Freitag, 2. Mai 2014

Von hoffnungslosen Herrchen und ihren Haufen

Ich hasse Hunde.

Nun gut, das ist etwas übertrieben. In der ewigen Diskussion, ob man der Hunde- oder Katzentyp ist, bin ich wohl der Kaninchentyp. Vielmehr begegne ich Hunden eher mit Respekt und - ich gebe es zu - mit etwas Angst. Sie sabbern, ich mag ihren Geruch nicht und man weiß nie, ob er dich anspringt, wenn du einem begegnest. Aber das Übel aller Übel sind, wie könnte es anders sein, die Hundehaufen.

Dafür kann das arme Tier natürlich nichts. Irgendwo muss es ja sein großes Geschäft verrichten. Und da es ein treuer Begleiter ist, kann es das nur dort tun, wo ihn sein Herrchen hinführt. Auf Gehwegen, in Sandkästen auf Spielplätzen, in Vorgärten, Garageneinfahrten und auf Wiesen, die nach dem Glauben der Hundehalter der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Die teuer aufgestellten Hundeklotütenbehälter werden links liegen gelassen, Warn- und Verbotsschilder ignoriert, für den besten Freund des Menschen kann es doch keine Verbote geben.

Ich könnte ja sagen, dass die Hundehaufenproblematik in den letzten Jahren erst eskaliert wäre. Aber das stimmt schlichtweg nicht. Wenn ich an meine Kindheit und Hundeerfahrungen zurückdenke, denke ich an Winterabende, an denen meine Eltern den Schnee aus der Einfahrt geschaufelt haben und wir Kinder den
kleinen Grashügel vor dem Hof runterrutschen wollten. Lange ging das lustige Treiben nie, bis uns meine Mutter zurechtwies, uns zurückpfiff, weil unter dem Schnee hässliche braune Haufen verborgen waren. Eine erste Prägung? Hunde vermiesen den Spielespaß? Wahrscheinlich.

Heute weiß ich, dass das Problem nicht die Hunde sind, sondern vielmehr deren Herrchen, die teilweise mit einer derartigen Portion Egoismus ausgestattet sind, von der kann ich nur träumen. Es stellt sich mir immer wieder die Frage, warum die bereitgestellten Beutelchen nicht genutzt werden. "Die sind immer leer!", heißt es dann. Der Behälter an meiner Kinderwagenstrecke ist immer mit Tüten bestückt und ich fahre Slalom um die Haufen. Soviel dazu. Abgesehen davon kriegt man doch in jedem Laden entweder beim Einkauf Tütchen oder man kann selbige kaufen. Man möchte gar meinen, es gäbe auf der ganzen Welt keine Plastiktütchen mehr. Wer zum Teufel stellt Plastiktütchen her? Gibt es Lieferengpässe? Eine die Welt umspannende Verschwörung gegen Hundehalter, die doch nichts weiter wollen als kleine Plastiktütchen?!

Ich kann mir das Bild wahrlich vorstellen. Am Rande eines Weges. Unbeobachtet. Der Hund setzt an, tut, was er tun muss. Es hat keiner gesehen, warum soll man dann ein dampfendes Etwas mit sich herumtragen. Wofür gibt es die Straßenreinigung? Wofür zahlt man Hundesteuer?

Dabei wird aber häufig vergessen, wer dann tatsächlich den Dreck und den Ärger hat. Die Straßenreinigung reinigt nämlich keine Vorgärten. Ich finde es bedauerlich, dass ein Hauseigentümer in unserer Siedlung ein Schild mitten in seinen Vorgarten setzen muss, dass dies kein Hundeklo ist. Das macht man nur, wenn man regelmäßig Haufen entsorgen musste. Gegenüber hing vor kurzem ein Pappschild: "3 Meter Einfahrt - 3 Hundehaufen. Muss das sein?!" Zeugt das von Respekt gegenüber seinen Mitmenschen? Wenn fremdes Eigentum beschmutzt wird? Ich war auch einmal Zeuge einer Zurechtweisung. Der Eigentümer erwischte das Herrchen in flagranti und forderte es auf, den Haufen mitzunehmen. Das Herrchen zuckte nur die Schultern und gab schnippisch zurück "Liegt ja nicht auf meinem Grund!"

Das solches Verhalten die Bevölkerung in Hundebesitzer und Hundehasser spaltet, wundert dann kaum noch. Man muss sich doch nur einmal vorstellen, was los wäre, wenn der Nachbar dem Nachbarn in den Vorgarten sch****... Da sieht das Verständnis von Moral und Anstand plötzlich wieder anders aus.

So ärgerlich und unverschämt der Hundehaufen im  Vorgarten auch sein mag, ein wirklicher Schaden entsteht dabei nicht. Erheblichen Schaden können Hunde jedoch auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen anrichten. Ach, was tummeln sich am Sonntagnachmittag die Bilder von fröhlich tobenden Vierbeinern auf mit Blumen übersähten Wiesen in den sozialen Netzwerken. O Freude schöner Götterfunken! Ist das nicht putzig, wie Hasso und Bello auf der Wiese spielen? Indes fällt irgendwo ein Bauer mit einem Herzinfarkt vom Stuhl.

