Montag, 22. Dezember 2014

Mein Mann - Elitesoldat des Christkindls

22.12.2014. Es herrscht Ausnahmezustand. Heilig Abend ist nur noch zwei Tage entfernt, nach ihm werden die Geschäfte nie wieder öffnen. Bunkern ist angesagt. Die Menschen rennen panisch durcheinander, ohne Rücksicht auf Verluste rempeln sie andere Mitstreiter weg. Nach mir die Sintflut, für mich nur das Beste. In jedem Zombiefilm geht es geordneter zu. Aber der Wahnsinn wird sich noch steigern, unaufhaltsam voranschreiten, um am 24.12. seinen Höhepunkt zu erreichen.

Aber wir - wir sind gerüstet. Ich war längst einkaufen, als der Wahnsinn noch nicht so greifbar war. Lediglich die Würstl für Heilig Abend sind noch nicht im Haus. Mein Mann, mit einer Spezialausbildung im wohl kampferprobtesten Krisengebiet der Region - dem Globus in Plattling - stellt sich tapfer seinem Auftrag: "Wahnsinn Weihnachten - Würstlevakuierung"

Er nimmt sich ein großzügiges Zeitfenster, 2 Stunden, um den Auftrag zu erfüllen. Er strebt aber natürlich eine schnellere Erledigung an. Nur keine Zeit verlieren, sonst ist es um die Würstl geschehen.

Beim Anflug aufs Krisengebiet erfolgt eine erste Einschätzung der Lage. Chaos am Kreisverkehr, aggressives und abruptes Stehenbleiben und Anfahren der Weihnachts-Zombies. Erhöhte Kollisionsgefahr. Um möglichst unbemerkt zu bleiben, parkt er sein Schlachtschiff möglichst unauffällig möglichst weit weg. Es gilt, jeden potenziellen Kontakt zu vermeiden. Ungezügelte Wutausbrüche der Zombies könnten ihn wertvolle Minuten kosten, die alles entscheiden könnten. Oberstes Gebot: Nicht mehr Risiko eingehen als notwendig.

Der Vorteil meines Elitesoldaten: er braucht kein Kampffahrzeug, was ihm ein nahezu unsichtbares Agieren ermöglicht. Die Kampffahrzeuge stehen in der Regel am Eingang des Krisengebietes zur allgemeinen Verfügung bereit. Die Zombies wähnen sich mit ihnen in Sicherheit. Bilden sie doch einen Puffer gegenüber anderen Weihnachtswütigen, die Beute kann schnell gesichert werden und sie sind hervorragend als Rammböcke einsetzbar. Dafür nimmt man wohl die teilweise vorhandene Unhandlichkeit in Kauf. Aber wie gesagt, mein Elitesoldat ist schlauer und verzichtet auf die Verlockung am Eingang, die eigentlich nur ein Klotz am Bein ist.

Unauffällig, jedoch flotten Schrittes, betritt er das Epizentrum des Wahnsinns. Nur nicht nach links oder rechts schauen, keinen Angriffspunkt bieten. Unsichtbar bleiben. Er kennt das Krisengebiet wie seine Westentasche, er braucht keinen Lageplan. Die kürzesten Wege haben sich schon vor langer Zeit in sein Gehirn eingebrannt. Zielstrebig steuert er die Metzgerei-Abteilung an, weicht verzweifelt umherirrenden Zombies geradezu elegant aus. Wenn er nicht ohnehin wüsste, wo sich sein Ziel befindet, spätestens bei Ankunft am Ground Zero hätte er es gemerkt, dass er sein Ziel erreicht hat. Zombies sind Fleischfresser. In einer großen Traube sammeln sie sich ungeduldig an der Fleischtheke, schreien durcheinander. Die Verkäuferinnen müssen darauf achten, nicht selbst augenblicklich verspeist zu werden. Doch dieser Auftrag geht meinen Elitesoldaten nichts an. Sein Augenmerk ist nachwievor auf die Würstl gerichtet. Ein kurzer Blick auf die Zombies und er aktualisiert sein Zeitfenster. Zeitverzögerung bei Einreihung unter den Zombies: mindestens 45 Minuten bei akuter Gefährdung des Abschlusses. Das ist nicht annehmbar. Er steuert die Kühltheken zur Selbstbedienung an. Da liegen sie. Völlig verstört und ängstlich. Käsewürstl und Debreciner. Mein Elitesoldat wird für einen Bruchteil einer Sekunde sentimental, sein Blick wird weich, als er sie behutsam aus der Truhe nimmt und vorsichtig an seinen Körper drückt. Doch dieser Augenblick währt nur kurz, der Auftrag ist noch längst nicht abgeschlossen. Die Evakuierung der Würstl ist an eine Auslöse gebunden. Die Geiseln müssen quasi frei gekauft werden, wofür am Ausgang des Krisengebietes sogar Kassen bereitstehen. Es sieht gerade danach aus, als würde man ein Geschäft mit den Wahnsinnigen machen. Für kleinere Aufträge, wie die ausschließliche Würtsl-Evakuierung, ist eine extra Zahlstelle vorhanden. Sie ist die letzte Hürde, die mein Elitesoldat nehmen muss und auch der größte Risikofaktor. Die Wartezeit dort entzieht sich seinem Einfluss. Doch er hat Glück. Nur wenige Zombies befinden sich vor ihm. Unauffällig reiht er sich ein, bezahlt und eilt schnellen Schrittes hinaus. Operation "Wahnsinn Weihnachten - Würtslevakuierung" erfolgreich abgeschlossen.

Bildnachweis: FreeImages.com / Davy Kestens

Sonntag, 14. Dezember 2014

Wenn wir wageln...

Wie man an einigen der letzten Posts unschwer erkennen kann, ist Babys Schlaf heilig. Er sichert das eigene Überleben. Nun sind die Zeiten, in denen Zwergnase bei laufendem Staubsauger oder laufender Dunstabzugshaube eingeschlafen ist, schon längst vorbei. Zwergnase hat ein Gehör wie ein Luchs. Man könnte auch sagen, dass er ziemlich geräuschempfindlich ist. Ein Vorteil davon ist sicherlich, dass sich auch das Gehör der Eltern um ein 1000-faches verbessert. Jede kleinste Störquelle wird wahrgenommen, lässt einem den Atem anhalten und geschockt aufs Babyphon starren, ob der Spross davon wach wird. Manche Geräuschquellen lassen sich vorsorglich ausräumen. Wenn Zwergnase schläft, wird nicht gesaugt, kein Geschirrspüler ausgeräumt oder auch bloß nicht die Wäsche aus der Maschine in den Trockner gesteckt. Vom Zuschnappen des Deckels könnte er ja wach werden. Andere Störungen entziehen sich allerdings dem eigenen Wirkungsbereich. Sirenen von Einsatzfahrzeugen aller Art zum Beispiel. Oder auch rücksichtslose Nachbarn, die sich scheinbar einen Spaß daraus machen, vor dem Schlafzimmerfenster herum zu brüllen. Am Wochenende liegt die Störquelle "Nachbarn" etwa bei 100 Prozent. Da hilft für den notwendigen Nachmittagsschlaf nur eins: Wageln.

Gestern, Samstag, Störfaktoren zu 100% im Haus, also Wagelvorbereitung. Zwergnase bekommt eine kleine Flasche, eine frische Windel, wird schnuckelig warm angezogen (Mami ebenso), wird in den Wagen gelegt (Mami darf nicht), Spuckwindel an die Backe, Hände in den Handschuhen an die Kinderwagenkette und ab die Post. Alle Vorlieben von Zwergnase erfüllt, satt ist er auch. Einem geruhsamen Schlaf steht also nichts mehr im Weg. Los geht's!

Ich gehe unsere Straße entlang, um zu einem kleinen Schotterweg mitten in der Siedlung zu gelangen. Er führt an einem kleinen Bach entlang, der Jahr und Tag beruhigend vor sich hinplätschert. Die hektischen Stadtgeräusche dringen kaum ans Ohr. Ein optimaler Weg für die Einschlafphase: holpriger Weg + monotones, natürliches Geräusch. Es ist geradezu idyllisch... noch idyllischer ist es, die immer kleiner werdenden Augen von Zwergnase zu betrachten und festzustellen, wie er in einen engelsgleichen Schlaf hinübergleitet. Ein schlafendes Kind lässt Mamis Herz immer höher schlagen.

Leider ist meine Idylle nur wenige Hundert Meter lang. Daher geht es weiter Richtung Stadtpark, wo ebenfalls ein kleines Bächlein fließt und es einfach etwas ruhiger ist. Aber nichts ist umsonst. Um in den Park zu gelangen, müssen wir eine kurze Strecke an einer stark befahrenen Straße entlang. Meist ist aber auch das kein Problem. Wenn Zwergnase gerade eingeschlafen ist und nicht gerade ein Krankenwagen vorbei braust oder ein Auto hupt, kommen wir in der Regel ohne Aufwachen im Stadtpark an. Auch gestern läuft alles wie am Schnürchen. Als ich in den Park einbiege, nehme ich auf Zwergnases Gesicht nichts anderes als tiefe Entspannung wahr. Perfekt!

Am Ende des Stadtparks mache ich plötzlich ein Störquelle aus. Leider werde ich sie nicht verhindern können, ich kann nur das Beste hoffen. Vor mir ist eine kleine Familie unterwegs. Die Mutter wagelt einen Buggy, zwei ältere Kinder laufen nebenher, toben herum, machen Quatsch und sind halt etwas lauter (wie es Kinder in dem Alter ja auch sein dürfen!). Dieser Umstand kommt mir zwar nicht gerade gelegen, aber ich finde es dennoch schön, dass es sich um Kinder handelt, die draußen auch noch gut spielen können. Mein Blick geht zwischen Kindern und Zwergnase hin und her. Ich analysiere die Lage. Es sieht eigentlich nicht schlecht aus. Trotz deren Gekreische zeigt er keine Regung. Ach, heute ist einfach der perfekte Wageltag.

Als ich wieder aufschaue, laufen die Kinder quietschend vor Freude über die Wiese zum Bach. Mein Blick eilt ihrem Weg voraus und ich sehe den Grund der Aufregung. Direkt am Bach spielt eine Hundesitterin mit fünf oder sechs Hunden verschiedener Rasse und Größe. Ich denke mir noch, dass ich mit Zwergnase nun freie Bahn hätte, als die Verkettung unglücklicher Umstände plötzlich ganz schnell geht. Kinder quietschen, Hunde erblicken Kinder, Hunde stürmen auf die Kinder zu, Kinder schreien, Kinder laufen davon, Hunde bellend hinterher, Hundesittern schreit ebenfalls, Mutter schreit, Hunde bellen, Kinder schreien... und Zwergnase macht die Augen auf. Elendige, unangeleinte Drecksköter, verdammte! Ich kann es nicht beschönigen. Genau das habe ich mir nämlich gedacht. (Ja, liebe Hundefreunde, mir ist bewusst, dass sich die Kinder falsch verhalten haben.)

Ich schlucke meinen Ärger hinunter, denn er hilft mir auch nicht weiter. Ich wagele schnell über den holprigen Weg davon und hoffe, dass sich Zwergnase nur kurz erschreckt hat und wieder weiterschläft. Die Chancen stehen gut. Tatsächlich werden seine Augen wieder kleiner und er schließt sie ganz. Glück gehabt!, wollte ich schon fast denken, als ein Düsenjet mit einem ohrenbetäubenden Knall die Schallmauer durchbricht. Danke, Frau von der Leyen! Ich hoffe, die Kinder in den Kitas der Bundeswehr haben einen ruhigen Schlaf... Bei uns war es dann auf alle Fälle nichts mehr mit Schlafen...

Bildnachweis: FreeImages.com / Jesper Markward Olsen

Samstag, 6. Dezember 2014

Freispruch für den Trockner

Bildquelle: http://www.heycon.de/Trockner1.jpg
Ich habe einen Trockner und ich liebe ihn. Besonders in der kalten Jahreszeit, wenn die Wäsche auf dem Ständer ewig bräuchte, bis sie trocken ist. Brezen, Plätzchen, Mittagsbrei, Sabber und andere kleine Malheure sind der natürliche Feind der Kleidung - sowohl der des Kindes als auch der eigenen. Alle paar Tage wird also die Waschmaschine angeworfen (die sich auch hervorragend dazu eignet, den Spross zu beschäftigen), anschließend wird die volle Ladung in den Trockner geworfen, damit noch am selben Tag der Kleiderschrank wieder aufgefüllt werden kann.

So manch gestandene Hausfrau würde wohl einen Schreikrampf kriegen, was bei mir alles im Trockner landet. Nämlich alles. Nur bei den wenigsten Teilen studiere ich zuvor das eingenähte Etikett. Der Kollateralschaden hält sich in Grenzen. Bisher musste ich nur einen Pullover zu Grabe tragen, dessen Wollanteil wohl doch etwas größer war, als ich angenommen hatte. Da ich weder über die Figur noch über die Kältetoleranz verfüge, einen Wollpulli bauchfrei zu tragen, wurde er eben entsorgt. Er hat sowieso unerträglich gekratzt. Vielleicht war es auch ein mehr oder weniger geplanter Anschlag am Pulli...

Auch Zwergnases Kleidung landet im Trockner. Schließlich müssen die Sachen möglichst schnell wieder verfügbar sein. Ich könnte mich zwar auch mit dem Föhn vor den Wäscheständer stellen, aber energetisch betrachtet, kommt wohl der Trockner günstiger. Ich wasche, trockne und bügle. Ich stecke Zwergnase in die Badewanne, wasche und trockne ihn (allerdings per Hand) und lasse das Bügeln weg. Zwergnase ist von Natur aus faltenfrei. Und obwohl Zwergnase und seine Wäsche im hygienischen Bereich die gleiche Behandlung erfahren, verhalten sich beide ganz und gar gegensätzlich zueinander. Die Wäsche scheint mit jedem Trockenvorgang immer kleiner zu werden, während Zwergnase wie durch ein Wunder mit jedem Waschvorgang zu wachsen scheint (dabei dachte ich immer, dass man nur Pflanzen gießen muss. - Ja, Mama, mach ich gleich!).

