Samstag, 1. Februar 2014

Meine eingeleitete Geburt mit Cytotec

Die Geburt meiner Zwergnase ist nun zwei Wochen her. Sowas wie Alltag hat sich nun schon fast eingestellt und deshalb ist es an der Zeit, dass Internet mal mit einer positiven Erfahrung zu bereichern, sodass sich nicht nur Horrorgeschichten finden.
Vor guten zwei Wochen wurde bei mir die Geburt wegen reduzierten Fruchtwassers mit dem Medikament Cytotec eingeleitet und ich kann wirklich nicht behaupten, dass dies eine furchtbare und langwierige Tortur gewesen wäre. Aber eins nach dem anderen.
Am Donnerstagvormittag wurde ich von meiner Gynäkologin bei 36+6 und einem Muttermund von 2cm ins Krankenhaus eingewiesen. Die Oberärztin dort ließ mir zunächst die Wahl, es homöopathisch zu versuchen. Da ich davon im Allgemeinen nicht viel halte (worüber die Ärztin übrigens ganz froh war), einigten wir uns auf eine Einleitung mit einem synthetisch hergestellten Medikament. Mir wurde zur Tablette Cytotec geraten, die eigentlich ursprünglich als Magenmittel entwickelt worden war. Alternativ wäre auch ein Gel denkbar gewesen, das alle sechs Stunden aufgetragen worden wäre.
Ich entschied mich für Cytotec. Das Procedere sah vor der Einnahme eine halbe Stunde CTG und danach eine volle Stunde CTG vor. Um 13.30 Uhr am Donnerstagnachmittag erhielt ich die Probedosis einer Vierteltablette... und es geschah nichts. Gar nichts. Der Wehenschreiber zeigte minimale Wehen an, die ich nicht spürte. Um 17.30 Uhr erhielt ich dann eine halbe Tablette, die wiederum nicht wirklich anschlug. Allerdings setzten nun sehr leichte Wehen ein, die aber über ein die Regelblutung ankündigendes Ziehen nicht hinausgingen. Hätte ich dieses zuhause gespürt, ich hätte mich noch lange nicht auf den Weg ins Krankenhaus gemacht. Um 21.30 Uhr standen wir vor der Entscheidung, noch eine halbe Tablette zu nehmen oder bis zum nächsten Morgen zu pausieren. In der Erwartung, dass schier unerträgliche Schmerzen auf mich zukommen, wollte ich die Geburt nur hinter mich bringen. Ich wollte eine weitere Tablette. Doch die diensthabende Ärztin beschloss, dass ich in der Nacht nochmal Kraft für den nächsten Tag tanken sollte, denn dann "greifen wir es richtig an". In der Nacht spürte ich weiter leichte Wehen, die aber bis zum Morgen vollständig verschwunden waren. Mein Mut sank und meine Angst vor einem Kaiserschnitt wuchs. Um 7.00 Uhr am Freitag also wieder eine halbe Tablette Cytotec und zu meiner großen Enttäuschung tat sich wieder nichts. Bei einem Cappuccino in der Krankenhaus-Cafeteria sprachen mein Mann und ich darüber, wann die Ärzte wohl mit dem Thema Kaiserschnitt ankommen würden. Die Hebamme, die mir die nächste Tablette Cytotec um 11.00 Uhr brachte, beruhigte uns jedoch. Eine Einleitung würde nicht selten drei Tage dauern und wir seien ja auch drei Wochen vor Termin. Wichtige Vorbereitungen auf die Geburt seien in meinem Körper eben noch nicht in Gang geraten. Natürlich führte auch diese Tablette nicht zu Ausschlägen am Wehenschreiber. Lustlos stocherte ich in meinem Grießstrudel zum Mittagessen herum, aß ihn aber doch auf. Da mein Mann kein Essen bekam und ich noch Fleischhunger hatte, wollten wir uns in der Cafeteria eine Schnitzelsemmel holen. Ich wollte nurmal kurz noch auf die Toilette. Als ich diese verließ, zuckte ich plötzlich unter einer Wehe zusammen (mehr als ein Zucken war es wirklich nicht), ich spürte ein Plopp und fühlte auch prompt den Abgang von etwas Fruchtwasser. Die Hebamme bestätigte den Blasensprung und schloss mich erneut ans CTG an. Das war ca. um 12.30 Uhr. Endlich tat sich was!
Die Wehen, die ich immer öfter "wegatmen" musste, setzten mit dem Blasensprung sodann auch richtig ein. Ob das nun an der Tablette lag oder am Platzen der Fruchtblase, das ja oftmals das Einsetzen der Wehen auslösen soll, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich lag nun im Bett, ließ mir von meinem Mann den unteren Rücken massieren und fragte mich, wie lange ich nun in den Wehen liegen muss.
Während ich so atmete und spekulierte, verspürte ich auf einmal den Drang, nochmal "groß" auf die Toilette zu müssen. In diesem Moment fiel mir natürlich nicht mehr ein, dass ich irgendwo gelesen hatte, dass der Druck des Kindskopfes dieses Gefühl bedingt. Ich bat also die Hebamme darum, mich vom CTG loszumachen. Die wurde nun etwas hektisch und tastete mich ab. Innerhalb von 20 Minuten hatte sich der Muttermund von 2 auf 5cm geöffnet. Sie meinte, dass ich den Toilettengang versuchen dürfte, aber auf keinen Fall pressen solle. Wenn ich fertig bin, würden wir vom Wehenzimmer in den Kreißsaal umziehen.