Warum? Mit Hundekot verunreinigtes Futtergras hat bei Wiederkäuern (also Rind) schwere Erkrankungen bis zum Tod zur Folge. Man könnte auch salopp sagen, dass die Kühe vergiftet werden. Ein Schild am Rand einer Futterwiese bei uns in der Siedlung weist auf diesen Umstand hin - es interessiert nur kein Herrchen. Auch die Drohung, dass eine Anzeige durch den Pächter erfolgt, beeindruckt niemanden. Fast täglich tummeln sich da die Herrchen mit ihren Vierbeinern, wenn ich vorbei wagele.

Müsste dem Schild ein Bild einer verendenden Kuh hinzugefügt werden, um ein Umdenken bei den Hundehaltern zu bewirken? Wenn irgendwo vergiftete Fleischbrocken ausgelegt werden, um Hunde um die zuletzt markierte Ecke zu bringen, ist der Aufschrei immer groß. Auf Facebook heißt es dann "Teilen! Teilen! Teilen!", damit diese *zensiert* gefasst werden. Nach Mord und Folter wird da gerufen, wenn es den armen Tieren an den Leib geht. Damit wir uns nicht falsch verstehen. Natürlich vergiftet man keine Tiere! Außer Ameisen und Kakerlaken vielleicht... Ich will nur aufzeigen, dass diese Hundebesitzer, die sich darüber am meisten aufregen und ihre Hunde auf die Wiese machen lassen, das gleiche mit Bauers Kuh machen. Der Unterschied liegt darin, dass dies nicht öffentlich gemacht wird... oder eher selten. Auch wenn Kühe als "Nutzvieh" eingestuft werden, sind sie a) ebenso schützenswerte Tiere und b) hängt ein Bauer ebenfalls an seinen Tieren.

Wie überall, verdirbt eine kleine Gruppe oder einzelne Personen gleich den Ruf der ganzen Sippe - oder sollte man in dem Fall vom Rudel sprechen? Egal, denn es geht auch anders. Letztens waren wir an der Donau wageln, als uns ein Frauchen mit Hund entgegenkam. Sie wies den Hund an, "Sitz" zu machen, dieser wartete geduldig ohne zu bellen, wir lobten die guten Manieren und gingen nach einer kurzen Plauderei freundlich auseinander. Und im Körbchen am Gepäckträger ihres Rades sahen wir volle und leere Kotbeutelchen...

Bildnachweis: FreeImages.com / PenguinFB

Kommentare:

  1. Vielleicht würde ich Hunde lieben. Es kommt einen Versuch drauf an. Wie wäre es mit einem jungen Tier, viel Knoblauch und Gemüse scharf anbraten und dann bei niedriger Temperatur 4-5 Stunden im Backofen garen lassen. So schmeckt auch Lammfleisch vom Biolandwirt um die Ecke...

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  2. Die Tüten sind (zumindest hier) auch nicht grade besser - Wenn jemand den Mist (im Wahrsten Sinne des Wortes) aufhebt und eintütet, wird halt die Tüte in die Landschaft geworfen und wenn der nächste Paarungszyklus der Aufsitzrasenmäher (Aufsitzus Kompensicus) naht, hat man dann nicht nur Scheiße, sondern auch Tüten, in Fetzen überall rumfliegen...

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    1. Ich kann solch ein Verhalten einfach nicht verstehen. Zumal unter den Tütenbehältern auch Abfalleimer angebracht sind.

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    2. Pssst! Das würde gesunden Menschenverstand erfordern! Und diese besonders Seltene Fähigkeit ist nur den Besten gegeben :)

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    3. Ja, der gesunde Menschenverstand ist eine vom Aussterben bedrohte Spezies :)

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  3. Ich bin immer etwas irritiert, wenn jemand schreibt, er "hasse" bestimmte Lebewesen - z. B. Tiere, hier: Hunde. Wie kann man als aufgeklärter Mensch Hunde hassen, weil sie Hunde sind und wie Hunde riechen? Ist mir ein Rätsel, und ich bin sicherlich kein politisch korrekter Mensch. Aber ich finde auch Kommentare über die Zubereitung von Hunden in diesem Kontext nicht so witzig wie der Ersteller. Sorry, aber das wollte ich hier kurz loswerden.

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  4. Schöner Post, wo man wieder mal sieht, wie sich Menschen gegenseitig das Leben schwer machen. Die Überleitung zur Neosporose ist da sogar trefflich.
    Allerdings kommt das im Artikel etwas falsch herüber. Einfacher ausgedrückt: Nicht Kühe sterben hier, sondern deren Kälber, und das auch nicht zwangsläufig. Zumal "Hasso und Bello", ihreszeichens Vertreter von HAUShunden, wohl eher weniger diejenigen sind, die hier eine horizontale Infektion bewirken. Ich würde da eher mir mal die Hunde anschauen, die sich selbst ausführen. Deren Nahrungsbezugsquellen können diese schon eher zum Übermittler machen, als das es ein Hund könnte, der von Fertigfutter ernährt wird.
    Und dann kommt noch eine entscheidende Sache dazu: Die Parasiten sterben nach einem Tag eh ab - von daher müssten auf den Wiesen tatsächlich Kühe am gleichen oder darauffolgenden Tag weiden.

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