Obwohl wir doch eben erst die Größe gewechselt haben, geht es schon wieder los auf der Wickelkommode. Wir ziehen und zerren am Body, damit man die Knöpfe unten zubekommt. Ab einem gewissen Stadium sollte man auch fünf Minuten warten, ob sie wieder aufspringen. Den Oberteilen scheint die Behandlung im Trockner auch nicht so gut zu bekommen. Haben sie doch letzte Woche noch so schön gepasst und nun werden sie an den Schultern eng und irgendwie sieht man immer den Body, auch wenn man sie ganz nach unten zieht. Die Jogginghose war doch eigentlich auch eine bis zu den Knöcheln und keine 7/8-Hose?! Vielleicht sollte ich Zwergnases Kleidung doch separat auf dem Wäscheständer lufttrocknen lassen. Ein frommer Vorsatz, den ich meist genau einmal einhalte. Dann ist wieder keine Kleidung im Schrank und der Trockner öffnet bereitwillig seine Arme.

Mindestens einmal die Woche wird Zwergnase aber schick gemacht, weil wir einen Ausflug machen. Dabei wir der Stapel "Vorzeige-Kleidung" geplündert. Diese Teile haben gut lachen, sie werden nämlich sehr viel seltener mit Waschmaschine und Trockner malträtiert. Einige Teile haben sogar beides noch nie gesehen, weil sie noch nie getragen wurden. So einen Pulli zog ich vor zwei Wochen aus dem Schrank. Hm, der wird wohl etwas klein ausfallen, hab ich mir gedacht, als ich Zwergnases Arme mit Müh und Not in die Ärmel fädelte und sich der Pulli an den Schultern nicht so recht anlegen wollte. Schließlich musste der glückliche ja noch keine meiner Radikal-Kuren ertragen. Diese Woche erging es mir dann ähnlich. Es ist aber auch zum Haare raufen, dass ich beim Kleiderkauf immer die Teile erwische, die etwas knapp ausfallen. Ich habe mich schon über mich selbst geärgert, als mein Mann auf die glorreiche Idee kam, den Meterstab auszuklappen.

Tatsächlich ist Zwergnase in den letzten drei Monaten (ja, ist wohl mit dem Größenwechsel doch schon etwas länger her) gewachsen. Sachen gibt's... Ich habe mich daraufhin sofort bei meinem Trockner entschuldigt.

Freitag, 5. Dezember 2014

Der kleine Werwolf

Bildquelle: eigene
Alle vier Wochen wird unser Haus von einem alten Fluch heimgesucht. Über seinen Ursprung lässt sich nur rätseln, man wird in das Reich der Legenden, Sagen und Mythen entführt. Wo kommt er her? Wie kann man sich dagegen wehren? Es gibt verschiedene Ansätze über Herkunft und Erscheinungsbild, welchem davon man glauben schenken mag, sei jedem selbst überlassen. Den meisten ist jedoch die Macht des Mondes über die Betroffenen gemeinsam. Zu Vollmond treten die Folgen des Fluchs unweigerlich an die Oberfläche und lassen sich nicht unterdrücken, wie es in den restlichen Mondphasen meist kein Problem ist. Aber einige Tage um den Vollmond geht es ans Überleben. Wenn er hoch am Himmel steht, wird er von Geheul begleitet, das durch Mark und Bein geht. Die Betroffenen treiben die ganze Nacht um, so dass einem Angst und Bange wird.

Die Rede ist von Werwölfen, die ihre Natur einfach nicht verleugnen können. Aber die Zeiten, in denen man dabei an bestialische Monster dachte, sind längst vorbei. Ich habe selbst einen kleinen Werwolf zuhause und muss sagen, dass er recht niedlich daher kommt (er ist allerdings auch noch nicht ausgewachsen). Mit seinen blauen Augen und dem kleinen Wuschelkopf meint man, dass er kein Wässerchen trüben könne. Er ist meist gut gelaunt und für jeden Scherz zu haben. Er verfügt über ein ausgezeichnetes Gehör und äußerst wache Augen, sodass ihm keine Kleinigkeit entgeht. Mutig erkundet er sein Revier, lässt vor lauter Neugier keinen Stein auf dem anderen. Kurz: Er entwickelt sich prächtig und ist in der Regel ein Sonnenscheinchen...

... bis der Vollmond naht. Tagsüber merkt man ihm seine Natur eigentlich nicht an. Aber wenn der Vollmond hell am Himmel steht, macht er die Nacht zum Tage. Etwa um Mitternacht beginnt die Transformation, die von Gestöhne und Gequengele eingeleitet wird. Nimmt man den kleinen Werwolf nicht zu sich ins Bett, beginnt er herzzerreißend den Mond anzuheulen. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob dieser das kleine Bettchen direkt anleuchtet, hinter Wolken versteckt ist oder von handelsüblichen Rollläden ausgesperrt wird. Der Mond ist da und das spürt der kleine Werwolf einfach. An Schlaf ist nicht zu denken. Die Verfluchten schlagen ihre herausschießenden Zähne wahllos in alles, was sie finden können, raufen einem die Haare und springen auf dir herum, als gäbe es kein Morgen mehr. Wenn du am nächsten Tag erwachst, so freue dich, dass du überlebt hast!

Nach zehn Monaten besteht kein Zweifel mehr daran, dass Zwergnase ein Werwolf ist. Die Frage ist nun, wie konnte das passieren? Bei einer Mutter, die doch eigentlich den Vampiren zugetan ist? Eins ist klar: Von mir hat er das nicht!

Donnerstag, 6. November 2014

Mami allein zuhaus

Ich war diese Woche vorübergehend allein erziehend, weil mein über alles geliebter Göttergatte beruflich drei Tage weg musste. Nun war mir tatsächlich etwas mulmig (die nächsten vier Zähne scheinen auf einen Schlag zu kommen), wenngleich ich mich natürlich auch dafür geschämt habe. Schließlich sind viele immer allein, viele haben auch gar keine Unterstützung von den eigenen Eltern.

Wie dem auch sei, ich habe mich dennoch auf 7 Uhr abends gefreut. Zu der Zeit geht Zwergnase momentan üblicherweise ins Bett. Ich habe mir ausgemalt, wie ich ihn friedlich ins Bett bringe, mir ein Glas Rotwein einschenke und mir mal wieder eine schöne, heiße Badewanne gönne und dann lese. Ich habe Luftschlösser gebaut, deren Architekten erst noch geboren werden müssen, so monströs waren diese ausgestattet.
Grund zur Hoffnung gab auch, dass Zwergnase inzwischen wieder die meisten Nächte durchschläft (einfach so, ohne unser Zutun). Ich werde nach den drei Tagen also noch ein Mensch und kein Zombie sein. Um den engelsgleichen Schlaf meines Sprösslings zu unterstützen, habe ich Vorkehrungen getroffen. Die Fenster wurden geschlossen, um den lauten Berufsverkehr, der ihn auch gerne mal um fünf Uhr morgens weckt, fernzuhalten. Sogar die Jalousien habe ich herunter gelassen, um erstens die Geräusche weiter zu dämmen und zweitens den Vollmond auszusperren, der ihn sonst mitten in der Nacht direkt anleuchtet (Warum mein Kind ein Vampir oder Werwolf sein muss, folgt zu einem späteren Zeitpunkt) und ihn in aller Regel weckt. Ich unternahm alles Menschenmögliche für Zwergnases Schlaf. Es ging schließlich ums nackte Überleben!

Nun kommt es ja bekanntlich erstens anders, zweitens als man denkt. Mein Sohnemann ist mit seinen neun Monaten ein famoser Abrissingenieur. Das gilt einerseits für seinen Stapelbecherturm, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt. Bis zum letzten Becher mäht er mit einer diabolischen Freude alles um. Naja, so sehr ich Zielstrebigkeit schätze, so hat es mich doch enttäuscht, dass er auch mit meinen Luftschlössern nicht gerade zimperlich umgesprungen ist. Badewanne? Rotwein? Lesen? Kannst du knicken. Zwergnase hat wohl instinktiv gespürt, dass Papi nicht da und Mama alleine ist. Deshalb hat er kurzerhand beschlossen, noch ein spätes Nachmittagsschläfchen einzulegen, um Mama so lange wie möglich am Abend Gesellschaft leisten zu können. Der Gute. So selbstlos. Er ist ein wahrer Engel.

Gegen 21 Uhr wurde seiner selbstlosen Aufopferung jedoch ein jähes Ende gesetzt. Der Sandmann schlug heimtückisch zu und knockte ihn einfach aus! Unverschämtheit. Die arme, arme Mama musste nun alleine die Beine auf der Couch hochlegen. Aber hey! Wenn Zwergnase erst so spät ins Bett geht, schläft er am nächsten Tag dafür länger. Angesichts meiner Vorkehrungen mindestens bis sieben, vielleicht sogar bis halb acht! (Ich baue Luftschlösser schneller, als die GDL Streiks aneinanderreiht)
Bereits um 22 Uhr stahl ich mich ins Schlafzimmer. Gaaaanz leise, damit Zwergnase ja nicht unruhig würde. Im Finstern tapste ich so leise wie möglich in mein Bett, die Zudecke war schon aufgeschlagen, die Kissen präpariert, sodass ich so wenig Geräusche wie möglich verursachen würde. Danny und Rusty aus Ocean's 11 wären stolz auf meine Planung unter Einbeziehung aller Eventualitäten gewesen. Operation "Zwergnase schläft morgen aus" lief bestens. Er machte keinen Muckser, als ich ins Bett kroch. Auch die Nacht war äußerst entspannt. Er schlief einen engelsgleichen Schlaf. Ich konnte nun endlich das Sprichwort "Schlafen wie ein Baby" verstehen. Ich sank selbst in einen tiefen und erholsamen Schlaf...

... der genau um 6.15 Uhr endete. Es war, als würde eine Feuerwehrsirene direkt im Schlafzimmer losgehen. Es war dank der Jalousien stockdunkel und tatsächlich hörte man den Berufsverkehr nur dumpf wie ein weit entferntes Rauschen, das es einem nur noch molliger im Bett machte. Aber dieser Alarm? Wo kam er her? Was wollte er? Ich schreckte hoch und versuchte die Richtung auszumachen, aus der dieses nervtötende Geräusch kam. Ein Wecker. Ein Wecker? Nicht mein Wecker! Der meines Mannes. Er hatte ihn am Tag zuvor nicht ganz ausgeschaltet, bevor er aufstand. Wo zum Teufel steht dieser beschissene Wecker, Zwergnase wird noch wach werden! Zu spät. Ich hörte ihn schon. Da half mir meine Hechtrolle über das Bett zum Nachttisch meines Mannes auch nichts mehr. Abgesehen davon fand ich im Dunkeln die Aus-Taste nicht. Ich unternahm einen letzten verzweifelten Versuch, packte das Teufelsding und flüchtete damit in die Küche, um ihm den Garaus zu machen - während Zwergnase schrie, weil ich den Raum verlassen hatte. Ich bemühte mich um Schadensbegrenzung, eilte mit einer Flasche zurück ins Schlafzimmer, kuschelte mein erschrecktes Kind an mich und hoffte, es würde noch einmal einschlafen. Um 6.30 Uhr war klar, dass ein einziger kleiner Knopf ein ganzes Luftschloss sprengen konnte. Danny und Rusty wandten sich mit einem verächtlichen Blick von mir ab. Wie konnte ich nur vergessen, die Wecker zu überprüfen?! Anfängerfehler!

Bildnachweis: FreeImages.com / Ryan Gageler

Samstag, 13. September 2014

Der Fallschirmsprung

Als die beiden Kuverts an zwei bunten Spielzeugfallschirmen auf den Brauttisch segelten, stand ich eindeutig auf dem Schlauch. Erst als meine Mutter neben mir mich fragte, ob ich schon verstanden hätte, dass es sich bei dem Geschenk um einen Tandem-Fallschirmsprung handelt, machte es klick. Meinen Gesichtsausdruck damals kann ich mir nur allzugut vorstellen. Obwohl ich den ganzen Tag nur gelacht hatte, musste mir nun das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben sein. Ein F-a-l-l-s-c-h-i-r-m-s-p-r-u-n-g ?! Mit einem kleinen Flugzeug nach oben und sich mit nichts als ein bisschen Stoff in die Tiefe stürzen? Ich bin kein Adrenalinjunkie. Ich mag es sicher. Selbst im Vergnügungspark muss ich mich langsam an die großen Achterbahnen herantasten und steige dann meist in die neuesten und wildesten nicht ein. Ich bin ein Hasenfuß. Beim Anblick der Kuverts wird mir flau im Magen. Allerdings muss man sagen, dass das zumindest ein außergewöhnliches Geschenk zur Hochzeit war und ich würde einen Teufel tun und mich drücken. Dazu bin ich zu stolz.

Die "Ich stürze mich freiwillig in den Tod"-Aktion war für den 9.9.2012 geplant. Was soll's, dachte ich mir, am 21.12. würde die Welt ja sowieso untergehen... Mein Mann und ich mussten ja auch nicht alleine springen. Meine Tante, mein Onkel, mein Cousin und meine Kusine würden sich ebenso todesmutig aus dem Flieger werfen. Das machte es etwas erträglicher. Schon am Abend vorher war ich nervös. Wir waren noch auf dem 50. Geburtstag des Onkels meines Mannes eingeladen. Beim Essen hatte ich keinen rechten Appetit, so aufgeregt war ich schon. Am liebsten hätte ich mir die Kante gegeben, aber sich am Tag vorher zu alkoholisieren schien mir nun nicht die beste Idee. Der Cousin meines Mannes versuchte mich zu beruhigen. Er sei auch schon mal mit dem Fallschirm gesprungen und dass es wirklich toll sei. Es würde uns sicher gefallen. Meine Zweifel konnte er nicht zerstreuen. Er hatte ja keine Ahnung, dass mein innerer Angsthase ein ausgewachsenes Vorzeigeexemplar ist.

