie, sodass es dem Allergiker vor Wut schon die Tränen in die Augen treibt. Rücksichtslos und ungehemmt verteilen sie ihren Blütenstaub in alle Windrichtungen. In jede Ritze dringt er ein und setzt sich fest, in der Hoffnung, noch irgendwo ein Single-Blütchen zu finden. Dann tut er noch so, der Blütenstaub, als wäre er pures Gold! Wenn ich es barock haben hätte wollen, dann würde ich in einer Kirche wohnen, verdammt! Es ist keineswegs nötig, meinen Balkon, meine Gartenmöbel, meine Fensterbänke, meine Regale, meine Anrichte, meinen Esstisch, meine Stühle, meine Bettwäsche, meine Handtücher und was weiß ich noch alles, zu vergolden! Aber man wird ja nicht um Erlaubnis gebeten von diesem Pack. Mit dem Gartenschlauch kann man zwar versuchen, sich der Avancen zu erwehren, aber das interessiert dieses läufige Gesindel ja nicht! Kaum steckt man den Schlauch weg, kommt es schon wieder angetrabt und schmiegt sich anbiedernd an alles, was nicht bei drei... die Fenster geschlossen hat.

Hach, und da sollen einem die Blüten noch leid tun? Die haben es nicht anders gewollt! Geben sich so einfach ihrer Natur hin. Das geht doch nicht! Schickt ihnen Bienen, die es ihnen mal so richtig besorgen, dann haben meine Gartenmöbel vielleicht Ruhe!