Im Kreißsaal erhielt ich über meinen Venenzugang Schmerzmittel und meine Wahrnehmung war nun eher verschwommen. Mein Mann war da und ich konnte bei jeder Wehe gegen seine Hand drücken. Ja, Wehen tun weh. Aber sie sind (mit Schmerzmittel?!) nicht unerträglich. Regelschmerzen x100 oder x1000? Ich würde sagen x100. Ich habe gestöhnt. Hemmungslos. Ein einziges Mal habe ich wohl geschrieen. Meine Augenlider waren schwer und ich ließ die Augen im Grunde nur noch zu und hörte die Anweisungen von Ärztin und Hebamme wie durch einen Schleier. Innerhalb kürzester Zeit war ich 8cm offen. Die Hebamme gab mir Atemanweisungen. Und ich erinnerte mich noch an den Tipp aus einem Schwangerschaftsbuch, den Kiefer locker zu lassen. Denn: Kiefer locker, unten rum locker. Zähne zusammenbeißen verzögert die Geburt wohl eher, weil frau verkrampft und "zumacht". Irgendwann brachte ich noch hervor, dass ich das Gefühl hätte, das Kind zwanghaft zurückzuhalten und ob ich das schon machen dürfe. Die Hebamme verglich das mit dem Zurückhalten von Harndrang, beispielsweise beim Stadtbummel, was gut zutraf. Ab da durfte ich dann pressen. Der Muttermund war vollständig eröffnet. "Pressen Sie! Wie beim Stuhlgang auf der Toilette!"... und genau so fühlte sich die Geburt an. Frau darf keine Hemmungen haben, sonst wird das nix. Hatte ich mir anders vorgestellt. Dass ich das mehr aus der Scheide heraus fühlen würde, aber dem war nicht so. Beim Durchtreten des Kopfes fühlte sich dann die Scheide an, als würde ich mit 1000 Stecknadeln gepiekst - meine Schamlippen schürften auf... und es war geschafft. Um 14.06 Uhr. Nur gute 1 1/2 Stunden nach dem Blasensprung.
Der Damm war leicht gerissen, was mit einem Stich genäht wurde, aus eher kosmetischen als medizinischen Gründen, wie die Ärztin sagte. Mein Kind plärrte auf meiner Brust, mein Mann hatte Tränen des Glücks in den Augen und ich war einfach nur überwältigt. Ich konnte gar nicht fassen, dass das meine Zwergnase ist. Mein Kind. Endlich sehe ich es und es ist so unglaublich, dass man ein fertiges kleines Menschlein in sich getragen hat. Ja, für mich stimmt es. Man vergisst in diesem Moment den Geburtsschmerz. Ich war nach dem Abstöpseln des Schmerzmittels topfit.
Alles in allem hatte ich mir die Geburt sehr viel schlimmer vorgestellt.
Die Woche danach zwickte es nun schon noch sehr und ich traute mich beim großen Toilettengang nicht so recht, "Druck auszuüben". Aber hier kleine Tipps und Tricks, um diese Wochenbettwehwehchen etwas zu mildern.
Schon im Krankenhaus wurden die Wöchnerinnen angewiesen, nach jedem Toilettengang mit lauwarmem Wasser (in einem Messbecher) zu spülen (heißt: von vorne das Wasser über den Venushügel und dann über die Schamlippen fließen lassen). Die Wundheilung wird jedoch mit ein paar Tropfen Kamillosan unterstützt, was mir meine Mama verriet. Auch Sitzbäder mit Kamillosan helfen, die ganze Sache etwas zu beschleunigen. Also: Habt Kamillosan daheim!
Für ein problemloses großes Geschäft hilft es, "Weichmacher" wie z.B. Birnen zu essen und zu gehen, wenn man muss. Hat man Angst, dass die Dammnaht reißen könnte (was eigentlich nicht passiert und daher eher ein psychisches Problem ist), sollte man mit einer weichen Binde leicht gegen den Damm drücken. - Habe ich ausprobiert. Hat mir gut geholfen.
Ich habe diese megafetten Binden aus dem Krankenhaus gebunkert und mir auch solche bei dm geholt (bei den Babywindeln). Die Blutung hätte dies nicht erfordert. Die war ab dem zweiten Tag nicht stärker als während der Regel. Aber diese Binden sind so schön weich und tun deshalb gut. Inzwischen verwende ich dünnere als die im Krankenhaus, aber auch weichere als herkömmliche Binden ohne Plastik für den Wochenfluss, der nach nur zwei Wochen kaum mehr vorhanden ist.
Und: Im Wochenbett soll frau sich schonen. Diese Erholung ist auch notwendig, auch wenn frau sich so weit fit fühlt.
Thema Gewicht: Unmittelbar nach der Geburt waren es leider nur sechs Kilo weniger. Jetzt nach zwei Wochen sind es insgesamt nur 10kg weniger. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen... aber auch wenn es langsam geht, es geht vorwärts. Ich achtete aber direkt nach der Geburt schon darauf, nicht zuviel zu essen. Da ich nicht stille, ist das möglich. Mein Appetit hat aber auch sofort drastisch nachgelassen.
Genauso geht der Bauch jeden Tag merkbar zurück, auch wenn er wabbelweich ist. Es ist überhaupt alles wabbelweich. Liegt, wie ich mir erlesen habe, wieder einmal an den Hormonen. Wird sich also auch wieder regulieren. Und wie heißt es? 9 Monate kommt der Bauch und 9 Monate geht er wieder.
Ich hoffe, damit kann ich so manch Schwangeren die Angst vor der Geburt nehmen. Immer locker bleiben und loslassen können!

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