In dieser Nacht schlief ich erdenklich schlecht. Ich wälzte mich von einer Seite auf die andere und stand sogar auf, um eine zu rauchen. Ich würde den morgigen Tag nicht überleben! Davon war ich felsenfest überzeugt. Mir würde sicher schlecht werden, beim freien Fall würde es mir den Magen wie in der Achterbahn nach oben drücken. Ich hasse dieses Gefühl. Für mich ist das kein Spaß, sondern Überwindung. Ich bin nach Achterbahnfahrten auch nicht euphorisch, sondern nur froh, wenn sie vorbei sind. Unmengen an Kaffee und Zigaretten am Vormittag lösten mein Problem sicher nicht, aber ich bildete mir ein, dass es mich beruhigt. Was natürlich Quatsch war. Ich war ein wandelndes Nervenbündel. Mittag waren wir schon mit den anderen Todesmutigen zum Essen verabredet. Am Telefon wurde meiner Tante gesagt, man solle vorher gut gegessen haben. Man brauche sich keine Sorgen machen, dass man sich übergeben müsse. Wahrscheinlich war das Essen auch für den Kreislauf notwendig. Keine Ahnung, aber wenn es einem geraten wird, sollte man sich wohl besser daran halten. Wir saßen im Biergarten des örtlichen Griechen, aber für die Idylle des an sich wirklich gemütlichen Platzes hatte ich an diesem Tag kein Auge übrig. Jeder Muskelfaser meines Körpers war zum Zerreißen angespannt. Ich brauchte gar nicht zugeben, wieviel Angst ich hatte. Man sah es mir sowieso an. Aber die Erklärung meiner Verwandten, dass ich sicher Nein gesagt hätte, hätten sie vorher gefragt, war plausibel. Natürlich hätte ich Nein gesagt. Alles in mir schrie danach, mich irgendwo in einem Erdloch zu verkriechen und zu verstecken! Nein, nein, das war schon richtig so, dass sie mir davon nichts gesagt hatten.

Auf dem Weg zum Sportflugplatz verkroch ich mich in meinem Sitz. Wir würden ja zusätzliches Publikum haben. Meine Großeltern würden zuschauen, meine Eltern und auch ein paar Freunde von uns. Als wir ankamen, war das kleine Sportflugzeug gerade in der Luft. Gebannt starrten wir alle nach oben. Aber es war gar nicht so leicht, den Flieger im wolkenlosen Himmel auszumachen und im Auge zu behalten. Meist hörte man ihn erst, bevor man ihn sah und wenn man den Kopf drehte, um ihn jemand anders zu zeigen, hatte man ihn schon wieder verloren. Auf einmal löste sich ein Punkt vom Flieger. Jetzt war einer gesprungen! Oh Gott! Nicht mehr lange und ich würde das Häufchen Elend sein. Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis sich der Schirm öffnete.

Bei der Instruktion der Tandemmaster hörte ich aufmerksam zu. Meine Zuschauer lachen noch heute über mein ernstes Gesicht. Wie muss man den Kopf beim Ausstieg halten, wie die Arme? Ich wollte doch nichts falsch machen! Im Nachhinein muss ich schon sagen, dass mein Leben wohl nicht davon abhing, aber in diesem Moment kam es mir durchaus so vor. Der Pilot lag bei der ganzen Prozedur im Gras und machte den Anschein, als schliefe er. Seltsamer Vogel. Aber wenn man das kleine Flugzeug betrachtete, brauchte man wohl auch diese Ruhe. Die alte Klapperkiste machte alles andere als einen vertrauenerweckenden Eindruck und als die Tandemmaster dann noch erwähnten, dass es in der nächsten Saison einen neuen Flieger gäbe, beruhigte mich das keineswegs. Da war ich um den Fallschirm doch glatt wieder froh!

Beim Aufstieg versuchte mich mein Tandemspringer so gut es ging zu beruhigen. Er sagte mir, in welche Richtung wir nun fliegen, zeigte mir immer wieder den Höhenmesser und ließ mich die Aussicht bewundern. Diese war der Hammer! Es war so ein klarer Tag, dass man sogar die Alpen sehen konnte. Dabei waren wir gerade mal in Dingolfing! Ziemlich rasch wurde alles immer kleiner und kleiner und wir stiegen höher und höher. Meine Aufregung legte sich jedoch mit jedem Höhenmeter. Trotz des Röhrens der Maschine war es auf eine seltsame Art und Weise ruhig und friedlich hier oben in der Luft. Das geschäftige Treiben am Boden war weit weg. Man sah die Autos auf der A92, aber man hörte sie nicht. Wie Ameisen liefen sie ihre Straße entlang. Plötzlich machte sich jedoch Unruhe breit. Mein Mann wurde bei seinem Tandemspringer eingehakt und die Seitenklappe - die im Übrigen nur mit einem Expander notdürftig zugehalten wurde - schnappte auf. Ich sah wieder ängstlich zu, wie die beiden sich bei circa 3000 Metern Höhe in Position brachten. Die Beine meines Mannes baumelten frei in der Luft. Und als ich einmal zwinkerte, war er weg. Einfach weg. Wo die beiden eben noch gesessen waren, war nichts. Nur gähnende Leere und eine offene Luke! Mein Gehirn konnte diese Information einfach nicht verarbeiten. Wo war er hin? Mein frisch angetrauter Ehegatte? Ich selbst musste derweil auf den Schoß des Profi-Springers klettern, was mir unangenehm war. Soviel Nähe zu einem mir völlig Unbekannten... Aber es war nötig, damit die beiden Springgurte miteinander verhakt werden konnten. Ungelenk robbten wir zum Ausstieg und ich hing wie frei in der Luft. Ich sah nach unten und erwartete eigentlich, dass mir schwindlig oder schlecht werden würde. Aber nichts dergleichen geschah. Die Felder unter uns waren so weit weg, dass auch die Vorstellung, dass man ungebremst auf harten Boden knallen könnte, unwirklich wirkte. Aber lange konnte ich meinen Gedanken ohnehin nicht nachhängen. Plötzlich wurde mein Kopf nach hinten gedrückt und wir kippten in einem Salto nach vorne zur Tür hinaus. Einfach so, ohne Vorwarnung. Naja, ich hätte mich auch nicht vorgewarnt, nicht, dass ich mich noch im Türrahmen eingespreizt hätte. Und dann? Dann flog ich da so im freien Fall dahin. Mein Kopf war einfach nur leer und frei. Irgendwann in diesen knappen 40 Sekunden klopfte mir der Tandemmaster nur auf die Schulter, dass ich die Arme ausstrecken sollte, was ich ohne Überlegung einfach machte. Es war... unbeschreiblich. Ich hätte in dieser Position auf den Boden aufschlagen können, ich wäre glücklich gestorben. Ich hatte kein flaues Gefühl im Magen, mir war nicht schlecht, ich war einfach nur glücklich und von allem frei. Alle Alltagssorgen blieben hinter mir zurück, als wären diese im Flieger geblieben. Weiter unten sah ich, wie sich ein Fallschirm öffnete. Und kurz darauf spürte ich auch einen Ruck und der Fall wurde abgebremst. Wir gleiteten ruhig durch die Luft und ich konnte die Aussicht bewundern. Der Tandemmaster ließ mich den Fallschirm kurz lenken, was gar nicht so einfach war. Man brauchte ordentlich Kraft, um an den Gurten zu ziehen! Ich sollte die Beine probeweise nach oben nehmen, um für die Landung zu üben. Nach etwa 15 Minuten landeten wir auf der Wiese, von der aus wir gestartet waren. Punktgenau. Wie jeder vor und jeder nach uns. Ich war euphorisch. So sehr ich zuvor Angst gehabt hatte, ich wäre am liebsten sofort wieder in den Flieger eingestiegen. Ich kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus - was die übrigen Springer sehr beruhigte. Denn wenn ich Hasenfuß sofort nochmal springen würde, konnte die ganze Sache nicht so schlimm sein.

Was bleibt mir nach den zwei Jahren, die seit dieser Erfahrung vergangen sind? Erstens Stolz, mich nicht gedrückt zu haben und etwas getan zu haben, dass die meisten ihr ganzes Leben nicht tun werden. Zweitens hätte ich gerne auch so eine coole Brille wie der Tandemspringer getragen und nicht dieses modisch fragwürdige Plastikteil, das die ganzen Fotos versaut und drittens der Dank an Waltraud, Christian, Christopher und Tamara, dass sie uns den Sprung ermöglicht haben. Danke!

Dienstag, 9. September 2014

Der 16. Geburtstag

"Nathalie?" Nathalies Mutter spähte zunächst durch den Türspalt in ihr Zimmer, bevor sie ganz eintrat. "Deine Freundinnen sind da. Hübsch siehst du aus!" Das wollte Nathalie auch meinen. Sie trug ein fast knielanges, hautenges rotes Kleid mit beachtlichem Ausschnitt, den sie natürlich mit entsprechenden Dessous besonders betonte. Ihre schokobraunen Locken hatte sie zu einer Steckfrisur hochgenommen und am Hinterkopf fiel ihr die Mähne in einem schwingenden, leichten Zopf wellig bis auf die Schultern. Das Make-Up hatte sie schon seit Wochen mithilfe eine You-Tube-Tutorials immer wieder geübt. Die Mühe hatte sich gelohnt. Sie war geschminkt wie die Stars, die Nathalie aus dem Fernsehen kannte. Das Oberlid trug einen zu ihren Haaren passenden Braunton und lief nach oben hin immer heller aus. Die Lippen waren knallrot - abgestimmt auf das Kleid, das sie im Übrigen noch mit Sicherheitsnadeln etwas kürzen würde, sobald sie aus dem Haus sein würden. Sie wollte ihre langen Beine so gut wie möglich in Szene setzen für diesen Abend. Ihre neuen High Heels standen schon unten an der Treppe bereit. Sie überlegte, ob sie noch schnell ein Selfie auf Facebook einstellen sollte, bevor sie ihre Gäste begrüßte. Auch das hatte sie geübt. Vor dem Spiegel positioniert, Brust raus, Bauch rein, ihre großen Rehaugen weit aufgerissen und zack... fertig.
Als Nathalie die Treppe hinunterging, sangen ihr ihre Freundinnen ein Geburtstagslied. Sie blieb auf dem Treppenabsatz stehen und ließ den Blick über ihre vier Freundinnen schweifen. Laura, Steffi und Jana waren ähnlich wie sie gekleidet. Sie trugen ebenfalls knappe Kleidchen, High Heels und Hochsteckfrisuren. Nur Chrissi war für Nathalies Geschmack etwas zu langweilig. Chrissi trug eine stinknormale schwarze Hose und ein silber glänzendes Tanktop, das mit Pailletten besetzt war. Ihre blonden langen Haare hatte sie recht lieblos zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden und das Make-Up war - naja - 08/15. Bei Weitem nicht so aufwändig wie ihr eigenes. Nathalie hatte Chrissi eigentlich nur auf das Drängen ihrer Mutter eingeladen. Sie würden sich schließlich schon aus dem Kindergarten kennen und Chrissi sei doch so ein freundliches Mädchen. Um den ausnahmsweise aufgehobenen Zapfenstreich nicht zu riskieren, hatte Nathalie Chrissi schließlich zu ihrem 16. Geburtstag eingeladen. Wenn Chrissi nicht wusste, wie man sich richtig aufdonnert und aus ihrem kleinen Kreis herausstechen würde, so war das schließlich nicht Nathalies Schuld. Außerdem würde sie neben der vermeintlich grauen Maus umso mehr erstrahlen. Eigentlich war ein Mauerblümchen in ihrer Gruppe ja gar nicht so verkehrt, dachte Nathalie selbstgefällig bei sich und war durchaus zufrieden mit ihrer Begleitung. Als Jana ihr ein Diadem in die Frisur fummelte und verkündete, dass Nathalie heute die Königin der Nacht sei, strahlte sie von einem Ohr zum anderen. Nathalie liebte es, im Mittelpunkt zu stehen und das würde ihr Abend werden.
Nachdem die Mädchen mit Sekt und Hugo im Esszimmer etwas gefeiert hatten, brachte sie Nathalies Mutter zu der Diskothek im nächsten Ort. Bevor sie jedoch aus dem Auto aussteigen durfte, musste die Truppe jedoch noch ein paar ermahnende Worte von Frau Hafner über sich ergehen lassen: "Also, Mädchen. Wenn ihr nach Hause wollt, ruft ihr bei uns an. Amüsiert euch, aber denkt daran: Schnaps ist tabu! Es kostet uns genug Überwindung, dass ihr heute länger als bis Mitternacht ausgehen dürft. Missbraucht das Vertrauen nicht! Aber genug ernste Worte. Habt Spaß und bleibt brav!" Als Frau Hafner um die Ecke bog, kam erst richtig Leben in die Mädchen. Laura zauberte eine kleine Überraschung aus ihrer großen Handtasche. "So, auf unsere Freiheit erst einmal einen Schnaps!" rief sie aus und reichte eine kleine Packung Klopfer in die Runde. Nur Chrissi zog die Augenbrauen hoch und wollte schon zum Widerspruch ansetzen, aber ein böser Blick von Nathalie ließ sie ihren aufgeklappten Mund wieder zuschnappen. Sie wendete sich jedoch demonstrativ ab und verzichtete. "Kein Problem", kommentierte Laura das Spaßbremsengehabe schnippisch, "bleibt mehr für uns!" Nach dem dritten Schnaps war die Schachtel leer und die Gruppe begab sich zur Kasse des Blue Chips. Da Lady's Night war, interessierte das Alter der fünf Schönheiten keinen Türsteher. Die größte Hürde des Abends war also genommen. Die Mädchen suchten sich einen freien Stehtisch direkt an der Tanzfläche und bestellten sich nochmals Sekt. Sie tanzten, tratschten und tranken und tranken, tratschten und tanzten. "Na, was gibt es denn zu feiern?", raunte Nathalie plötzlich ein gut aussehender Mann ins Ohr. Etwas erschreckt drehte Nathalie sich um, blickte in zwei eisblaue Augen, nahm ein verschmitztes Grübchenlächeln wahr und braune, gestylte Wuschelhaare, in die sie am liebsten sofort hinein gegriffen hätte. Aber Nathalie wäre nicht Nathalie, wenn sie nicht sofort zu ihrer Coolness zurückgefunden hätte. Sie schenkte ihm ihr strahlendes Zahnpastawerbelächeln und verkündete eine Spur zu stolz: "Meinen 16. Geburtstag!" Sein Grinsen wurde breiter und er bestellte zur Feier des Tages eine Runde Tequila, den alle bis auf Chrissi sofort hinunterkippten. Diese stand inzwischen etwas abseits mit einem Glas Wasser und beobachtete nur. Nathalie hingegen vergaß ihre Freundinnen nahezu. Sie war inzwischen etwas beschwipst und ihre Augen leuchteten bei jedem Kompliment ein bisschen mehr. Sie genoss seine Aufmerksamkeit. Ihre Eltern hätten das Leuchten der Sterne geklaut und es ihr in die Augen gelegt, hatte er gesagt. Wie romantisch! Gebannt hing Nathalie an seinen Lippen und bemerkte es kaum, dass er ihr immer näher kam, ihr mit immer neuen Tequila zuprostete und ihren Hals plötzlich mit zärtlichen Küssen bedeckte. Nathalie spähte an seinem Kopf vorbei und versicherte sich bei ihren Freundinnen, welchen grandiosen Fang sie da gemacht hatte. Sie würden platzen vor Neid! Sie legte den Kopf zurück und genoss sein Treiben geradezu willenlos. Nur widerwillig löste sie sich von ihm und torkelte zu den Toiletten. Huch, dass so kleine Tequilas so eine Wirkung haben?! Es war gerade einmal elf Uhr und sie konnte es nicht leugnen, sie war sturzbetrunken. Aber diese Augen! Wer konnte ihnen denn immer weitere Runden Schnaps abschlagen? Außerdem schonte der großzügige Fremde eindeutig ihr Taschengeld.
Als Nathalie aus der Toilettenkabine trat, wäre sie beinahe gegen Chrissi gestoßen, die auf sie gewartet hatte und sie anherrschte: "Was denkst du dir eigentlich dabei? Der Typ ist mindestens doppelt so alt wie du! Außerdem bist du rotzbesoffen!" - "Dasch geeeeehhtt dich üüberhaupt nichts an, du - du - du langweiliches Spaschbremse! Du bischt doch nur neidisch, dass du gaaaar keinen abkrügst!", konnte Nathalie inzwischen nur noch lallen, schubste Chrissi ungelenk zur Seite und stelzte unbeholfen  zurück an ihren Tisch, wo er ganz alleine auf sie wartete. Irgendwo in einer ihrer hintersten Gehirnwindungen fragte sich Nathalie durchaus, wo ihre Freundinnen abgeblieben waren, aber im Grunde war es ihr egal. Konnte sie morgen umso mehr erzählen. So etwas hatten die anderen sicher noch nie erlebt. Sie würden an ihren Lippen kleben und jedes Wort in sich aufsaugen. Wer weiß, wo sie der Abend noch hinführen würde und was sie noch erzählen würde können! "Oh je! Ich glaube, der letzte Tequila war einer zuviel für meine Prinzessin der Nacht. Komm, wir gehen etwas an die frische Luft, das wird dir gut tun!" Er nahm Nathalie an der Hüfte und schob sie zum Ausgang.
Die kühle Nachtluft zog Nathalie endgültig die Beine weg. Ihre Glieder wurden schwer und sie konnte die Augen kaum offen halten. Es zu versuchen, lohnte sich ohnehin nicht. Sie sah alles nur noch unscharf und verschwommen. Er trug sie mehr, als dass er sie stütze und führte sie weg vom Trubel am Eingangsbereich hin zu einer Notausgangstreppe an der Rückseite des Gebäudes und setze Nathalie auf den Stufen ab. Diese vernachlässigte jede Etikette, setzte sich trotz Minikleides breitbeinig hin und legte den Kopf auf die Knie. Er nahm hinter ihr Platz und begann ihren Schulterbereich zu massieren und Nathalie stöhnte auf. Ihr brummte der Schädel. Langsam und unauffällig öffnete er den Reißverschluss ihres Kleides und schob die Träger nach unten. Seine Hände wanderten nach vorne, um Nathalies Busen zu kneten. "Nein..." brachte sie nur mühsam hervor. Das wollte sie sicher nicht. Zum Teufel! Sie kannte doch nicht einmal seinen Namen. Von dem Charmeur war nichts mehr übrig geblieben. Der Glanz in den blauen Augen war verschwunden und sie strahlten nur noch Kälte und Gewalt aus. Nathalie versuchte, ihn von sich zu schieben, aber ihr fehlte die Kraft und die Koordinationsfähigkeit. Ungestüm schob er ihr Kleid höher und fasste Nathalie zwischen die Beine. Sie schlug wild um sich, was ihn wenig beeindruckte. Mit einer Hand hielt er ihre Arme zusammen und bearbeitete sie weiter. "Zier dich nicht so!", schnauzte er Nathalie an, "glaubst du, für den ganzen Schnaps erwarte ich keine Gegenleistung?" Inzwischen war er auf sie geklettert und nestelte an seiner Hose herum. Nathalie verfluchte sich, dass sie den ganzen Alkohol getrunken hatte. Sie konnte sich in keiner Weise wehren. Sie fühlte Panik und Verzweiflung in sich aufsteigen. Tränen liefen ihr über das Gesicht und verwischten das perfekte Make-Up. Sie fragte sich, was er mit ihr machen würde, wenn er fertig war. Erwürgen? Bewusstlos schlagen? Hier hinten würde sie weder jemand hören noch suchen. Sie war diesem Monster völlig ausgeliefert!
Wie aus dem Nichts war sein Druck auf ihr verschwunden und Nathalie blinzelte gegen den Schein einer Taschenlampe. Dunkel nahm sie wahr, wie er auf dem Rücken lag und von einem der Türsteher festgehalten wurde. Benommen registrierte sie, wie ein anderer über sein Headset einen Krankenwagen organisierte und sie dazwischen immer wieder ansprach, ob alles in Ordnung sei. Nathalie konnte nur schlucken, aber nicht antworten. Das muss doch ein schlechter Traum gewesen sein. Gleich würde sie aufwachen. Sicher gleich... Chrissi schob sich mit einer Decke an dem Türsteher vorbei, legte sie Nathalie um und schloss diese fest in die Arme. Wie gut diese Umarmung tat! "Woher wusstest du...?" - "Na, ich konnte dich doch nicht diesem Kerl überlassen. Mir kam der von Anfang an seltsam vor. Also bin ich euch gefolgt." Betreten schaute Chrissi zu Boden. "Ich wäre viel schneller wieder da gewesen, aber ich musste diese zwei Gorillas ja erst einmal überzeugen, dass du in Gefahr bist." Nathalie schmiegte sich an sie und hauchte ein leises Danke in die Kühle der Nacht.

Bildnachweis: FreeImages.com / Ben Parer

Sonntag, 31. August 2014

Das Gewohnheitstier

Das Gewohnheitstier trägt dunkelbraunes, zotteliges Fell, ist von rundlicher Gestalt, hat eine dunkelrote Nase und die großen Glubschaugen mit müdem Blick werden von den Lidern stets halb verdeckt. Das Gewohnheitstier ist ein sehr ruhiger Zeitgenosse und bewegt sich wenig bis gar nicht. Das Gewohnheitstier hat es am liebsten so, wie es schon (gefühlt) immer war. Kleinste Veränderungen bewirken eine große Unruhe bis hin zur leichten Aggressivität. Dem kann nur durch die Rückkehr zum Ausgangspunkt oder einer langwierigen und schwierigen Konditionierung entgegengewirkt werden.

Ich besitze ein besonders ausgeprägtes Exemplar des Gewohnheitstiers. Es ist sehr anhänglich und lässt mich keine Minute allein. Deshalb hat es mich wohl letztens auch zum Einkaufen begleitet und mich fast in den Wahnsinn getrieben. Schon auf dem Parkplatz meiner Stamm-Netto-Filiale wurde es ungemütlich. Es entdeckte die auf dem Parkplatz stehenden Regale und wurde sogleich unruhig. Tatsächlich musste ich ihm mit Engelsgeduld erklären, dass die Filiale umgebaut wird, wir deshalb heute dort nicht einkaufen können, sondern woanders hinfahren müssen. Als ich ihm vorsichtig vorschlug, dass wir ja auch wieder einmal zu Aldi fahren könnten, riss es entsetzt die Augen auf und fing zu knurren an. Ich versteh es ja. Die Wurstauswahl bei Netto gefällt ihm einfach besser, zudem denkt das Gewohnheitstier auch an Zwergnase. Bei Aldi gibt es keine Babynahrung. Und wir hatten beide keine Lust, noch einen Zwischenstopp bei dm einzulegen. Also nicht zu Aldi, sondern zu der nächsten Netto-Filiale. Am Bahnhof. Das Gewohnheitstier kann diese Filiale nicht leiden.

Schon bei der Einfahrt in den Parkplatz der nächste nervöse Zustand. Wo werden wir parken? Wo ist es auf diesem Parkplatz am geschicktesten, sodass man schnell an einen Einkaufswagen kommt und ihn vor allem am Ende des Einkaufs wieder schnell zurückstellen kann? Wo steht hier überhaupt die blöde Einkaufswagengarage? Ich parke recht ungünstig, die Miene des Gewohnheitstiers verdüstert sich zusehends. Das Gewohnheitstier wird pampig, als wir den Laden betreten. Ihm fällt ein, dass die Netto-Filialen - anders als bei Aldi - nicht alle gleich aussehen und nicht alle gleich aufgebaut sind. Super. Man muss hier nicht im, sondern gegen den Uhrzeigersinn seine Runden drehen. Irgendwie ist alles spiegelverkehrt. Das Gewohnheitstier motzt herum: "Du wirst die Hälfte sowieso vergessen und dich ärgern! Lass uns erst nächste Woche wieder einkaufen, wenn unsere Filiale fertig ist!" - "Nein, Gewohnheitstier, wir brauchen aber jetzt etwas zu essen und nicht erst nächste Woche!" - "Ich will hier raus." - "Nein." - "Ich will aber!" - "Nein. Wir ziehen jetzt das durch. Stell dich nicht so an! Diskussion beendet!" - Knurren.

Am Kühlregal mit Joghurt, Quark usw etwas Entspannung. "Siehst du", sage ich, "wir finden unsere Sachen schon!" Das Gewohnheitstier zuckt nur verächtlich seine Schultern und murmelt irgendetwas davon, dass die Milch und die Kaffeesahne anders angeordnet sind. Kein Problem! Wir gelangen ans Wurstregal, das nur halb so lang ist wie wir es gewohnt sind. Ratlosigkeit macht sich breit. Haben die nur die Hälfte des Sortiments? Der Kopf des Gewohnheitstiers verfärbt sich bereits rot und es wirft mir vor, warum wir nicht zu Aldi und dm gefahren sind. Als hätte ich ihm das nicht vorgeschlagen! Aber Entwarnung. Um die Ecke finden wir die bekannten Verpackungen. Die Gesichtsfarbe des Gewohnheitstier entspannt sich, um sich sofort wieder zu verdüstern. Hier gibt es eine Metzgereitheke und kein abgepacktes Fleisch. Nun könnte man ja meinen, dass eine Metzgereitheke ja ohnehin besser sei als das Kühlregal mit dem vorbereiteten Fleischwaren. Aber weit gefehlt! Das Angebot an der Theke ist aber nicht so groß wie das des Kühlregals. Man steht vor der Auslage und überlegt, was man überhaupt nehmen soll, während die Verkäuferin hinter der Theke schon mit den Hufen scharrt. Am Kühlregal kann ich mir Zeit nehmen. Ich gehe es auf und ab und überlege, was ich die nächsten Tage kochen möchte und ob ich etwas zum Einfrieren mitnehmen will. An der Theke entdecke ich Dreiviertel der üblichen Waren gar nicht, der Blick der Verkäuferin wird immer ungeduldiger und ich entscheide mich relativ unüberlegt für einen Kompromiss für den heutigen Tag. Muss ich eben die nächsten Tage noch einmal los - wahrscheinlich zu Aldi. Mein Gewohnheitstier hat resigniert. Es ist fertig mit der Welt. Es quengelt. Ist unausstehlich. Macht aus dem Nichts ein Drama. Als wir in den Gang einbiegen, in dem normalerweise Hygieneartikel und Babynahrung stehen, hält es die Luft an. Keine Babynahrung. Müssen wir jetzt doch noch woanders hinfahren??? Es zergeht in Selbstmitleid, dass es diese ganzen Strapazen auf sich genommen hat und nun alles umsonst gewesen ist. Das Gewohnheitstier zieht eine Spur Tränen hinter sich her und lässt sich von mir kaum trösten. Dieser Einkauf ist ihm eindeutig zu viel. Erst als wir um eine weitere Ecke biegen und sich hinter einer Säule in einem ganz schmalen Regal die Babynahrung versteckt, hört es auf zu weinen, schnieft herzzerreißend vor sich hin und atmet erleichtert auf. "Alles halb so schlimm, liebes Gewohnheitstier! Warum soll es hier denn keine Babynahrung geben?" Es stottert mir immer noch schniefend vor, dass es vor zwei Minuten schließlich noch so ausgesehen habe und... und... dann muss es wieder weinen. Ich kann nur mit den Augen rollen, was es Gott sei Dank nicht gesehen hat.

Wie durch ein Wunder erreichen wir irgendwann die Kasse und der Einkaufswagen sieht halbwegs vollständig aus. Das Wichtigste haben wir wohl gefunden. Als wir den Laden verlassen, entspannt sich das Gewohnheitstier endlich wieder. Es weiß, dass das Schlimmste überstanden ist. Jetzt geht es heim und alles ist wieder gut. Gut, dass es zu dem Zeitpunkt noch
nicht weiß, dass der kürzeste Weg nach Hause wegen Bauarbeiten gesperrt ist und wir einen Umweg werden fahren müssen...

Bildnachweis: FreeImages.com / Jean Scheijen

Dienstag, 19. August 2014

Bedienungsanleitung Modell "Zwergnase"

Achtung: Die nachfolgende Bedienungsanleitung gilt ausschließlich für das Modell "Zwergnase". Es sind erhebliche Abweichungen zu den Modellen "Prinz", "Prinzessin", "Krümel", "Maus" etc. möglich!

Die Sleep-Funktion endet etwa um 06.00 Uhr morgens. Abweichungen im Rahmen von 30 Minuten sind möglich und bedürfen keiner Überprüfung. Die morgendliche Inbetriebnahme erfordert einen Input von 120ml Flaschennahrung und eine frische Windel. Während des Verarbeitungsprozesses ruht Zwergnase eine weitere Stunde in der elterlichen Ladestation.

Anschließend ist Zwergnase voll funktionsfähig und bedarf eines umfangreichen Beschäftigungsprogramms. Es empfiehlt sich eine Dauerinstallation der Krabbeldecke im Wohnzimmer. Diverses Spielzeug (siehe Zubehör) ebenfalls bereithalten. Zwergnase läuft maximal 60 Minuten mit Autopilot. Durch ein akustisches Signal wird auf den absinkenden Füllstand hingewiesen. Zum Auffüllen Saftschorle oder Wasser bereithalten.

Durch Herumwälzen und quengeligen Rufton signalisiert Zwergnase Hunger. Dabei empfiehlt sich vor 10.00 Uhr 120ml Flaschennahrung, nach 10.00 Uhr ein Mittagsmenü. Eine frische Windel empfiehlt sich nach dem Mittagsmenü. Zwergnase zeigt deren Bedarf durch einen drückenden Signalton an. Eine Kontrolle der Dringlichkeit ist auch durch ein olfaktorisches Frühwarnsystem möglich. 

Danach sollte die Sleepfunktion aktiviert werden. Hierfür werden benötigt: Saft-/Wasserflasche, Spieluhr "Somewhere over the Rainbow", Schnuller, Mullwindel und Geduld. Die Aktivierung des Schlafmodus kann durchaus längere Zeit in Anspruch nehmen als dieser anhält.

Anschließend kann der Autopilot nicht aktiviert werden. Es bieten sich verschiedene Spielsachen an oder auch das Spiel "Kuckuck!". Durch Zungenschnalzen kann die Lachfunktion aktiviert werden. 

Zwischen 13.00 und 14.00 Uhr erfordert Zwergnase eine neuerlichen Input. Zur Auswahl stehen Obstbecher, Eierplätzchen, Banane, Wasser/Saftschorle ODER 160ml Flaschennahrung. Bei der ersten Variante kann je nach Tagesform zusätzlich Flaschennahrung bis 120ml notwendig sein. Vor der Flaschennahrung kann eine frische Windel notwendig sein.

Die Flaschennahrung sollte in der elterlichen Ladestation bei niedrigen Lichtverhältnissen zugeführt werden.
Der Sleepmodus startet dann meist automatisch. Der Sleepmodus variiert erheblich je nach Feinabstimmung. In Zwergnases Ladestation dauert er 30 bis 45 Minuten. In der elterlichen Ladestation 120 bis 180 Minuten! Körperliche Nähe ist dafür aber unverzichtbar.

Wird der kürzere Sleepmodus gewählt, ist ein neuerlicher Sleepmodus um ca. 17.00 Uhr nötig, der am einfachsten durch Autofahren oder Wageln gestartet wird.
Bis zu 30 Minuten Autopilot sind im Anschluss möglich. Baden aktiviert den Lachmodus besonders leicht. Achtung! Nach dem Bad muss ohne Verzögerung der Abendbrei zugeführt werden!

Ohne Bad wird der Abendbrei zwischen 18.00 und 19.00 Uhr notwendig. Danach kein Autopilot möglich.
Die letzte Sleepfunktion signalisiert Zwergnase durch Augenreiben und Schließen der Augen meist gegen 20.00 Uhr. Nach der Installation einer frischen Windel und der Verpackung im Schlafsack werden 200ml Flaschennahrung in der elterlichen Ladestation gegeben. Nach dem Starten des Schlafmodus Zwergnase vorsichtig in seine Ladestation legen. Sollte der Schlafmodus unterbrochen werden, kann er erst etwa 40 Minuten später wieder gestartet werden.

Bildnachweis: FreeImages.com / Michael & Christa Richert

Dienstag, 12. August 2014

Der Blumenstrauß

Anke sah aus dem Fenster. Die Aussicht war nicht berauschend. Neben der Autobahn reihte sich ein Acker an den nächsten. Die Ernte war schon vorüber, zurück blieb die bloße Erde, die eigentlich nur noch auf den Winter wartete. Kalt und leer und ohne Leben. Ihr Mann Christoph saß am Steuer und schien von der ganzen Atmosphäre und vor allen Dingen von ihrer Stimmung nichts mitzukriegen. Es war ja auch eigentlich erst Oktober. Die Bäume zeigten ihr ganzes prächtiges Farbenspiel, als feierten sie die letzte große Party vor ihrem Winterschlaf. Christoph war tatsächlich in Partystimmung. Was sie danach erwartete, interessierte ihn nicht. "...und am Samstag die Party noch von Stefan! Das wird ein Spaß, sag ich dir. Wir können zu Fuß gehen und beide so richtig feiern! Das tut uns bestimmt gut. Deine Mutter nimmt doch Daniel, oder?" - "Was? Oh... ja, sicher kann Daniel dort übernachten." Anke stierte weiter aus dem Fenster und zog die Augenbrauen zusammen. Ihr war schlecht. Kotzübel. Ein schwerer Duft hing im Fahrraum, wie von diesen ekelhaften Wunderbäumen, die in der Regel die Luft verpesteten, anstatt sie zu erfrischen. Am Rückspiegel hing aber keiner. Wahrscheinlich hatte Christoph ihn zuhause kurz vor ihrer Abfahrt abgenommen. Eigentlich war er ein guter Mann. Fürsorglich.
Sie hatte sich immer ein weiteres Kind gewünscht. Daniel war jetzt drei Jahre alt. Das wäre das perfekte Timing für ein zweites Baby. An die Strapazen der ersten Schwangerschaft dachte sie nicht mehr. Liegen. Immer nur liegen, von Anfang an, um eine Frühgeburt zu verhindern. Trotz aller Anstrengung war in der 30. Woche Schluss gewesen. Daniel war zu früh gekommen und hatte Probleme mit der Atmung. Wochenlang Intensivstation und immer die Angst, dass etwas zurückbleibt. Aber er war gesund. Jede Anstrengung war es wert gewesen, zu kämpfen. Von Anfang an. Anke presste bei dem Gedanken daran die Lippen aufeinander und hoffte, dass sich die eine Träne, die sie bereits im Augenwinkel spürte, nicht selbstständig auf den Weg über ihre Wange machte. Christoph konnte es nicht leiden, wenn sie weinte. In den letzten vierzehn Tagen hatte sie viel geweint. Christoph hatte viel geschrien. Mit den Türen geknallt. Hatte sie stehen lassen und kam betrunken wieder. Aber geschlagen hatte er sie nicht. Nein, sowas machte Christoph nicht. Er war ein anständiger Kerl. Fürsorglich. Eigentlich.
Christoph wusste von ihrem Kinderwunsch. Er war dagegen. Er hatte alles für Anke und Daniel getan. Er hatte es ohne Vorwurf hingenommen, dass Anke ihn neben Daniel zu Luft werden ließ. Immer nur Daniel. Krankenhäuser, Untersuchungen, stundenlanges Warten auf sterilen und unpersönlichen Gängen. Natürlich hatte auch er alles für ihren gemeinsamen Sohn getan. Aber er hätte sich auch seine Frau zurückgewünscht. Die Frau, die er vor der Schwangerschaft hatte. Die ihn auch einmal nach der Arbeit in Reizwäsche erwartete. Aber seit der Geburt des Sohnes blieb die Reizwäsche verschwunden. Auch drei Jahre später war die Reizwäsche unauffindbar. Sex gab es nur noch im Dunkeln. Unter der Bettdecke. Blümchensex. Er fühlte sich betrogen. Er hätte sich eine Belohnung für seine Aufopferung gewünscht, Ankes unendliche Dankbarkeit für seine Unterstützung. Aber sie hatte alles einfach so eingefordert. Als wäre das selbstverständlich. Und da wollte sie ein zweites Kind?! Dass er noch mehr geben und noch weniger von ihr haben sollte? Auf keinen Fall. Daniel kam schon nur deshalb zustande, weil diese blöde biologische Uhr bei Anke zu ticken begonnen hatte. Weil alle ihre Freundinnen Kinder bekamen. Er hätte genauso gut ein Leben mit Städtereisen, Eigentumswohnung und tollen Autos verbringen können. Aber nein, monatelang lag sie ihm in den Ohren, welche Bereicherung ein Kind doch für ihre Ehe wäre. "Ein Baby ist die Krönung unserer Liebe", hatte sie getönt und er hatte schließlich nachgegeben. Er würde arbeiten gehen und Anke sich um das Kind kümmern. So war sein Plan gewesen. Das Ende des Liedes war, dass er zusätzlich zu seinem Job auch noch den ganzen Haushalt am Hals hatte, während Madame die Couch durchgelegen hatte. Sie hatte ihm Alkoholverbot auferlegt. Sie wären zusammen schwanger. Was sie nicht dürfe, dürfe er auch nicht, hat sie von ihm gefordert. Aber den Haushalt. Den durfte er schon machen und sie konnte nicht einmal ihr leeres Glas zur Spülmaschine tragen. Und er hatte gelächelt und ihr den Himmel auf Erden bereitet. In der Hoffnung, dafür belohnt zu werden. Nein, nochmal würde er das nicht durchmachen und das hatte er ihr deutlich genug zu verstehen gegeben.
Anke dachte an den Abend. An den einen Abend. Christoph kam von seiner Stammkneipe nach Hause und war angetrunken. An der Art, wie er zu ihr ins Bett kroch, merkte sie schon, was er vorhatte. Sie hatte ihn darauf hingewiesen, dass er ein Kondom benutzen sollte, wenn er kein weiteres Kind haben wolle. Er hat nur mit den Schultern gezuckt und gemeint, bei Daniel hätte es ja auch nicht gleich geklappt. Knappe drei Wochen später hatte sie ihm am Sonntag Frühstück ans Bett gebracht. Einen Kaffee, ein Glas Orangensaft, Speck und Eier - so wie er in ihren Urlauben immer zu frühstücken pflegte. Den positiven Schwangerschaftstest hatte sie unter der Serviette versteckt. Als er ihn entdeckte, musste sie das Bett neu beziehen, weil das Tablett durch die Gegend geflogen war. Wie das passieren könne, hatte er gefragt, dieser Dummkopf. Sie habe ihn verführt und hintergangen, hatte er ihr vorgeworfen. Als Anke ihn an die Umstände erinnerte, hatte er die Tür hinter sich zugezogen und war erst am Abend wieder nach Hause gekommen. Er hatte sich beruhigt und sie haben in Ruhe geredet. Dass es vom Platz her kein Problem sei, dass diese Schwangerschaft ja ganz anders verlaufen könne und sie das schon hinbekommen würden. Anke war erleichtert gewesen und Freude machte sich in ihr breit. Die Ernüchterung kam dann aus heiterem Himmel beim Arzt. Es sah alles gut aus, das Herz schlug kräftig und nichts deutete auf Komplikationen hin. Die Ärztin drückte ihnen das Ultraschallbild in die Hand und wollte sie schon verabschieden, als Christoph sie fragte, ob es für eine Abtreibung schon zu spät sei. Die Ärztin runzelte nur die Stirn und drückte den beiden Adressen von Beratungsstellen in die Hand. Christoph hatte sie mit eiskaltem Blick angelächelt und Anke aus dem Zimmer geschoben.

Jetzt waren sie auf dem Weg zur Abtreibungsklinik. Christoph hatte den Termin vereinbart. Anke rief sich ihre Diskussionen ins Gedächtnis. Er hatte ihr gar nicht damit gedroht, sie sitzen zu lassen. Nein, das macht ein anständiger Kerl nicht. Die schwangere Frau mit Kind sitzen lassen. Nein, er hatte ihr Angst gemacht. Dass die Schwangerschaft wieder so schwierig werden würde. Dass sie wieder Wochen und Monate um das Baby kämpfen müssten und dass sie das Daniel nicht zumuten könnten. Es wäre schon allein ihm gegenüber unfair. Ob sie das verantworten wolle, hatte Christoph sie gefragt. Er hatte keinen Tag vergehen lassen, ohne zu betonen, wie schwierig alles werden würde. Wer sich denn um Daniel kümmern solle, wenn sie wieder zum Liegen verdonnert werden würde. Er hatte betont, dass Daniel nun schon aus dem Gröbsten raus sei, warum sie noch einmal von vorne anfangen wolle. Ja, Christoph hatte sie eingelullt. Er hatte sich besorgt gezeigt, hatte freundlich auf sie eingeredet und wenn das nicht geholfen hatte, hatte er geschrien und Anke hatte geweint. Irgendwann hatte Anke aufgegeben. Sie konnte ihm nichts entgegenhalten. Aber sie wusste, dass seine Argumentation einen Haken hatte. Sie war schlichtweg falsch. Und nun saß er da am Steuer und tat so, als würden sie in Urlaub fahren - in ein besseres Leben. Sie wollte die Abtreibung nicht und ihm war es egal. Es war ihm egal, dass sie es war, die tagtäglich an das ungeborene Kind denken wird müssen, was es erleben hätte können und wie es zusammen mit seinem großen Bruder spielen hätte können. Als sie aus dem Auto ausstieg, atmete Anke erst einmal durch. Der schwere und leicht süßliche Gestank im Auto erinnerte sie an Verwesung. Noch fünf Minuten länger im Auto und sie hätte Christoph wohl auf die Armaturen gekotzt. Anke fühlte sich, als müsste sie auf ihre eigene Beerdigung gehen, während Christoph beste Laune hatte und strahlte wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum. Dieses Kind würde nie einen Weihnachtsbaum mit leuchtenden Augen sehen. Niemals.

Er verschwand hinter der Heckklappe des Wagens und zwinkerte ihr zu. "Ich habe etwas für dich", nuschelte er dahinter. Als Anke ihren Blick von dem Klinikgebäude abwandte und sich umdrehte, schlug ihr der Verwesungsgestank mit voller Wucht ins Gesicht. Christoph hatte sich mit einem Strauß Blumen aus Lilien und Orchideen, die den schweren Duft verströmten, vor ihr aufgebaut und schenkte ihr sein charismatischtes Lächeln, mit dem er sie vor acht Jahren zu einem Date überredet hatte. Für Anke war es nur eine verzogene Fratze. "Blumen für dich! Damit du endlich wieder lachen kannst!" Was für einen anständigen und fürsorglichen Mann sie doch hatte, dachte Anke mit Bitterkeit und ließ ihn wortlos stehen.

Bildnachweis: FreeImages.com / unbekannt

Samstag, 9. August 2014

Auf dem Wochenmarkt

Bildquelle: Obst & Gemüse Grad
auf dem Wochenmarkt in Bad Kötzting
Mama weckt mich mitten in der Nacht. Es muss mitten in der Nacht sein, denn es ist stockdunkel. Sie zieht mich flott an und drückt mir eine Flasche Erdbeerkaba in die Hand, bevor sie mich ins Auto packt. Die Fahrt dauert nicht lange, dann sind wir bei meinen Großeltern im Hof. Während die Welt rundherum noch schläft, herrscht hier bereits reges Treiben. Die Tore der Halle sind alle offen und hell beleuchtet. Einer der für mich riesigen Lastwagen mit orangem Führerhaus fährt bedrohlich brummend gerade heraus. Der Auflieger ist weiß mit orangen Streifen und oranger Schrift. Was drauf steht, weiß ich nicht, denn ich kann noch nicht lesen. Ach ja! Mama nimmt mich heute mit auf den Obst- und Gemüsemarkt meiner Großeltern, wo sie verkaufen hilft. Am meisten freue ich mich auf die Fahrt im Lastwagen. Die Welt sieht in der erhöhten Fahrkabine sehr viel spannender aus als aus dem Auto. Alle Müdigkeit ist wie weggeblasen. Mama und Oma gehen die Preise der viel gekauften Artikel durch. Soviele Zahlen! Ich kann mir keine merken. Auf dem Weg tiefer in den bayerischen Wald warte ich gebannt auf meine Kurve, in der man freie Sicht auf eine riesige Eisenbahnbrücke erhält. Diese beeindruckt mich noch heute. Zwei Säulen aus großen Steinblöcken ragen ehrfürchtig nach oben. In schwindelerregender Höhe führt dann die Eisenbahntrasse durch den Himmel. Mama nimmt mich immer wieder mal mit. Ich frage, wohin es geht. "Zwiesel!" ist die knappe Antwort, die mir aber eigentlich gar nichts sagt und wegen der Mama nun nicht gehört hat, was die Tomaten kosten. Erst als wir in den Ort einbiegen, kann ich mit der Angabe etwas anfangen. Zwiesel. Gegenüber des Marktplatzes ist ein Spielplatz, auf dem ich mich später amüsieren darf. Aus dem Bach dort werde ich kleine bunte Kiesel fischen, die von den Glasereien kommen. Aber erst einmal hat niemand Zeit, mich hinüber zu bringen. Es dämmert inzwischen und der Marktstand muss aufgebaut werden.
Besuchte Wochenmärkte:
Dienstag: Pilsting - Neuhausen - Pfaffenberg/Mallersdorf
Mittwoch: Viechtach - Furth - Geiselhöring
Donnerstag: Bad Kötzting - Schloss Egg
Freitag: Grafenau - Wallersdorf - Drachselsried
Samstag: Schöllnach - Eichendorf - Tittling - Zwiesel

Mit einem Ruck gehen die Seitenklappen des LKWs hoch und jemand öffnet hinten die Türen. Jetzt heißt es, ja nicht im Weg zu stehen, sonst werde ich geschimpft. Alles muss jetzt schnell gehen. Aber ich darf helfen. In einer Reihe werden leere Apfelkisten aus Holz hochkant aufgestellt. Sie bilden den Unterbau für die eigentlichen Stände. Die werden von ganz vorne seitlich herausgezogen und nach und nach auf die Apfelkisten gelegt. In großen Kisten aus Sperrholz sind die elektrischen Waagen versteckt. Meine Lieblingswaage steht aber bei den Kartoffeln. Das ist noch so eine richtig alte mit Bleigewichten in verschiedenen Größen. Gleichzeitig werden die Kisten und Steigen mit den Waren herunter gehoben und gleich dort abgestellt, wo sie später die Früchte ausliegen werden. Es gibt viel zu tun, da müssen Handgriffe gespart werden. Alles muss zackig gehen. Wir haben keine Zeit zum Langsamschauen. Auf dem LKW werden später noch die Salatkisten aufgestellt werden. Zum Schluss werden die schweren Marktschirme aufgestellt. Ich bin beeindruckt, wie Oma und Mama die alleine herumtragen. Als das Grundgerüst des Marktstandes steht, darf ich auch endlich wieder helfen. Gurken und Tomaten auftürmen, Äpfel und Birnen Stück für Stück in einen Berg verwandeln. Äpfel und Birnen dürfen nämlich nicht aufgeschüttet werden, sonst gibt es hässliche braune Druckstellen und keiner will sie mehr kaufen. Deshalb darf ich die Früchte auch nicht werfen, sondern lege jede einzelne vorsichtig hin. Die leeren Steigen, Pappkartons und Kisten darf ich stapeln. Dass daraus dann eher eine Burg zum Spielen wird, dafür kann ich aber nun wirklich nichts!

Und so vergeht der Vormittag. Ich spiele mit den leeren Schachteln, darf immer wieder die Schütten auffüllen, klaue hier und da eine zuckersüße, fast schwarze Kirsche oder eine saftige Zwetschge oder eine reife Banane oder eine süße, grüngelbe Weintraube. Die Obstberge sehen aus wie in einem Bilderbuch. Das satte Gelb der Bananen, das kräftige Rot der Tomaten, das tiefe Grün der Gurken. Die riesigen Nektarinen und Pfirsiche, bei denen ich beide Hände brauche, um sie sicher zu halten. Die Aprikosen haben rosige Bäckchen. Mit den Rettichen könnte man wahrscheinlich jemanden erschlagen, so groß sind die Wurzen. Die Radieschen liegen wie kleine freche Kugeln daneben. Und alles riecht so herrlich, frisch und appetitlich. Ich hätte blind sagen können, ob ich gerade am Gemüse- oder am Obstende des Aufbaus stehe. Manchmal fragt mich eine Kundschaft, ob ich schon mal Kartoffeln in eine Rogl schaufeln kann. Aber klar kann ich das! Meistens bin ich aber zu langsam und Oma oder Mama unterbrechen mich und schaufeln selbst. Meine Brotzeit habe ich mir trotzdem verdient.

Mittags findet alles rückwärts wieder seinen Platz auf dem LKW. Die Kisten und Steigen sind fast alle leer. Auf der Rückfahrt werde ich vermutlich einschlafen, obwohl ich mich immer anstrenge, wach zu bleiben, um die Fahrt zu genießen. Aber es ist warm, der Motor brummt und brummt monoton vor sich hin und ich bin müde... die Augenlider wollen einfach nicht oben bleiben.

Sonntag, 20. Juli 2014

Das Dilemma des Individualismus

Individuell sein ist in.

Biologisch gesehen ein seltsamer Trend, denn genetisch ist ohnehin jeder einzigartig.

Jeder ist einzigartig. - eine komische Aussage. Das hieße ja, dass jeder gleich ist.
Nun wird ja aber heutzutage gerade angestrebt, dass nicht jeder gleich ist.

Also so im Privaten. Vor dem Recht hat idealerweise schon jeder gleich zu sein.
Und es versteht sich von selbst, dass man die Vielfalt unter den Individuen nicht nur toleriert, sondern sogar akzeptiert.

Aber irgendwie funktioniert die Umsetzung der Theorie in die Praxis nicht so ganz. Irgendwo muss ein Konstruktionsfehler sein. Anders kann ich mir die Widersinnigkeit manchen Strebens nicht erklären.

Es wird ein Aufwand betrieben, um die eigene Einzigartigkeit herauszustellen, sie jedermann sichtbar zu machen. Auf welche Weise dies geschieht, ist zweitrangig. Es gibt ja genug Möglichkeiten. Stichtwort: Vielfalt.

Vielleicht ist das Problem die soziale Veranlagung des Menschen. Denn wenn man nun genug Zeit und Energie in die eigene Individualität gesteckt hat, sucht man nach Gleichgesinnten - oder hat sie schon auf dem Weg der Individualisierung gefunden.

Aber wenn man dann wieder in einer Gruppe ist, wie individuell ist man dann noch? Wird mit einer Gruppe nicht automatisch eine zweite gebildet? Ein "Wir" und ein "Ihr"?

Und wie verhält man sich der "Ihr"-Gruppe gegenüber? Stellt man nicht automatisch einen Vergleich an? Treten die Parteien nicht automatisch in Konkurrenz zueinander? "Willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein"?

Der Mensch vertritt in der Regel seine Sichtweisen und seine Weltanschauung. Auf der Suche nach Gleichgesinnten schreckt er nicht davor zurück, seine Welt den anderen zu aufzuzwingen. Es ist ja auch nur zum besten für den Nächsten. Die eigene Lebensweise ist für einen selbst auch schließlich so erfüllend. Was für einen selbst gilt, kann doch für den anderen nicht schlecht sein. Nein, es ist sogar eine Notwendigkeit!
Welch ein Dummkopf, wer sich davor verschließt!

Aber wenn es gelänge, alle anderen zu überzeugen, wo steht dann die Individualität?

Was ist mit denen, die nicht danach streben, besonders individuell zu sein? Denen aber an allen Ecken und Enden vorgeworfen wird, dass sie nicht nach Einzigartigkeit streben. Dass sie so langweilig gewöhnlich sind?

Hat das Individuum kein Anrecht auf langweilige Gewöhnlichkeit?

Wenn alle spannend und aufregend sind, ist dann die langweilige Gewöhnlichkeit individuell?

Bildnachweis: FreeImages.com / Scasha

Mittwoch, 2. Juli 2014

Gemetzel im Gemüsebeet

Wer bei mir den grünen Daumen sucht, sucht vergeblich. Meine Zimmerpflanzen kämpfen ums nackte Überleben. Sie haben gelernt, mit ihren Ressourcen sparsam umzugehen. Kann es eine nicht, landet sie in der Biotonne. Charles Darwin hätte seine Freude an ihrem Kampf ums Dasein. Hin und wieder trifft das Amnesty International der Pflanzen ein und versorgt sie mit Überlebenspaketen wie Wasser und Dünger. Meine Mutter hat einen Orden verdient.

Dieses Jahr im Frühjahr hat sich jedoch ein neuer Kriegsschauplatz aufgetan. Ein vakantes Blumenbeet mit schnuckeliger Grenzbefestigung in einer gemütlichen Ecke unseres Gartens bot die Gelegenheit für einen Eroberungszug. Die Infanterie verteilte ihre Minen in Form von Karotten- und Radieschensamen. Des Weiteren wurden Stützpunkte in Form von Petersilie, Schnittlauch, Gurken, Tomaten, Zucchini, Paprika und Salat buchstäblich in den Boden gestampft. Die Invasion des Gemüses und die Niederschlagung der Blumenherrschaft schien erfolgsversprechend. Doch das Blatt sollte sich bald wenden.

Erst nach der Besetzung stellte der Feldherr fest, dass die Blumen dem Prinzip der verbrannten Erde gefolgt waren und es keinerlei Ressourcen mehr zu holen gab. Die Versorgung stand auf sehr, sehr wackeligen Beinen. Der Feldherr versorgte zwar seine Soldaten täglich mit einer Wasserration, allerdings stellte sich erst später heraus, dass diese zu knapp bemessen war, da auch die Witterungsbedingungen kärglich waren und die Rationen ihrer Wirksamkeit beraubten. Der Feldherr hat den Bedarf seiner Soldaten schlichtweg unterschätzt. Die Rationen wurden zwar sofort verdoppelt und verdreifacht, als der Fehler bemerkt wurde, aber die Lage wird als aussichtslos eingeschätzt.

Die mangelnde Fähigkeiten im Ressort Versorgung blieben jedoch nicht die einzige Schwierigkeit. Wie immer, wenn irgendwo ein Machtvakuum entsteht, streben mehrere Mächte nach der Vorherrschaft. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Horde schleimiger Nudisten einschleichen wollte und die Soldaten weiter durch ihre heimtückischen Nachtangriffe dezimierten. Regelmäßige Angriffe mit Chemiewaffen in Form von Schneckenkorn schaffen jedoch Abhilfe.

Die Radieschen schlugen sich tapfer und hatten sich bald Urlaub verdient. Zur Auffrischung kamen sie in den sibirischen Ort namens Kühlschrank und durften zusätzlich im Wasser baden. Leider waren auch sie vom Pech verfolgt. Aufgrund einer Hitzewelle wurde die Klimaanlage zu weit heruntergefahren, sodass sie in ihrem Wasserbad einfroren. Möge Gott ihrer Seelen gnädig sein. Sie schieden so unvermittelt aus dem Leben.

Derweil vegetierten die Tomatenpflanzen vor sich hin. Aber sie haben hartnäckig gekämpft. Sie kamen zwar keinen Zentimeter vorwärts, ließen sich jedoch auch nicht zurückdrängen. Bei einer Stippvisite des Generalarztes - inzwischen mit einem Orden ausgezeichnet - blieb nur noch die Evakuierung übrig. In ihrem neuen Zuhause, ein erstklassiges Sanatorium unter Leitung des Generalarztes, gedeihen sie prächtig.

Die Gurke konnte unter höchster Kraftanstrengung eine Frucht liefern. Dennoch ist ihre Lage aussichtslos, der Heldentod ist absehbar. Die Zucchini wird mangels Verstärkung wohl dasselbe Schicksal ereilen. Der Generalarzt konstatierte jedoch, dass eine ungeahnte Einschränkung schon vor dem Einsatz bestand. Beide hätten ihren Dienst also gar nicht antreten dürfen.

Paprika und Salat halten sich tapfer, genauso die Karotten. Petersilie und Schnittlauch sind am vielversprechendsten. Der Salat rüstet sich sogar für eine neue Offensive.

Nichtsdestotrotz muss man der Wahrheit ins Auge sehen. Die Kapitulation wird spätestens im Herbst unausweichlich sein. Danach soll möglichst schnell Gras über die Sache wachsen.

Bildnachweis: FreeImages.com / Les Powell

Mittwoch, 14. Mai 2014

Babymassage - Der Tragödie erster Teil

Ich habe mich auf eine Warteliste zur Babymassage setzen lassen. Nachdem ich schon keinen Geburtsvorbereitungskurs besuchen konnte, auch ein Schwangerenfrühstück im Landratsamt keine Kontakte ergeben hatte, dachte ich mir: "Vielleicht doch dort!" In meinem Umfeld war ich alleine schwanger, sodass sich bis auf eine sehr liebe Internetbekanntschaft mit leider mehreren Hundert Kilometern Distanz nichts ergeben hatte. Wageln zu zweit mit Babytalk wäre ja doch lustiger.

Das Problem an der Sache ist, dass ich andere Mamis nur bedingt leiden kann. Ich konnte auch andere Schwangere nur zum Teil ertragen. Nicht, dass ich kein Menschenfreund wäre, nein, ich mache nur nicht mit bei dem "Ereignis" Schwangerschaft und erstes Kind. Ich habe keinen Angelsound zum Aufspüren der Herztöne gekauft, ich habe kein extra Babyzimmer gekauft und eingerichtet, ich habe mir meine Strähnen machen lassen usw. Die obersten Maxime, an die ich mich in der Schwangerschaft gehalten habe, waren kein Alkohol und kein Nikotin. Meine Salami schmeckte mir vorzüglich (gut, ich bin auch Toxoplasmose positiv...).

Nach der Schwangerschaft nimmt die Spinnerei leider kein Ende. Irgendwo sitzen wohl Marketingexperten, die sich bei jeder panischen Erstmutter genüsslich die Hände reiben. Und auch hier mache ich nicht mit, da die "Trends" in der Babypflege sowieso immer wieder wechseln. Kaum zu glauben, dass wir selbst groß geworden sind, was unsere Mütter alles so "falsch" gemacht haben... Erste Ansprechpartnerin ist und bleibt meine Mama und dann folgt der Austausch mit der Internetbekanntschaft, die - Gott sei Dank - ähnlich eingestellt ist.

Also, zumindest mal raus kommen und zur Babymassage. Schon eine Woche vorher habe ich mich gefragt, warum ich mir das angetan habe. Zuhause wäre es doch auch schön! Unsere Vormittage sind schon so schön eingespielt und irgendwie massiere ich ja meine Zwergnase sowieso, wenn er auf dem Wickeltisch liegt. An Körperkontakt mangelt es uns ja nicht und ich nehme mir auch Zeit für mein Kind, wenn es wach ist.

Tasche packen. Kind einpacken. Ersteres ist das einfachere, da zweiteres momentan nicht gern über sich ergangen lassen wird. Prompt komme ich mit der Mütze an, wandert ein flehender Blick zum Papa: "Darf die das? Warum machst du nichts?" Kind also im Maxi Cosi, Maxi Cosi im Auto, Korb mit allerhand Zubehör im Auto. Pflegeöl von Babylove hatte ich extra besorgt, weil das bei Stiftung Warentest ganz vorne dabei ist, während das von Bübchen, von dem ich mehrere Gratis-Probepacks habe, auf den letzten Plätzen rangiert. Nicht, dass ich mich selbst erkundigt hätte. Nein, man bekam da eine Kopie ausgehändigt, was man besorgen soll. Ganz oben standen Pflegeöle, die man wohl nur in der Apotheke bekommt und demnach auch entsprechend kosten werden. (Nein, ich gebe nicht unbegrenzt Geld für meinen Sprössling aus.) Was brauchte ich noch? Ach ja, Decke, Einmalwickelunterlage, Handtuch, Pflegetücher, Windeln, Flasche, heißes Wasser, Pulver, Spuckwindel, Spielzeug, Ersatzkleidung, Schnellhefter für die Massagekopien usw. Ich habe alles in einen Korb statt in die Wickeltasche gepackt, damit alles schnell griffbereit ist.

Dann: "entspanntes Ankommen" zwischen 9.15 und 9.45 Uhr. Ich war alles andere, aber sicher nicht entspannt. Decke und Sitzkissen krallen, auslegen, Einmalunterlage drauf, Kind drauf, Kind ausziehen. Puh. Das Kind ist fit. Prima. Zwergnase mustert interessiert die anderen Babys, schaut sich den Raum genau an, lauscht den Mamis, die sich unterhalten. Wahrscheinlich hat er mehr verstanden als ich, denn drei von den sechs Teilnehmerinnen redeten ausschließlich in einer slawischen Sprache miteinander. Teilnehmerin 4 und 5 kennen sich ebenfalls bereits, weil sie miteinander im Vorbereitungskurs waren oder miteinander entbunden haben oder schlagmichtot. Nix mit ratschen. Dafür das brave Kind anhimmeln. Ist sowieso schöner.

Kursbeginn. Erst einmal Entspannungsübungen für die Mamis. Finde ich ja ganz klasse (Vorsicht: Ironie), weil ich immer sehr gerne vor Wildfremden blöd herumhampele. Zwergnase gibt beunruhigende Laute von sich. Die Mundwinkel gehen nach unten. Mami soll die Augen schließen und sich auf die Liebe zu ihrem Kind besinnen. Mami linst aus einem Auge auf ihr Kind. Sicherheitshalber. Zwergnases Lippen zittern. Lieber doch noch mit dem zweiten Auge drauf schauen. Oh oh. Zwergnase atmet ungewöhnlich tief ein. Die anderen Mamis besinnen sich immer noch auf die Liebe zu ihrem Kind, als Zwergnase mitteilt, dass er da ist und Hunger hat. Mami besinnt sich also nicht mehr auf irgendwelche Sentimentalitäten, sondern wird pragmatisch. Vor der Flasche wird die Windel gewechselt, also Windel auf. Findet Zwergnase toll, man muss schließlich dafür sorgen, dass die Einmalunterlage auch nur einmal benutzt wird (ein Baby-Marketingexperte fällt irgendwo lachend vom Stuhl). Zwergnase lacht über seinen Coup. Dann fällt ihm der Hunger wieder ein und brüllt. Mami bleibt cool, die anderen Mamis besinnen sich immer noch auf die Liebe zu ihrem Kind. Mami macht das Fläschchen und erntet dafür einen missbilligenden Blick von der Kursleiterin. Nicht, weil das Kind brüllt, sondern weil Mami nicht stillt. WIE KANN ICH NUR?

Zwergnase trinkt. Für seine derzeitigen Verhältnisse sogar anständig. Nach 100ml scheint die Neugier wieder zu siegen. Kind wird mit Windel nur auf die Decke gelegt, da sich die Unterlage ja urplötzlich gelb gefärbt hat und nass ist. Beginn der Babymassage. Das Kind auf die Massage einstimmen. Dazu sanft über den Kopf streichen und Blickkontakt herstellen. Zwergnase findet seine Nachbarin aber scheinbar viel hübscher als seine Mami. Zwergnase flirtet also lieber mit Zwergnäschen. Blickkontakt? Fehlanzeige!
Überhaupt will Zwergnase lieber strampeln und Mami sieht er überhaupt sowieso den ganzen Tag. Ui! Ein Licht! Da kann man nicht zu Mami schauen. Oh. Kein anderes Baby schaut her und Zwergnäschen hat nur Augen für ihre Mami. Verräterin! Na dann, hab ich halt wieder Hunger. Allgemeine Ruhe im Raum, die anderen Babys haben anständig mit ihren Mamis Blickkontakt aufgenommen. Es wird mit der Massage begonnen. Außer bei Zwergnase, der zwischen Hungergebrüll und Müdigkeit immer wieder ein paar Züge aus der Flasche nimmt... bis er dann doch irgendwann endlich in meinen Armen einschläft. Die anderen Mamis atmen erleichtert auf, dass der Störenfried endlich Ruhe gibt und sie den Anweisungen der Kursleiterin folgen können. Ich beobachte abwechselnd mein Kind und die Runde. Super-Übermami nebenan hat das teure Apothekeröl. Lieber nicht soviel schauen, sondern dem eigenen Kind beim Schlafen zusehen. Ist besser für's Gemüt.

Endphase des Kurses. Fünf Minuten das eigene Kind anhimmeln. Hm. Ja. Hab ich ja schon die letzte Viertelstunde gemacht. Aber gut. Weiterhimmeln ist ja die leichteste Übung. Zum Abschluss ein Kinderlied. Babys mögen es, wenn Mami singt. Stimmt. Mache ich ja schließlich jeden Abend. Zwergnase mag es aber scheinbar nicht, wenn andere Mamis singen. Zwergnase öffnet erschreckt die Augen. Mami nutzt die Gunst der Stunde, packt Zwergnase vor dem nächsten Gebrüll ein und verschwindet.

Zuhause. Entspanntes Ankommen. Zwergnase ist im Auto im Maxi Cosi eingeschlafen und wird sanft und langsam wach. Papi spielt mit Zwergnase, der lacht und tirilliert. Mami kocht. Also nicht innerlich, sondern das Mittagessen. Und als das Essen fertig ist, schläft Zwergnase selig und süß im Laufgitter... ohne Kinderlied und ganz entspannt.

Bildnachweis: FreeImages.com / Tim & Annette

Freitag, 2. Mai 2014

Von hoffnungslosen Herrchen und ihren Haufen

Ich hasse Hunde.

Nun gut, das ist etwas übertrieben. In der ewigen Diskussion, ob man der Hunde- oder Katzentyp ist, bin ich wohl der Kaninchentyp. Vielmehr begegne ich Hunden eher mit Respekt und - ich gebe es zu - mit etwas Angst. Sie sabbern, ich mag ihren Geruch nicht und man weiß nie, ob er dich anspringt, wenn du einem begegnest. Aber das Übel aller Übel sind, wie könnte es anders sein, die Hundehaufen.

Dafür kann das arme Tier natürlich nichts. Irgendwo muss es ja sein großes Geschäft verrichten. Und da es ein treuer Begleiter ist, kann es das nur dort tun, wo ihn sein Herrchen hinführt. Auf Gehwegen, in Sandkästen auf Spielplätzen, in Vorgärten, Garageneinfahrten und auf Wiesen, die nach dem Glauben der Hundehalter der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Die teuer aufgestellten Hundeklotütenbehälter werden links liegen gelassen, Warn- und Verbotsschilder ignoriert, für den besten Freund des Menschen kann es doch keine Verbote geben.

Ich könnte ja sagen, dass die Hundehaufenproblematik in den letzten Jahren erst eskaliert wäre. Aber das stimmt schlichtweg nicht. Wenn ich an meine Kindheit und Hundeerfahrungen zurückdenke, denke ich an Winterabende, an denen meine Eltern den Schnee aus der Einfahrt geschaufelt haben und wir Kinder den
kleinen Grashügel vor dem Hof runterrutschen wollten. Lange ging das lustige Treiben nie, bis uns meine Mutter zurechtwies, uns zurückpfiff, weil unter dem Schnee hässliche braune Haufen verborgen waren. Eine erste Prägung? Hunde vermiesen den Spielespaß? Wahrscheinlich.

Heute weiß ich, dass das Problem nicht die Hunde sind, sondern vielmehr deren Herrchen, die teilweise mit einer derartigen Portion Egoismus ausgestattet sind, von der kann ich nur träumen. Es stellt sich mir immer wieder die Frage, warum die bereitgestellten Beutelchen nicht genutzt werden. "Die sind immer leer!", heißt es dann. Der Behälter an meiner Kinderwagenstrecke ist immer mit Tüten bestückt und ich fahre Slalom um die Haufen. Soviel dazu. Abgesehen davon kriegt man doch in jedem Laden entweder beim Einkauf Tütchen oder man kann selbige kaufen. Man möchte gar meinen, es gäbe auf der ganzen Welt keine Plastiktütchen mehr. Wer zum Teufel stellt Plastiktütchen her? Gibt es Lieferengpässe? Eine die Welt umspannende Verschwörung gegen Hundehalter, die doch nichts weiter wollen als kleine Plastiktütchen?!

Ich kann mir das Bild wahrlich vorstellen. Am Rande eines Weges. Unbeobachtet. Der Hund setzt an, tut, was er tun muss. Es hat keiner gesehen, warum soll man dann ein dampfendes Etwas mit sich herumtragen. Wofür gibt es die Straßenreinigung? Wofür zahlt man Hundesteuer?

Dabei wird aber häufig vergessen, wer dann tatsächlich den Dreck und den Ärger hat. Die Straßenreinigung reinigt nämlich keine Vorgärten. Ich finde es bedauerlich, dass ein Hauseigentümer in unserer Siedlung ein Schild mitten in seinen Vorgarten setzen muss, dass dies kein Hundeklo ist. Das macht man nur, wenn man regelmäßig Haufen entsorgen musste. Gegenüber hing vor kurzem ein Pappschild: "3 Meter Einfahrt - 3 Hundehaufen. Muss das sein?!" Zeugt das von Respekt gegenüber seinen Mitmenschen? Wenn fremdes Eigentum beschmutzt wird? Ich war auch einmal Zeuge einer Zurechtweisung. Der Eigentümer erwischte das Herrchen in flagranti und forderte es auf, den Haufen mitzunehmen. Das Herrchen zuckte nur die Schultern und gab schnippisch zurück "Liegt ja nicht auf meinem Grund!"

Das solches Verhalten die Bevölkerung in Hundebesitzer und Hundehasser spaltet, wundert dann kaum noch. Man muss sich doch nur einmal vorstellen, was los wäre, wenn der Nachbar dem Nachbarn in den Vorgarten sch****... Da sieht das Verständnis von Moral und Anstand plötzlich wieder anders aus.

So ärgerlich und unverschämt der Hundehaufen im  Vorgarten auch sein mag, ein wirklicher Schaden entsteht dabei nicht. Erheblichen Schaden können Hunde jedoch auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen anrichten. Ach, was tummeln sich am Sonntagnachmittag die Bilder von fröhlich tobenden Vierbeinern auf mit Blumen übersähten Wiesen in den sozialen Netzwerken. O Freude schöner Götterfunken! Ist das nicht putzig, wie Hasso und Bello auf der Wiese spielen? Indes fällt irgendwo ein Bauer mit einem Herzinfarkt vom Stuhl.

Warum? Mit Hundekot verunreinigtes Futtergras hat bei Wiederkäuern (also Rind) schwere Erkrankungen bis zum Tod zur Folge. Man könnte auch salopp sagen, dass die Kühe vergiftet werden. Ein Schild am Rand einer Futterwiese bei uns in der Siedlung weist auf diesen Umstand hin - es interessiert nur kein Herrchen. Auch die Drohung, dass eine Anzeige durch den Pächter erfolgt, beeindruckt niemanden. Fast täglich tummeln sich da die Herrchen mit ihren Vierbeinern, wenn ich vorbei wagele.

Müsste dem Schild ein Bild einer verendenden Kuh hinzugefügt werden, um ein Umdenken bei den Hundehaltern zu bewirken? Wenn irgendwo vergiftete Fleischbrocken ausgelegt werden, um Hunde um die zuletzt markierte Ecke zu bringen, ist der Aufschrei immer groß. Auf Facebook heißt es dann "Teilen! Teilen! Teilen!", damit diese *zensiert* gefasst werden. Nach Mord und Folter wird da gerufen, wenn es den armen Tieren an den Leib geht. Damit wir uns nicht falsch verstehen. Natürlich vergiftet man keine Tiere! Außer Ameisen und Kakerlaken vielleicht... Ich will nur aufzeigen, dass diese Hundebesitzer, die sich darüber am meisten aufregen und ihre Hunde auf die Wiese machen lassen, das gleiche mit Bauers Kuh machen. Der Unterschied liegt darin, dass dies nicht öffentlich gemacht wird... oder eher selten. Auch wenn Kühe als "Nutzvieh" eingestuft werden, sind sie a) ebenso schützenswerte Tiere und b) hängt ein Bauer ebenfalls an seinen Tieren.

Wie überall, verdirbt eine kleine Gruppe oder einzelne Personen gleich den Ruf der ganzen Sippe - oder sollte man in dem Fall vom Rudel sprechen? Egal, denn es geht auch anders. Letztens waren wir an der Donau wageln, als uns ein Frauchen mit Hund entgegenkam. Sie wies den Hund an, "Sitz" zu machen, dieser wartete geduldig ohne zu bellen, wir lobten die guten Manieren und gingen nach einer kurzen Plauderei freundlich auseinander. Und im Körbchen am Gepäckträger ihres Rades sahen wir volle und leere Kotbeutelchen...

Bildnachweis: FreeImages.com / PenguinFB

Samstag, 1. Februar 2014

Meine eingeleitete Geburt mit Cytotec

Die Geburt meiner Zwergnase ist nun zwei Wochen her. Sowas wie Alltag hat sich nun schon fast eingestellt und deshalb ist es an der Zeit, dass Internet mal mit einer positiven Erfahrung zu bereichern, sodass sich nicht nur Horrorgeschichten finden.
Vor guten zwei Wochen wurde bei mir die Geburt wegen reduzierten Fruchtwassers mit dem Medikament Cytotec eingeleitet und ich kann wirklich nicht behaupten, dass dies eine furchtbare und langwierige Tortur gewesen wäre. Aber eins nach dem anderen.
Am Donnerstagvormittag wurde ich von meiner Gynäkologin bei 36+6 und einem Muttermund von 2cm ins Krankenhaus eingewiesen. Die Oberärztin dort ließ mir zunächst die Wahl, es homöopathisch zu versuchen. Da ich davon im Allgemeinen nicht viel halte (worüber die Ärztin übrigens ganz froh war), einigten wir uns auf eine Einleitung mit einem synthetisch hergestellten Medikament. Mir wurde zur Tablette Cytotec geraten, die eigentlich ursprünglich als Magenmittel entwickelt worden war. Alternativ wäre auch ein Gel denkbar gewesen, das alle sechs Stunden aufgetragen worden wäre.
Ich entschied mich für Cytotec. Das Procedere sah vor der Einnahme eine halbe Stunde CTG und danach eine volle Stunde CTG vor. Um 13.30 Uhr am Donnerstagnachmittag erhielt ich die Probedosis einer Vierteltablette... und es geschah nichts. Gar nichts. Der Wehenschreiber zeigte minimale Wehen an, die ich nicht spürte. Um 17.30 Uhr erhielt ich dann eine halbe Tablette, die wiederum nicht wirklich anschlug. Allerdings setzten nun sehr leichte Wehen ein, die aber über ein die Regelblutung ankündigendes Ziehen nicht hinausgingen. Hätte ich dieses zuhause gespürt, ich hätte mich noch lange nicht auf den Weg ins Krankenhaus gemacht. Um 21.30 Uhr standen wir vor der Entscheidung, noch eine halbe Tablette zu nehmen oder bis zum nächsten Morgen zu pausieren. In der Erwartung, dass schier unerträgliche Schmerzen auf mich zukommen, wollte ich die Geburt nur hinter mich bringen. Ich wollte eine weitere Tablette. Doch die diensthabende Ärztin beschloss, dass ich in der Nacht nochmal Kraft für den nächsten Tag tanken sollte, denn dann "greifen wir es richtig an". In der Nacht spürte ich weiter leichte Wehen, die aber bis zum Morgen vollständig verschwunden waren. Mein Mut sank und meine Angst vor einem Kaiserschnitt wuchs. Um 7.00 Uhr am Freitag also wieder eine halbe Tablette Cytotec und zu meiner großen Enttäuschung tat sich wieder nichts. Bei einem Cappuccino in der Krankenhaus-Cafeteria sprachen mein Mann und ich darüber, wann die Ärzte wohl mit dem Thema Kaiserschnitt ankommen würden. Die Hebamme, die mir die nächste Tablette Cytotec um 11.00 Uhr brachte, beruhigte uns jedoch. Eine Einleitung würde nicht selten drei Tage dauern und wir seien ja auch drei Wochen vor Termin. Wichtige Vorbereitungen auf die Geburt seien in meinem Körper eben noch nicht in Gang geraten. Natürlich führte auch diese Tablette nicht zu Ausschlägen am Wehenschreiber. Lustlos stocherte ich in meinem Grießstrudel zum Mittagessen herum, aß ihn aber doch auf. Da mein Mann kein Essen bekam und ich noch Fleischhunger hatte, wollten wir uns in der Cafeteria eine Schnitzelsemmel holen. Ich wollte nurmal kurz noch auf die Toilette. Als ich diese verließ, zuckte ich plötzlich unter einer Wehe zusammen (mehr als ein Zucken war es wirklich nicht), ich spürte ein Plopp und fühlte auch prompt den Abgang von etwas Fruchtwasser. Die Hebamme bestätigte den Blasensprung und schloss mich erneut ans CTG an. Das war ca. um 12.30 Uhr. Endlich tat sich was!
Die Wehen, die ich immer öfter "wegatmen" musste, setzten mit dem Blasensprung sodann auch richtig ein. Ob das nun an der Tablette lag oder am Platzen der Fruchtblase, das ja oftmals das Einsetzen der Wehen auslösen soll, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich lag nun im Bett, ließ mir von meinem Mann den unteren Rücken massieren und fragte mich, wie lange ich nun in den Wehen liegen muss.
Während ich so atmete und spekulierte, verspürte ich auf einmal den Drang, nochmal "groß" auf die Toilette zu müssen. In diesem Moment fiel mir natürlich nicht mehr ein, dass ich irgendwo gelesen hatte, dass der Druck des Kindskopfes dieses Gefühl bedingt. Ich bat also die Hebamme darum, mich vom CTG loszumachen. Die wurde nun etwas hektisch und tastete mich ab. Innerhalb von 20 Minuten hatte sich der Muttermund von 2 auf 5cm geöffnet. Sie meinte, dass ich den Toilettengang versuchen dürfte, aber auf keinen Fall pressen solle. Wenn ich fertig bin, würden wir vom Wehenzimmer in den Kreißsaal umziehen.
Im Kreißsaal erhielt ich über meinen Venenzugang Schmerzmittel und meine Wahrnehmung war nun eher verschwommen. Mein Mann war da und ich konnte bei jeder Wehe gegen seine Hand drücken. Ja, Wehen tun weh. Aber sie sind (mit Schmerzmittel?!) nicht unerträglich. Regelschmerzen x100 oder x1000? Ich würde sagen x100. Ich habe gestöhnt. Hemmungslos. Ein einziges Mal habe ich wohl geschrieen. Meine Augenlider waren schwer und ich ließ die Augen im Grunde nur noch zu und hörte die Anweisungen von Ärztin und Hebamme wie durch einen Schleier. Innerhalb kürzester Zeit war ich 8cm offen. Die Hebamme gab mir Atemanweisungen. Und ich erinnerte mich noch an den Tipp aus einem Schwangerschaftsbuch, den Kiefer locker zu lassen. Denn: Kiefer locker, unten rum locker. Zähne zusammenbeißen verzögert die Geburt wohl eher, weil frau verkrampft und "zumacht". Irgendwann brachte ich noch hervor, dass ich das Gefühl hätte, das Kind zwanghaft zurückzuhalten und ob ich das schon machen dürfe. Die Hebamme verglich das mit dem Zurückhalten von Harndrang, beispielsweise beim Stadtbummel, was gut zutraf. Ab da durfte ich dann pressen. Der Muttermund war vollständig eröffnet. "Pressen Sie! Wie beim Stuhlgang auf der Toilette!"... und genau so fühlte sich die Geburt an. Frau darf keine Hemmungen haben, sonst wird das nix. Hatte ich mir anders vorgestellt. Dass ich das mehr aus der Scheide heraus fühlen würde, aber dem war nicht so. Beim Durchtreten des Kopfes fühlte sich dann die Scheide an, als würde ich mit 1000 Stecknadeln gepiekst - meine Schamlippen schürften auf... und es war geschafft. Um 14.06 Uhr. Nur gute 1 1/2 Stunden nach dem Blasensprung.
Der Damm war leicht gerissen, was mit einem Stich genäht wurde, aus eher kosmetischen als medizinischen Gründen, wie die Ärztin sagte. Mein Kind plärrte auf meiner Brust, mein Mann hatte Tränen des Glücks in den Augen und ich war einfach nur überwältigt. Ich konnte gar nicht fassen, dass das meine Zwergnase ist. Mein Kind. Endlich sehe ich es und es ist so unglaublich, dass man ein fertiges kleines Menschlein in sich getragen hat. Ja, für mich stimmt es. Man vergisst in diesem Moment den Geburtsschmerz. Ich war nach dem Abstöpseln des Schmerzmittels topfit.
Alles in allem hatte ich mir die Geburt sehr viel schlimmer vorgestellt.
Die Woche danach zwickte es nun schon noch sehr und ich traute mich beim großen Toilettengang nicht so recht, "Druck auszuüben". Aber hier kleine Tipps und Tricks, um diese Wochenbettwehwehchen etwas zu mildern.
Schon im Krankenhaus wurden die Wöchnerinnen angewiesen, nach jedem Toilettengang mit lauwarmem Wasser (in einem Messbecher) zu spülen (heißt: von vorne das Wasser über den Venushügel und dann über die Schamlippen fließen lassen). Die Wundheilung wird jedoch mit ein paar Tropfen Kamillosan unterstützt, was mir meine Mama verriet. Auch Sitzbäder mit Kamillosan helfen, die ganze Sache etwas zu beschleunigen. Also: Habt Kamillosan daheim!
Für ein problemloses großes Geschäft hilft es, "Weichmacher" wie z.B. Birnen zu essen und zu gehen, wenn man muss. Hat man Angst, dass die Dammnaht reißen könnte (was eigentlich nicht passiert und daher eher ein psychisches Problem ist), sollte man mit einer weichen Binde leicht gegen den Damm drücken. - Habe ich ausprobiert. Hat mir gut geholfen.
Ich habe diese megafetten Binden aus dem Krankenhaus gebunkert und mir auch solche bei dm geholt (bei den Babywindeln). Die Blutung hätte dies nicht erfordert. Die war ab dem zweiten Tag nicht stärker als während der Regel. Aber diese Binden sind so schön weich und tun deshalb gut. Inzwischen verwende ich dünnere als die im Krankenhaus, aber auch weichere als herkömmliche Binden ohne Plastik für den Wochenfluss, der nach nur zwei Wochen kaum mehr vorhanden ist.
Und: Im Wochenbett soll frau sich schonen. Diese Erholung ist auch notwendig, auch wenn frau sich so weit fit fühlt.
Thema Gewicht: Unmittelbar nach der Geburt waren es leider nur sechs Kilo weniger. Jetzt nach zwei Wochen sind es insgesamt nur 10kg weniger. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen... aber auch wenn es langsam geht, es geht vorwärts. Ich achtete aber direkt nach der Geburt schon darauf, nicht zuviel zu essen. Da ich nicht stille, ist das möglich. Mein Appetit hat aber auch sofort drastisch nachgelassen.
Genauso geht der Bauch jeden Tag merkbar zurück, auch wenn er wabbelweich ist. Es ist überhaupt alles wabbelweich. Liegt, wie ich mir erlesen habe, wieder einmal an den Hormonen. Wird sich also auch wieder regulieren. Und wie heißt es? 9 Monate kommt der Bauch und 9 Monate geht er wieder.
Ich hoffe, damit kann ich so manch Schwangeren die Angst vor der Geburt nehmen. Immer locker bleiben und loslassen können!

Bildnachweis: FreeImages.com / Maria Sanchez